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Abstand halten, bedeutet weniger Tische

Gastronomen in Bruchsal fürchten im Herbst und Winter um ihre Existenz

Der sonnige warme Herbst mit den lauen Abenden spielt den Bruchsaler Gastronomen in die Karten. Sie hoffen, die Saison noch deutlich verlängern zu können. Doch wirklich positiv blicken nicht alle in die Zukunft.

Wirt Vu van Loc (stehend) hätte gerne mehr Platz. Dafür müsste der Fahrradständer im Bereich seines Restaurants verrückt werden. Foto: Margrit Csiky

Von Margrit Csiky

„Das scheint nur auf den ersten Blick so,“ sagt Christian Hochhaus, seit August der neue Vorsitzende der Dehoga Bruchsal, „denn der Winter steht vor der Tür und damit bedrohen die Corona-Einschränkungen unser Geschäft wieder verstärkt.“

Wegen der angeordneten Distanzen zwischen den Tischen stehen rund 40 Prozent weniger Plätze zur Verfügung und viele Gäste, die sich im Freien sicher fühlen, meiden abgeschlossene Räume. „Die Fixkosten bleiben gleich, die Einnahmen sinken auf etwa die Hälfte. Selbst das so genannte Weihnachtsgeschäft kann das nicht mehr reißen. Viele Gastronomen in der Region werden diese Krise nicht überstehen.“, befürchtet er.

Elektroheizung an den Sonnenschirmen stellt Betrieb bis Dezember sicher

Im „Wallhall“, seinem eigenen Restaurant, habe Corona den bisherigen Nachteil, nämlich dass es viele kleine Räume habe, zu einem Vorteil gewandelt: In jedem Raum stehen jetzt nur noch drei Tische, was die Sicherheit erhöht.

Während die Absperrpoller, die seit dem Frühling auf dem Kübelmarkt im Einsatz sind, sein Geschäft nicht wesentlich verändert haben, sind sie für das Bistro „Feldenguts“ überlebensnotwendig – genauso wie neue Schirme.

Um sich für die kalte Jahreszeit vorzubereiten hat Alexander Feldengut nämlich vier neue 4,5 auf 4,5 Meter große Schirme geordert, die fest in den Boden eingelassen und mit dem Stromnetz verbunden werden. Damit ist die Beleuchtung und Elektroheizung gesichert. Damit kann er seine gesamte Fläche abdecken und ist sicher, dass er bis einschließlich Dezember damit seinen Gästen einen attraktiven Rahmen bietet – auch auf dem Weihnachtsmarkt. Im Januar gibt es erst mal für ihn und die gesamten Belegschaft Betriebsferien. Bis es dann im nächsten Frühling auf dem Kübelmarkt weitergeht, wird er sich um seinen Catering-Betrieb, um die Event-Location in Helmsheim und um das Online-Geschäft kümmern.

Normal hatten wir 40 Plätze im Erdgeschoss des Restaurants, jetzt ist die Zahl der Plätze auf die Hälfte reduziert.
Vu van Loc, Inhaber des Thai-Restaurants

Vu van Loc, der Inhaber des Thai-Restaurants in der Friedrichstraße stellt fest, dass die Anzahl der Gäste nach dem Lockdown noch nicht den Stand von davor erreicht hat. Er habe Gäste verloren, die jetzt im Homeoffice arbeiten und daher in der Mittagspause nicht weggehen und er sieht mit Sorgen auf die Winterzeit. „Normal hatten wir 40 Plätze im Erdgeschoss des Restaurants, jetzt ist die Zahl der Plätze auf die Hälfte reduziert.“

Die Suche nach mehr Außenplätzen

Um wenigsten in der Open-air-Zeit alle Chancen zu nutzen und die Außenbestuhlungsfläche zu vergrößern, hat er zwei Bitten an die Stadtverwaltung: den Fahrradständer an einen anderen Platz zu verlegen und die tropfenden Linden vor seinem Geschäft durch zwei Platanen mit ebenerdigen Baumschutzscheiben zu ersetzen, so wie sie in der Kaiserstraße vor dem Schuhgeschäft ums Eck stehen. Das Wegfallen des erhöhten Beetes rund um die Bäume würde es ihm ermöglichen, vier weitere Tische draußen aufzustellen.

Im Lago, dem Golfrestaurant im Langental, sieht man zuversichtlicher in die Zukunft. „Klar, wir haben auch Verluste“, sagt Carola Rapp, die Geschäftsführerin. Auf das „Kleine Schwarze“ habe man ganz verzichtet und die Trennwand zum ehemaligen Spitzenrestaurant aufgemacht. Dadurch könne man von den 80 Vor-Corona-Plätzen immerhin noch 50 anbieten.

Man versucht auch im Lago, die Outdoor-Saison auf der Terrasse bis in den Oktober, vielleicht sogar bis November zu ziehen. Dank der großen Markisen mit Infrarotheizung und Beleuchtung sind die Bedingungen dafür optimal.

„Zuerst Corona und jetzt das!“, sagt Mirco Del Sol, der Inhaber des Restaurants „Da Gianni“ in der Friedrichstraße. Er ist verzweifelt, denn durch die Straßenbaumaßnahme fallen alle Tische weg, die früher auf dem Gehsteig vor dem Restaurant standen, und von den ehemals 17 Tischen im Inneren, kann er nur noch acht anbieten. Er weiß nicht, wie es weitergehen soll.

Das verzerrt den Wettbewerb. Wer sich an die Regeln hält, ist der Dumme!
Anonymer Gastronom

Ein Gastronom, der nicht namentlich genannt werden will, beschwert sich, dass im Bahnhofsbereich „jeder macht, was er will und niemand kontrolliert, ob Abstände eingehalten und Masken getragen werden. Das verzerrt den Wettbewerb. Wer sich an die Regeln hält, ist der Dumme!“

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