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Efeu-Prototypen

Große Euphorie bei der Vorstellung: Bruchsaler Campus wird zum Reallabor für Roboter

Nicht San Francisco und nicht Dubai: Nein Bruchsal wird gerade zum Innovationslabor: Dort fahren schon bald kleine Roboter Päckchen auf der letzten Meile zu den Empfängern. Für die Stadt ist das ein echtes Vorzeigeprojekt moderner urbaner Mobilität.

Noch in Begleitung unterwegs: Der kleine Transportroboter soll aber künftig autonom seinen Weg durchs Wohngebiet am Bruchsaler Campus finden. Foto: Martin Heintzen

Sie sind etwa hüfthoch, machen ein surrendes Geräusch und rollen elektrisch auf vier Rädern durchs Bruchsaler Campusgelände. „Ich bin schon ganz gespannt“, ruft eine Anwohnerin beim Pressetermin kurz über die Straße, als sie den autonomen Roboter über den Gehweg rollen sieht. Er soll hier künftig autonom Päckchen ausliefern und den Müll wegbringen.

240 Bewohner werden so Teil eines großen Experiments. Auch viele Bruchsaler sind gespannt. Was seit gut fünf Jahren nur als Stichwort „Efeu-Campus“ durch die Stadt geistert, wird jetzt konkret.

Fünf Roboter beliefern 240 Anwohner

Erstmals in Deutschland sind schon bald fünf kleine Roboter unterwegs und beliefern 240 Anwohner. „Es geht um nichts weniger als die Zukunft der urbanen Mobilität“, erklärt Bruchsals Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick (parteilos) bei der Pressekonferenz am Mittwoch stolz. Für dieses innovative Projekt, das als 100-prozentige Tochter der Stadt Bruchsal läuft, habe es die größte Einzelförderung der EU in ganz Baden-Württemberg gegeben.

Viel war von Meilensteinen und Leuchttürmen die Rede, als die Efeu-Akteure den Prototypen erstmals der Öffentlichkeit vorstellten. „Die soziale Akzeptanz der Bürger ist enorm wichtig“, betont Petzold-Schick. Schließlich müssen die Campus-Bewohner demnächst mit den kleinen grünen Robotern interagieren.

Die Bürger hier sind aufgeschlossen dafür und unaufgeregt.
Cornelia Petzold-Schick, Oberbürgermeisterin von Bruchsal

Mit Stichworten wie „künstliche Intelligenz“, „5G“ und „urbane Mobilität“ bilde man in Bruchsal echte Megatrends ab, erklärte Petzold-Schick, die dem Efeu-Campus-Aufsichtsrat vorsitzt. „Damit entsteht hier ein Reallabor, das Vorbildcharakter für andere Kommunen hat“, ist sie überzeugt. „Bruchsal soll zur bewegten Stadt werden. Da ist Zukunft pur.“

Innovationszentrum Bruchsal

Ähnlich euphorisch äußerte sich Jochen Ehlgötz, der Chef der Technlogie-Region Karlsruhe. „Wir gestalten hier neue Prozesse über regionale Wertschöpfungsketten.“ Das könne zu einem echten Magneten für die Region werden, das ziehe Arbeitskräfte an und schaffe neue Jobs, ist er sich sicher. Bruchsal werde zum Innovationszentrum.

Für einen wie Stefan Klocke ist das längst Realität. Er ist der Beiratsvorsitzender beim Lufttaxi-Pionier Volocopter, urbane Mobilität gehört dort zur Unternehmens-DNA. Während der neue Efeu-Roboter künftig die letzte Meile bedienen will, geht es in einem nächsten Schritt um die vorletzte Meile.

Lastendrohne soll über der Stadt getestet werden

Und hier kommt die Lastendrohne von Volocopter ins Spiel. Sie könnte größere Lasten von bis zu 200 Kilogramm 40 Kilometer weit durch die Luft transportieren. Während der Gesetzgeber bereits an den rechtlichen Rahmenbedingungen arbeitet, soll die Drohne künftig über Bruchsal ihre Testflüge absolvieren. „So etwas erwartet man wohl eher in San Francisco“, räumt Klocke ein. Man finde aber in Bruchsal optimale Bedingungen für Livetests vor.

Für die Bruchsaler OB ist die Sache klar: Bertha Benz fuhr durch die Region, Karl Drais hat in der Nachbarschaft seine Erfindungen gemacht und jetzt eben autonome Güterroboter auf der letzten Meile. „Die Bürger hier sind aufgeschlossen dafür und unaufgeregt. Pragmatismus und Innovation zeichnet unsere Region aus. Wir machen es.“

Für Johann Soder, Technik-Chef bei SEW-Eurodrive und Thomas Anderer, Chef von Efeu-Campus, ist die Sache ohnehin klar: Beim Vorzeigeunternehmen SEW fahren ähnliche Roboter längst durch die Fabrikhallen, mit Innovationen kennt man sich aus. „Junge Menschen finden hier eine Atmosphäre, in der sie sich mit neuen Technologien beschäftigen können. Sie tragen Technik auch ins Gymnasium und begeistern junge Menschen“, so Soder.

Just auf dem Campusgelände findet sich die Außenstelle des Justus-Knecht-Gymnasiums. Die Schüler werden also ganz automatisch Teil des Bruchsaler Großexperiments.

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