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Überraschende Tunnelidee

Ganz neue Option: Verschwindet die B35 in Bruchsal unter der Erde?

Wird Bruchsal bald untertunnelt? Zumindest gibt es die Option eines innerstädtischen Tunnels als Ersatz für die heute oberirdisch laufende Bundesstraße 35. Die Verwaltung nennt diese Variante eine für Bruchsal positive Trassenführung. Das könnte der Diskussion über den Verlauf der geplanten B35-Ostumfahrung ganz neuen Schwung bringen.

AN DER BRUCHSALER PRINZ-MAX-KREUZUNG kreuzen sich die Bundesstraßen 3 und 35. Das führt oft zu Rückstau. Der Lärm dringt in die Wohngebiete etwa am Weiherberg oder in die Silberhölle. Eine Untertunnelung könnte das Problem entschärfen. Diese neue Variante soll am Dienstag im Gemeinderat diskutiert werden. Foto: Heintzen

Ein etwa 1,3 Kilometer langer, innerstädtischer Tunnel von der Lidl-Kreuzung an der Schnabel-Henning-Straße unter den Gleisen und der Prinz-Max-Kreuzung, also der B3, hindurch Richtung Weiherberg – für diese ganz neue B35-Trassenführung will sich die Stadtverwaltung Bruchsals stark machen und hofft auf Rückendeckung aus dem Gemeinderat.

Bruchsal hat viele Varianten untersucht

Doch von vorne: Im aktuellen Bundesverkehrswegeplan ist bekanntlich die sogenannte B-35-Ortsumfahrung vorgesehen. Bisher ist allerdings noch völlig offen, wie diese Umfahrung aussehen soll. Die Stadt Bruchsal hat nun ihrerseits zig denkbare Trassenführungen untersuchen lassen. Zum Beispiel die bereits diskutierte und vom Rat längst abgelehnte Durchquerung des geschützten Rotenbergs – bisher unter dem Namen Ost- oder auch Nordumfahrung bekannt. Außerdem eine Trasse entlang der Bahn-Schnellfahrstrecke oder der Ausbau der bestehenden B35 entlang der lärm- und staugeplagten Stadtteile Heidelsheim und Helmsheim.

Ganz neue Tunnelvariante im Gespräch

Nun aber kristallisiert sich nach BNN-Informationen offenbar eine bisher noch nie öffentlich diskutierte Variante heraus – ein durchgängiger innerörtlicher Tunnel unter der bestehenden B35, der Grabener Straße. Die Beschlussvorlage für die Gemeinderatssitzung am Dienstag jedenfalls bewertet diese Variante als „eine mögliche und für die Stadt positive Trassenführung“. Dafür wolle man sich – die Zustimmung der Räte vorausgesetzt – beim Regierungspräsidium stark machen.

Überregionaler Verkehr verschwindet unter der Erde

Vorteil dieser Variante aus Bruchsaler Sicht? Der überregionale Verkehr auf der B35 verschwindet innerorts unter der Erde, kommt dort auch zügiger voran, weil er nicht an der Prinz-Max-Kreuzung ausgebremst wird. Oben bliebe nur der innerstädtische Verkehr.

Rollschuhlaufen auf der alten B35

Letztlich ist die Sache Bundesangelegenheit, die Entscheidung wird also nicht in Bruchsal getroffen. Gemeinden wie Ubstadt-Weiher, Kraichtal und Bretten werden ebenfalls gehört. Denn ein solcher Bruchsaler Tunnel würde zwar die große Kreisstadt entlasten, brächte aber beispielsweise den lärmgeplagten Kraichtalern in Unteröwisheim nicht viel. Die ebenfalls geplagten Bruchsaler Weiherbergbewohner hingegen könnten aufatmen, womöglich gar auf der dann nicht mehr benötigten alten B35 Rollschuh fahren.

Zugegeben – alles bisher nur eine Option von vielen. Ob es so kommt, kann auch der Gemeinderat am Dienstag nicht selbst festlegen. Er kann sich nur positionieren.

Naturschützer werben für den Tunnel

Erste Befürworter dieser Idee melden sich bereits zu Wort: „Der Ausbau der bestehenden Trasse ist angesichts der neuen planerischen Erkenntnisse alternativlos“, finden die beiden Bruchsaler Naturschutz-Initiativen Agnus und Binus in einer gemeinsamen Erklärung. Bruchsal müsse seine Interessen jetzt mit Nachdruck vertreten, fordern sie per Pressemitteilung. Gefragt sei eine klare Positionierung zu Planungen des Regierungspräsidiums.

So wurde bisher berichtet:

Neubau im Norden ist keine Option

Sich andere Varianten offen zu halten, lehnen die Umweltschützer rigoros ab. Das liege nicht im Interesse der Stadt Bruchsal. Ein Neubau im Norden würde aus Sicht der Naturschützer noch mehr Verkehr in den Kraichgau ziehen, dem überregionalen Verkehr zwischen Stuttgart und der Pfalz gar eine zu attraktive Umfahrung der staubelasteten A5 und A8 bieten.

Agnus und Binus machen sich zum Teil seit Jahrzehnten dafür stark, dass der Rotenberg nicht von einer neuen B35-Trasse durchschnitten wird. Längst hat sich der Gemeinderat dieser Meinung angeschlossen. Binus sieht in der neuen Tunnelvariante zudem die Chance, den weiteren Verlauf der Bundesstraße Richtung Heidelsheim und Helmsheim mit Lärmschutz zu versehen.

Service: Für Dienstag hat die Stadtverwaltung ein Pressegespräch zum Thema angesetzt. Abends ab 17 Uhr tagt der Gemeinderat öffentlich im Bürgerzentrum und befasst sich ebenfalls mit dem Thema.

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