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Gesprächspartner für Patienten und Pflegekräfte

Bruchsaler Klinikseelsorger sind gerade jetzt sehr gefragt

Klinik-Patienten können keinen Besuch von Angehörigen empfangen: Das macht die Arbeit der Klinik-Seelsorger in Bruchsal noch wichtiger. Und wie kümmern sich ein evangelischer Pfarrer und ein katholischer Theologe um die Pflegekräfte?

Ansprechpartner bei Einsamkeit und Überlastung: Die Bruchsaler Klinikseelsorger Bernd-Michael Beck (links) und Klaus Vogel. Hier in der Kapelle der Fürst-Stirum-Klinik. Foto: Martin Heintzen

Einsame Patienten, die kaum Besuch empfangen können, und überlastete Pflegekräfte, die über ihre Arbeit sprechen wollen: Für diese Menschen sind zwei Männer im Bruchsaler Krankenhaus jetzt ganz besonders wichtig. Es handelt sich dabei um die beiden Klinikseelsorger Bernd-Michael Beck und Klaus Vogel.

Sie spüren in der Zeit der Pandemie, wie ihre Zuwendung gefragt ist. Denn sie sind ständig präsent in der Klinik, die in normalen Zeiten hilfreichen Ehrenamtlichen dürfen das nicht mehr sein.

„Dabei sind wir Gesprächspartner, aber oft auch Vermittler zu den Familien von Patienten. Ich habe schon kurze Filme an Angehörige geschickt, damit sie wissen, wie es ihrem Opa nach dem Schlaganfall geht. Oder seine Rückkehr nach Hause besprochen“, erzählt Bernd-Michael Beck, der katholische Klinikseelsorger.

Viel Erfahrung und eine ganze Stelle hat der Pastoralreferent. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet er an der Klinik. Er geht in seiner Rolle auf und nimmt auch weitere Aufgaben an – wie etwa den Vorsitz im Ethik-Komitee für die Häuser in Bruchsal und Bretten.

Belasteten Pflegekräften einfach mal zuhören

„Ich bin mit Mitarbeitern der Intensivstationen im vertraulichen Gespräch. Sie wollen über ihre Belastung sprechen, über das Fehlen von kranken Kollegen. Es ist so wichtig, dass sie das alles nicht nur mit sich selbst ausmachen.“ Ob christlich, religiös oder ohne Bekenntnis – Beck ermutigt, über die Arbeit zu sprechen und Entlastungsmöglichkeiten zu diskutieren.

Wenn er sich als guter Zuhörer und Ratgeber erweist, können seine Gesprächspartner klarer erkennen, was ihnen weiterhelfen kann.

Wir müssen nicht auf die Uhr schauen.
Klaus Vogel, Krankenhauspfarrer

„Das große Pfund unserer Hilfe ist, dass wir Zeit haben. Wir müssen nicht auf die Uhr schauen, und dann dauert ein Gespräch über die familiäre Situation eines Kranken schon mal eine Dreiviertelstunde. Wir sind natürlich zu Verschwiegenheit verpflichtet“, berichtet Klaus Vogel. Er ist der evangelische Seelsorger und hat schon oft das Eis gebrochen, in dem er Dialekt gesprochen hat.

Vogel kommt aus der Bruchsaler Region, er ist gleichzeitig Pfarrer von Oberöwisheim. Dort hat er eine halbe Stelle, und seit sechs Jahren auch eine halbe beim Dekanat für die Seelsorge in der Fürst-Stirum-Klinik. „Das ist schon ein Spagat zwischen Gemeinde und Krankenhaus, aber ich bin im Notfall schnell da, Tag und Nacht. Denn wenn ein Leben zu Ende geht, werden wir oft gerufen von den Angehören zu einem Sterbesegen. Und der kann so wertvoll sein für die Familie.“

Die Klinikkapelle ist geschlossen

Beck, der katholische Laientheologe, ergänzt: „Es darf ja derzeit kein Priester mehr kommen für das Sakrament der Krankensalbung. Also ist es meine Aufgabe, auch bei Covid-19-Patienten in kompletter Schutzkleidung ein Gebet oder einen Sterbesegen sprechen zu können.“ Für Pflegekräfte sitzt er auch am „Entlastungstelefon“, das Mitarbeiter anonym nutzen können. „Wir haben es jetzt im zweiten Lockdown wieder eingeführt, weil der Bedarf spürbar war“, sagt Beck.

Er wird, wie Pfarrer Vogel, regelmäßig selbst getestet. Die Seelsorger können Patienten aufsuchen, die an Covid-19 erkrankt sind, aber nicht auf der Intensivstation liegen.

Ein wichtiger Ort für die Klinikseelsorge war vor der Zeit der Pandemie die Kapelle im A-Bau. Viel besucht war sie von allen, die Ruhe, Meditation und das Gebet suchten. Im neobarocken Raum, der mit einer Orgel ausgestattet ist, hielt Klaus Vogel jeden zweiten Montag einen Gottesdienst. Beliebt bei Bruchsalern waren ebenfalls die katholischen Gottesdienste von Pfarrer Edgar Neidinger. Nun ist die Klinikkapelle geschlossen, für die religiöse Begegnung wird das Gespräch immer wichtiger.

Die Seelsorger erleben, dass immer weniger Menschen einen konfessionellen Hintergrund mitbringen. „Und trotzdem haben sie ein spirituelles Bedürfnis, gerade bei schwereren Krankheiten. Ich denke, dass in den Kliniken unbedingt Fachleute da sein müssen“, sagt Vogel. Dass die Kirchen nicht mehr Träger dieser Aufgabe sein werden, das ist die Sorge und die Prognose des Pfarrers.

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