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Tage der Verzweiflung beim Homeschooling

Der Unterricht zu Hause fordert die Rathauschefs aus Östringen und Forst

Homeoffice und Homeschooling stellen Familien vor besondere Herausforderungen. Das wissen auch die Bürgermeister Felix Geider, Östringen, und Bernd Killinger, Forst. Beide sind nun ebenfalls mehr in die Betreuung ihrer Kinder eingebunden.

Forschungsobjekt vor der Kamera: Levy Killinger war mit seiner Familie auf Entdeckungstour für den Sachkunde-Unterricht. Foto: Bernd Killinger

Die Hauptlast tragen aber eindeutig ihre Frauen, wie sie freimütig zugeben. Sie erzählen aus ihrem Alltag mit den Kindern stellvertretend für Tausende andere – denn viele Bürgermeister sind auch „nur“ Eltern.

„Meine Frau ist selbstständige Architektin und etwas flexibler in der Zeiteinteilung“, erzählt Geider. Als Bürgermeister habe er viele Termine, die einfach vorgegeben sind. Video- oder Telefonkonferenzen mit Ämtern und Einrichtungen sind einfach gesetzt, da habe er keinen Einfluss darauf.

„Meine Frau und ich sitzen immer wieder vor dem Terminkalender und sprechen uns ab. Wer muss wann was machen? Und dann organisieren wir uns darum herum.“ Als Bürgermeister lebe man ständig auf Abruf. Aber seine Frau sei härter betroffen, so Geider. „Die Situation geht schon an die Substanz“, sagt er. Dabei sieht er sich und seine Familie durchaus in der komfortablen Situation einen Garten zu haben. „Da können die Kinder zwischendurch mal raus und sich austoben.“

In Sachkunde ging es neulich um Schall und da haben wir zusammen eine Schallkanone gebaut.
Felix Geider, Bürgermeister Östringen

Wenn es um Hausaufgaben oder Übungen geht ist er eher für Mathe zuständig. „Und für Experimente. In Sachkunde ging es neulich um Schall und da haben wir zusammen eine Schallkanone gebaut. Da bin ich Feuer und Flamme“, schwärmt Geider. Die jüngere Tochter ist ein Septemberkind und Geider ist froh, sie nicht schon letztes Jahr in die Schule geschickt zu haben. Die ältere Tochter geht in die zweite Klasse. „Es kommt ab und zu vor, das ich genau weiß, was zu tun ist. Aber wie vermittle ich das?“, lauten Herausforderungen, die er bei der Hausaufgabenbetreuung hat.

Kontakte und Freunde können die Eltern nicht ersetzen

„Das ist eine extrem belastende Zeit für Schüler, Eltern und Lehrer“, sagt Killinger, sieht aber auch neue Optionen. Weil es keine Vereinsfeste und weniger Versammlungen gibt, ist er abends früher Zuhause und hat mehr Zeit für die beiden Kinder. Erst vor Kurzem haben sie zusammen eine Froschwanderung gemacht.

„Das war auch für mich das erste Mal und wir alle fanden es ganz toll“, erzählt Killinger. Der zwölfjährige Levy hat fleißig fotografiert. „Sachkunde-Unterricht vor Ort“, sagt Killinger. Er findet es spannend zu beobachten, wie sich die Kinder, trotz des Altersunterschieds von sechs Jahren, als Geschwister und Spielgefährten neu entdecken.

„Wir haben in der Familie von Anfang an sehr offen über Corona gesprochen und kommen eigentlich gut zurecht, haben aber auch keine Existenzängste, wie viele andere“, sagt er. Trotzdem – die Kontakte und Freunde fehlen, der Radius hat sich deutlich verringert, seine Frau ist mehr gefordert.

Der Papa ist nach der Stunde meistens auch schlauer als vorher.
Levy Killinger, Sohn von Bernd Killinger (Bürgermeister Forst)

In Sachen Hausaufgaben ist er eher bei Spezialthemen wie beispielsweise dem Erstellen von Präsentationen gefordert oder abends noch eine Stunde Mathe mit Levy. „Wenn ich mal etwas nicht weiß oder erklären kann, machen wir ein Recherchespiel daraus. Der Papa ist nach der Stunde meistens auch schlauer als vorher.“ Aber es gäbe natürlich auch Tage der Verzweiflung, wenn sich die Kinder nicht richtig konzentrieren können.

Lehrerin ist trotz Bildschirmgrenzen eine Bezugsperson

„Bisweilen tobt dann das Chaos“. Sehr angetan ist er vom Engagement der Klassenlehrerin seiner Erstklässlerin. „Sie hat es trotz Bildschirm geschafft, eine Bezugsperson zu werden. Dabei ist das erste Schuljahr, das Sich-Kennenlernen und eine-Gemeinschaft-werden eigentlich ausgefallen“.

Die Aufgabenstellung: Alle drei Seiten des Dreiecks müssen die Summe 50 ergeben. Errechne die fehlenden Zahlen. Soweit, so klar. Aber – wie erkläre ich das einer Zweitklässlerin, fragte sich Bürgermeister Felix Geider. Eine didaktische Herausforderung. Je höher die Klassenstufe, umso schwieriger die Aufgaben. Dann fehlt mitunter auch noch das Fachwissen. „Erstaunlich, wie viel man vergessen hat“, sagt Bürgermeister Bernd Killinger.

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