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Halloween in Corona-Zeiten

Gruseln nur zu Hause: Bruchsaler Ordnungsamt appelliert an Eltern

Keine Partys mit gruseligen Kostümen, keine Süßigkeiten-Sammelrunde durch die Nachbarschaft: Das Bruchsaler Ordnungsamt appelliert an die Eltern, mit den Kindern an Halloween lieber zu Hause zu bleiben.

Eine Maske zum Gruseln: David Fischer kauft für Halloween ein Geistergesicht, am Samstagabend wird es allerdings auch für ihn keine große Party geben, er bleibt zu Hause und feiert mit einem Freund. Foto: Anna Thienes

Dieses Halloween ist für Martin Wurm und Knut Sauter ein Trauerspiel. Die beiden stehen zwischen blutig amputierten Füßen und Köpfen, die Ständer mit den gruseligen Kostümen sind rappelvoll - und das ein paar Tage vor Halloween.

Die Umsatzeinbrüche sind dramatisch und für uns existenzbedrohend.
Martin Wurm, Geschäftsführer bei Langnickel

Das Gruselfest ist neben Karneval und Weihnachten die wichtigste Zeit des Jahres für die Geschäftsführer des Bruchsaler Deko-Geschäfts Langnickel. Kostüme, Kunstblut, Schminke und alles, was es auf dem Markt der Vampire, Hexen und unheimlichen Wesen eben so gibt, geht um diese Zeit eigentlich weg wie warme Semmeln.

Im Deko-Geschäft bleiben die Kunden aus

Aber in diesem Corona-Jahr ist alles anders. Von „dramatischen Umsatzeinbrüchen“ um die 50 Prozent, die für das Unternehmen „existenzbedrohend“ seien, berichten Wurm und Sauter.

Das bereits im Januar georderte Sortiment konnte nicht mehr abbestellt werden, nun stapelt sich die Ware und die Kunden kommen nur vereinzelt. So wie David Fischer. Der 13-jährige kauft sich eine Ghostface-Maske, ein weißes Geistergesicht mit weit aufgerissenem Mund, bekannt aus zahlreichen Gruselfilmen. Die Maske kauft er nicht extra für Halloween, er will sie an Fastnacht noch einmal tragen.

Auch für David Fischer wird Halloween dieses Jahr ein anderes sein. Er feiert mit einem Freund daheim, keine große Party, kein um-die-Häuser-ziehen, kein „Süßes oder Saures“.

Gruselpartys sind abgesagt

So wie David Fischer halten es in diesem Jahr die meisten. Und das merken eben auch Wurm und Sauter. Es gibt keine Gruselpartys in schaurig dekorierten Clubs, keine große Halloween-Feste und damit auch weniger Nachfrage nach Deko und Kostümen.

Die gesamte Branche sei hart getroffen, berichten Wurm und Sauter, die in diesem Jahr auch auf Werbung verzichtet haben. Aus „Verantwortungsbewusstsein“, wie sie sagen. Es soll schließlich niemand dazu angestachelt werden, in diesen Zeiten über die Stränge zu schlagen.

Politiker appellieren an Eltern und Kinder

Dass Halloween dieses Jahr ein besonderes ist, wird auch durch die Warnungen und Mahnungen zahlreicher Politiker deutlich. Baden-Württembergs Sozialminister Manne Lucha (Grüne) appellierte an Eltern und Kinder. „Es ist ganz sicher nicht die Zeit, zu zehnt um die Häuser zu ziehen oder gar richtige Umzüge zu veranstalten“, erklärte Lucha.

Zu Hause kann das Verkleiden und Naschen auch Spaß machen.
Franziska Giffey, Bundesfamilienministerin

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) stellte ebenfalls klar, dass Halloween in diesem Jahr mehr oder weniger ausfalle müsse, bemühte sich aber zumindest um ein wenig Trost: „Zu Hause, in einem kleinen Kreis, kann das verkleiden und Naschen auch Spaß machen.“

Ordnungsamt erinnert an Corona-Regeln

Auch das Bruchsaler Ordnungsamt rät dazu, an Halloween lieber zu Hause zu bleiben. Es gebe zwar kein generelles Verbot, von Tür zu Tür zu gehen und bei den Anwohnern zu klingeln. „Aus Infektionsschutzgründen raten wir als Ordnungsamt jedoch dieses Jahr davon ab“, erklärt die Behörde auf Nachfrage.

Denn vor allem die Minimierung der sozialen Kontakte sei aktuell der wichtigste Punkt, um die Ausbreitung des Infektionsgeschehens einzudämmen. Gerade das an Halloween so beliebte „von Tür zu Tür gehen“ stelle eine kaum nachzuvollziehende Kette an Kontakten zu anderen Personen dar. Zudem erinnert das Ordnungsamt daran, dass im Landkreis Karlsruhe verschärfte Corona-Regeln gelten, es dürfen sich nur maximal zehn Leute treffen, egal ob drinnen oder draußen. „Alle Eltern sollten gut überlegen, ob sich das diesjährige Halloween nicht auch im kleinen privaten Raum ausgestalten lässt.“

So machen es auch die Schüler Alicia Stöckele und Noah Bader. Sie bleiben zu Hause, laden höchstens einen Übernachtungsgast ein, und schauen Gruselfilme an.

Kino zeigt Horror-Klassiker

Schaurige Bilder auf der Leinwand bietet auch das Bruchsaler Cineplex am Freitag und Samstag, „Zombie – Dawn of the Dead“ heißt der Streifen aus dem Jahr 1978, freigegeben ab 18 Jahren. Im Herbst laufen in den Kinos ohnehin oft gruselige Filme, in diesem Jahr ist allerdings kein Blockbuster dabei, wie Kinochef Steffan Amend erklärt. Auch das ist Corona geschuldet. Im Saal wird streng auf Abstand geachtet, nur jede zweite Reihe wird besetzt und es gilt eine Maskenpflicht.

Ausfallen wird Halloween in diesem Jahr auch im Haus der Begegnung, wo in den vergangenen Jahren Nachtwanderungen, Kostümwettbewerbe oder Halloween-Essen auf dem Programm standen. In diesem Jahr habe man auf ein Event verzichtet, sagt Sozialarbeiterin Lisa Fuchs, die ebenfalls dazu rät, Halloween in diesem Jahr nur in sehr überschaubarem Rahmen zu feiern.

Dass das gerade für die Kleinen nicht leicht sei, macht Sabine Fiehne deutlich. „Kinder wollen Süßigkeiten sammeln“, sagt sie mit Blick auf ihre Tochter Marietta. Aber daraus wird in diesem Jahr auch im Hause Fiehne nichts. Am Samstag verkleidet sich die Familie trotzdem, doch statt der Klingeltour durch die Straßen gibt es ein Alternativprogramm: Ein Lagerfeuer im Garten mit Stockbrot und Marshmallows.

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