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I hätt do mol ä Frog

Fuchs und Dachs sagen sich gute Nacht

Brombeersträucher wachsen wild, ausgediente Christbäume und Plastikeimer liegen in der Natur. Ein Leser der Bruchsaler Rundschau macht sich Sorgen um das Naturschutzgebiet Rotenberg.

Alles voller Gestrüpp: Leser Franz Peter Dreher steht vor der verwilderten Streuobstwiese im Naturschutzgebiet Rotenberg. Foto: Franz Lechner

Von unserem Mitarbeiter Franz Lechner

„Verwilderte, mit Brombeeren zugewachsene Grundstücke und einfach in der Landschaft entsorgte Christbäume und Plastikeimer im Naturschutzgebiet Rotenberg“, beklagt BNN-Leser Franz Peter Dreher in einem Leserbrief an die BNN und frägt noch was aus dem Versprechen der Stadt Bruchsal geworden sei, die weitere Verbuschung des Naturschutzgebietes aufzuhalten. „Außerdem“, so erzählt der pensionierte Lehrer in seinem direkt an den Rotenberg angrenzenden Garten „sind Dachse am gesamten nördlichen Stadtrand zu einer Plage geworden“.

Der Leiter der Bruchsaler Forstverwaltung kennt das Problem: „Ja, Füchse und Dachse haben in den letzten Jahren fast überall in den Randgebieten der Stadt stark zugenommen“, bestätigt Michael Durst den Eindruck von Franz Peter Dreher und erklärt auch gleich woran das liegt: Früher hat man ja die Tollwut in Deutschland dadurch bekämpft, dass man Füchse in ihrem Bau vergast hat, die meist im gleichen Bau lebenden Dachse nahm man dabei als Kollateralschäden in Kauf“ Inzwischen ist Deutschland weitgehend Tollwutfrei und der Dachsbestand hat sich von den systematischen Vergasungsaktionen des letzten Jahrhunderts sehr gut erholt. Gleichzeitig hat sich der Lebensraum für Dachse durch den enormen Landschaftsverbrauch stark verkleinert. Die Folge: Die schlauen Allesfresser ziehen von der immer kleiner werdenden Natur in den mit Futter gut versorgten Stadtrand.

„Was könnte die Stadt dagegen unternehmen“, stellt Michael Durst eine rein rhetorische Frage, die er sich auch gleich selbst beantwortet „In Gebieten, in denen Kinder spielen, kann man Tiere schlecht mit der Waffe bekämpfen.“ Das ist auch Franz Peter Dreher klar. Daher hat er einen Wildschutzzaun um sein Grundstück errichtet

„Die zunehmende Verwilderung vieler Grundstücke im Gewann Rotenberg ist allerdings auch für die Umweltbeauftragte der Stadt Bruchsal ein Ärgernis. „Wir haben vieles versucht, um dieses Problem zu lösen“, erklärt Renate Korin und räumt ein „leider ohne Erfolg“. So hätte man ein Beweidungsprojekt mit Schafen geplant, dass letzten Endes daran gescheitert sei, dass einige Grundstücksbesitzer keine Schafe auf ihrem Grundstück haben wollten „Am Ende war die potentielle Beweidungsfläche so klein und zersplittert, dass der Schäfer, mit dem wir bereits einig waren, abgesprungen ist“, bedauert Korin dass aus dem Plan, den Rotenberg besser zu pflegen, bis jetzt nichts geworden ist.

Verwilderte Grundstücke zwangspflegen zu lassen und die Kosten dem Besitzer in Rechnung zu stellen, ist laut der Stadtverwaltung nämlich keine praktikable Lösung. Das setze einen hohen bürokratischen und im Ernstfall auch einen großen juristischen Aufwand voraus, an dessen Ende die Stadt und damit die Steuerzahler möglicherweise auf den Kosten sitzen bliebe“, erklärt Renate Korin.

Noch hat die Umweltbeauftragte aber nicht aufgegeben. „Derzeit überlegen wir, ob wir vielleicht mit einem Landwirt einen Pflegevertrag für das NSG Rothenberg abschließen können“, berichtet Korin. Allerdings, so betont sie noch, sei es heute schwierig, es jedermann Recht zu machen. „Jäger beispielsweise begrüßen die Verbuschung der Landschaft, weil Rehe so Schutz vor den vielen freilaufenden Hunden finden“, erzählt sie und ergänzt „Auch Naturschützer betonen, dass Hecken und Gehölzstreifen beispielsweise für Neuntöter und Grasmücken ein wichtiger Lebensraum sind“. Das weiß auch Vogelfreund Franz Peter Dreher. „Allerdings dürfen sie nicht auf Kosten von wertvollen Streuobstwiesen überhand nehmen“, betont er.

Bleibt noch das ärgerliche Problem mit dem wilden Müll. Das lässt sich aber laut Korin relativ leicht lösen: Wilder Müll kann man bei der Stadtverwaltung melden, dort wird dann die Entsorgung organisiert“, erklärt die Umweltbeauftragte.

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