Skip to main content

Zum Volkstrauertag ein Blick auf unterschiedliche Gedenksteine

Große Erinnerungskultur wird vermehrt durch kleine Denkmale ergänzt

Sie sind heute meist auf den Friedhöfen zu finden: Die Gedenkmonumente für die Opfer von Krieg und Verfolgung. Oft stehen Steine aus dem 19. Jahrhundert nah bei modernen Kunstwerken. Und ein starker Wandel der Erinnerungskultur wird erkennbar.

Mahnmal gegen Gewalt: Ein ungewöhnlicher Gedenkstein wurde 1993 auf dem Friedhof Obergrombach errichtet. Foto: Martin Heintzen

Der nächste Krieg sollte nicht mehr weit weg sein, da stellte die Gemeinde Ubstadt ein großes Denkmal für die Soldaten des zurückliegenden auf. Im Jahr 1913 wurde ein Obelisk aus grauem Granit fertig, der die Teilnehmer am Feldzug von 1870/71 gegen Frankreich würdigt. Und die drei Toten nennt, die vom jenem siegreichen Krieg nicht mehr zurückkehrten. Das Denkmal steht heute auf dem Friedhof Ubstadt. Es ist gekrönt von einer Weltkugel in den Krallen eines Adlers.

Ein noch größerer Bruder dieses Vogels sitzt auf der Spitze des Mingolsheimer Denkmals von 1903 für jenen Krieg 1870/71 und verfügt über eine Spannweite von 116 Zentimeter. „Das deutsche Wappentier gilt als die patriotische Überhöhung der deutschen Macht und Unbesiegbarkeit. Man findet es auf vielen Siegdenkmalen jener Zeit“, schreibt Karl Heinz Häcker. Er hat 2011 eine Text- und Bilddokumentation über Kriegerdenkmale und Gedenktafeln im Kraichgau erstellt.

„Zeichen der Siege – Zeichen der Trauer“ heißt das vom Heimatverein Kraichgau herausgegebene Werk. Von den Obelisken aus dem Kaiserreich, über die große Würdigung der Gefallenen im Ersten Weltkrieg sowie die umfangreiche Erinnerung an die Toten des Zweiten Weltkriegs bis zu den modernen Kunstwerken als Mahnmal gegen Gewalt reicht die Denkmal-Spanne.

Erinnerung an Heimatvertriebene und flämische Soldaten

Die Erinnerung an Kriege und ihre Opfer stehen beim am Sonntag begangenen Volkstrauertag im öffentlichen Mittelpunkt. Wenn keine Pandemie es verhindert, rufen die Gemeinden zum öffentliche Gedenken an Denkmalen oder Ehrengräbern auf.

Diesmal gibt es in den Orten eher stille Treffen in kleinem Kreis. Auf vielen Friedhöfen lässt sich anhand der verschiedenen Monumente die wechselnden Einstellungen zum Krieg studieren. Oder feststellen, wie sich die Erinnerungskultur ausdifferenziert hat.

So findet sich in Bad Schönborn außer den Anlagen für Weltkriegssoldaten seit 1969 zusätzlich ein Mahnmal für die Vertriebenen aus Parabutsch. Nachdem sie 1944/45 ihre Heimat verlassen mussten, fanden viele der Donauschwaben Aufnahme in Langenbrücken und bereicherten auch das Wirtschaftsleben. Bereits 1956 wurden mit einem großen Holzkreuz auf dem Friedhof Ubstadt alle Heimatvertrieben gewürdigt.

Auf dem Philippsburger Friedhof ist die Mahnung an die Toten des Ersten und Zweiten Weltkriegs in einer Anlage vereint. Vier rechteckige Quader mit den Namen der Opfer sind an den Himmelsrichtungen ausgerichtet. Eine Säule in der Mitte zeigt Jesus mit trauernden Frauen. Weitere Gedenksteine erinnern an die Toten des Kriegslazaretts zwischen 1914 und 1918 sowie an gefallene flämischen Flaksoldaten, die 1944/45 am Rhein für die deutsche Armee kämpften. Solche Würdigung macht vielleicht vergessene lokale Geschichten innerhalb des großen Weltgeschehens offenkundig.

Mahnmal mit Baseballschläger in Obergrombach

In Bruchsal sind viele umfangreiche Gedenkmauern Gräberreihen und Denkmale für die deutschen Opfer der Kriege und vor allem des Luftangriffs am 1. März 1945 angelegt. Die Stadt und ihre Menschen haben im 20. Jahrhundert besonders stark gelitten. Zu finden sind daneben kleine Erinnerungsstätten. Auf dem Friedhof der Kernstadt wird gestorbener Franzosen aus dem Krieg 1870/71 ebenso gedacht wie russischen Kriegsgefangenen aus dem Ersten Weltkrieg.

An die ausländischen Opfer im Zweiten Weltkrieg erinnert ein 1970 aufgestellter Findling. Seit 1991 stehen im Bürgerpark zwei Mahnmale, damit die von den Nazis 1944 und 1945 im Bruchsaler Wehrmachtsgefängnis guillotinierten Gefangenen nicht vergessen werden.

Noch jüngeren Datums ist der außergewöhnliche Gedenkstein von Obergrombach. Auf dem Friedhof steht ein roter Fels mit der Aufschrift „Opfer mahnen“. Und der Künstler Harald Jost hat auf dem Stein ein Bronzerelief gestaltet, das Symbole der Gewalt zeigt: ein Gewehr, einen Baseballschläger und eine Faust. Außerdem sind die Folgen von Gewalt angedeutet: Durch zerstörte Häuser und Menschen auf der Flucht. In der jüngsten Moderne ist damit eine Entwicklung zum nicht-personalisierten Denkmal erreicht.

Vor dem 19. Jahrhundert wurden nur berühmten einzelnen Personen Standbilder errichtet, betont Carola Nathan in einem Aufsatz für die deutsche Denkmalstiftung. Nach den Kriegen von 1866 bis 1871 erwähnte man dankbar und namentlich die Soldaten, nicht nur die Gefallen. Nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg war allein Platz für Namen der Toten. Und nach 1945 erinnert man sich nicht nur am Volkstrauertag verstärkt an die zivilen Opfer und politisch oder rassistisch Verfolgte.

nach oben Zurück zum Seitenanfang