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Zum „Weihnachtsgottesdienst“ im Parkhaus

Glocke der Bruchsaler Fürst-Stirum-Klinik schlägt erstmals nach 14 Jahren wieder

Nachdem die Glocke im Kirchturm der Fürst-Stirum-Klinik Bruchsal jahrelang nicht zu hören war, soll sie jetzt zum Weihnachtsgottesdienst im Parkhaus wieder schlagen. Der Klöppel der Glocke war jahrelang verschwunden.

Seit Jahren nicht mehr gehört: Die Glocke im Kirchturm des alten Fürst-Stirum-Gebäudes in Bruchsal. Die Glocke der Klinik hat als einzige in Bruchsal den Bombenangriff 1945 überstanden. Seit 2006 hat sie nicht mehr geschlagen. Nun ist der Klöppel wieder aufgetaucht. Foto: Martin Heintzen

Jahrelang war sie nicht mehr zu hören, jetzt soll sie an Heilig Abend erstmals nach 2006 wieder schlagen – die Glocke im Zwiebelturm des alten Fürst-Stirum-Klinikgebäudes. Eine ungewöhnliche Aktion in ungewöhnlichen Zeiten: Eine Pietà, die Darstellung der trauernden Maria mit dem Leichnam Jesu im Schoss, ziert die Glocke aus dem Jahr 1925. „Mutter der Schmerzen. Bitt für uns!“ heißt es in einer Inschrift darunter. Nun ist auch der Klöppel wieder aufgetaucht, der jahrelang verschollen war.

Förderverein für Wiederaufbau des Turms gegründet

Darüber freut sich allen voran Jürgen Wacker, seit 2014 Vorsitzender des Freundeskreises zur Förderung des Krankenhaus Bruchsal. Vor 25 Jahren vom früheren Staatssekretär Heinz Heckmann gegründet, war das Ziel des Vereins ursprünglich, den Wiederaufbau des neobarocken Turms zu ermöglichen.

Für viele Bruchsaler ist der markante Turm ein wichtiges Merkmal der Stadtsilhouette. Den Bombenangriff vom 1. März 1945, der weite Teile der Innenstadt samt Schloss in Schutt und Asche legte, überstand das Krankenhaus unbeschadet. Die Glocke im Turm war danach die einzige, die noch intakt war.

100.000 Euro Spenden gesammelt

Nach einem schweren Sturm im Januar 1976 musste die Holzkonstruktion des Turmes jedoch abgetragen werden. Sie drohte einzustürzen. Als der denkmalgeschützte Altbau der Klinik in den 1990ern saniert wurde, wurde der Wiederaufbau des Turms allerdings verschoben –zu teuer. Der Freundeskreis um Heinz Heckmann sammelte daraufhin bis 2006 100.000 Euro an Spenden.

Die Glocke der Klinik soll beim Weihnachtsgottesdienst im Parkhaus erstmals wieder schlagen. Foto: Martin Heintzen

Auch der Landkreis unter dem damaligen Landrat Claus Kretz, die Stadt Bruchsal unter Oberbürgermeister Bernd Doll und die Denkmalstiftung unterstützten das Projekt finanziell. Die Dachdeckerfirma Kistenberger erstellte unentgeltlich den Turm und deckte ihn mit Moselschiefer. Am 18. September 2006 wurde er eingeweiht – zum 100-jährigen Bestehen der Klinik. Mit der Glocke, die zwischenzeitlich eingelagert worden war; allerdings ohne den Klöppel.

Der Klöppel galt jahrelang als verschollen.
Jürgen Wacker, Vorsitzender des Fördervereins

Im Dachgeschoss hat seit langem die Augenarztpraxis von Patrick Vivell ihre Räume. Damit die empfindlichen Lasergeräte durch die Glockenschwingungen nicht gestört werden, wurde nach Angaben Jürgen Wackers mit der damaligen Klinikverwaltung vereinbart, den Klöppel auszubauen. „Er galt als verschollen“, erzählt er.

Nach dem Hinweis eines ehemaligen Mitarbeiters wurde er nun wiedergefunden, mehr will er dazu nicht sagen. Über enge Treppen und eine steile Leiter kommt man vom Dachgeschoss in den Glockenturm. Dort ist es staubig, Taubendreck liegt herum. Die Lamellenfenster lassen nur wenig Licht in den Turm, unter dem sich die Klinikkapelle befindet. Ein Techniker hat den Klöppel jetzt wieder montiert.

Probeläuten vor Weihnachten im Parkhaus

Erklingen soll die Glocke, die 1925 vom Bruchsaler Glockengießerbetrieb Heinrich Allmers aus der Schlossstraße/Ecke Rollingenstraße gefertigt wurde, erstmals bei zwei Gottesdiensten an Heilig Abend. Von Seiten der Augenarztpraxis gab es grünes Licht, so Wacker.

Die Seelsorgeeinheit St. Vinzenz organisiert mit der Luthergemeinde und der Paul-Gerhardt-Gemeinde die ökumenischen Gottesdienste um 14 und um 16 Uhr. Sie finden, wie bereits berichtet, im neuen Parkhaus bei der Klinik stattfinden. Mit „Weihnachten im Parkhaus“ sollen Familien unter Wahrung der Abstände und den geltenden Hygieneregeln trotzdem einen Gottesdienst feiern können. Nächstes Wochenende soll außerdem ein Probeläuten stattfinden.

Klöppel bleibt nun hängen

Dass die Glocke in Zukunft noch öfters klingen wird, ist eher unwahrscheinlich – vielleicht Weihnachten 2021, hofft Wacker, der sich für dieses Jahr bereits Plätze reserviert hat. Der Klöppel bleibt aber hängen: „Ich brauche keinen Briefbeschwerer“, sagt der Fördervereins-Vorsitzende und schmunzelt. Er ist froh, dass mit der Aktion der langgehegte Wunsch des 2012 gestorbenen Vorsitzenden Heckmann erfüllt werden kann.

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