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Wahlkreis Bruchsal-Schwetzingen

Grünen-Kandidatin Nicole Heger aus Waghäusel will mit Rückenwind der Landtagswahl nach Berlin

Nach dem knappen Verlust bei der Landtagswahl im März rechnet sich Grünen-Politikerin Nicole Heger Chancen für das Direktmandat im Wahlkreis Bruchsal-Schwetzingen aus. Ihr Konkurrent sei angeschlagen.

Über den Dächern von Bruchsal: Nicole Heger will für die Grünen in den Bundestag einziehen. Klimapolitik brennt der Frau aus Waghäusel auf den Nägeln. Foto: Heike Schaub

Der Treffpunkt ist für Nicole Heger klar, irgendwo in Bruchsal. Wenn nicht beim Schloss, dann beim Belvedere. „Home Run“ nennt die 51-Jährige die Gegend. Beim St. Paulusheim hat sie Abitur gemacht. Mittlerweile arbeitet sie als Qualitätsmanagerin in der Entwicklung bei SAP. Dazwischen kamen drei Kinder.

Bunt und turbulent war das Leben also immer. Und grün war Nicole Heger, die aus Waghäusel-Wiesental stammt, immer schon im Herzen. Seit 2018 ist sie auch offizielles Mitglied. Nun will sie sich als Grünen-Bundestagskandidatin im Wahlkreis Bruchsal-Schwetzingen auf den Weg nach Berlin machen.

Der Weg dahin ist holprig, aber die 51-Jährige ist optimistisch: Mit Klimakatastrophen wie aktuell Waldbränden oder Hochwasser konnten die Grünen im Wahlkampf bislang nicht wirklich punkten. Das ficht sie nicht an. Heger setzt stattdessen auf die Energiewende vor Ort.

Kommunaler Klimamanager für Maßnahmen zur Klimaanpassung

Von Wiesental aus sieht sie die Windräder in Lingenfeld und unterstützt den geplanten Windpark Lußhardtwald. Höhenprobleme hat sie nicht: Sie verweist auf das neue Logistikzentrum, auf das die Kronauer nun schauen müssen. Und abgeholzte Lichtungen wachsen nach dem Bau wieder zu.

Und auch gegen Tiefengeothermie ist sie nicht grundsätzlich - „sobald es bebt, muss das Bohrloch wieder verschlossen werden“. Bei der geplanten B35-Umgebung von Bruchsal setzt sie auf eine Natur schonende Tunnel- oder kleine Umgehungslösung.

Als Grünen-Stadträtin in Waghäusel habe sie sich bereits für Solardächer auf öffentlichen Gebäuden eingesetzt. Städte müssen angesichts der Erwärmung Klima fitter gemacht werden, so ihre Forderung. Trocken resistente Bäume gepflanzt werden. Bei der Ausweisung von Neubaugebieten müsse der Fokus auf erneuerbare Energien gesetzt werden. Ein Schlüssel dazu wäre ihrer Meinung nach die Position eine kommunalen Klimaschutzmanagers, der alle Projekte auf das Ziel hin abklopft.

Auch Gleichberechtigung und Digitalisierung sind Themen der Grünen-Kandidatin

Auf Bundesebene sollten Subventionen in klimafreundliche Technologien umgeleitet werden. „Höchste Zeit“, findet die Grünen-Politikerin. Nachdem die Ziele des Pariser Klimaabkommens nicht eingehalten wurden, war für die 51-Jährige der Punkt gekommen, selber aktiv zu werden.

Sie ist ungeduldig. Im Schnelldurchlauf hakt sie im BNN-Gespräch ein Wahlkampf-Thema nach dem anderen ab. Neben der Klimapolitik gehört dazu auch Gleichberechtigung, die Digitalisierung von Schulen und Behörden, der flächendeckende Breitbandausbau sowie der Schutz der Demokratie.

Beim Wähler kommt das offensichtlich an. Rückenwind habe sie nach dem knappen Ergebnis bei der Landtagswahl im März erhalten. Nur 600 Stimmen fehlten, um dem langjährigen Platzhirsch Ulli Hockenberger von der CDU das Direktmandat abzunehmen.

Wahlkampftruppe nach Danyal Bayaz’ Wechsel in die Landesregierung zusammengestellt

Als Grünen-Politiker Danyal Bayaz, ihr Vorgänger im Wahlkreis, im Juni als Finanzminister in die Landesregierung nach Stuttgart wechselte, stand bei ihr abends das Telefon nicht still: „Willst du nicht kandidieren?“ Eine kleine Wahlkampftruppe war schnell zusammen getrommelt. Die Kanäle von Facebook, Instagram oder Twitter schnell reaktiviert. „Ich will ja alle Altersgruppen erreichen“, sagt die 51-Jährige.

Ausgebremst wird sie dabei allenfalls von einer Verletzung am Fuß: Auf Krücken humpelt sie nun zu Terminen bei Bürgermeistern, Firmen, Verbänden oder ihren „Marktgesprächen“. „Jetzt wollen wir uns auch mal die grüne Kandidatin anschauen“, so die Rückmeldung von früheren CDU-Wählern.

Die Nähe ihres Konkurrenten Olav Gutting von der CDU zu Aserbaidschan kostet ihn Stimmen, vermutet Heger. In Berlin will sie sich für deshalb für weniger Lobbyarbeit und Nebeneinkünfte sowie mehr Klimaschutz einsetzen.

Familie von Nicole Heger stammt teilweise aus Berlin

Überhaupt Berlin. Noch so ein „Home Run“. Ihre Mutter stammt von dort. Die Familie besitzt seit Jahren eine Ferienwohnung im ehemaligen Ostteil der Stadt. Die Bundeshauptstadt sei vertrautes Terrain.

Auf Bundesebene wolle sie sich für ein besseres Betreuungsangebot für Kinder einsetzen, damit Frauen beruflich weiter kommen. Ein Recht auf Bildung hält sie ebenfalls für wichtig, damit bei einem Corona-Lockdown nicht als erstes wieder Schulen zugemacht werden.

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