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Große Not nach Überschwemmungen

Hilfe aus Bruchsal: Feuerwehr, Polizei, Pfadfinder und THW auf dem Weg in die Katastrophengebiete

Die einheimischen Retter in Rheinland-Pfalz sind am Anschlag. Seit Donnerstag läuft nun aus Baden-Württemberg eine große Welle der Hilfsbereitschaft. Auch aus dem Raum Bruchsal sind in diesen Stunden viele Kräfte unterwegs.

Mittendrin: Die Brettener Feuerwehr ist zusammen mit dem Hochwasserzug des Landkreises in der Gemeinde Kordel in Rheinland-Pfalz. Foto: Stefan Engelhardt

Aus dem Raum Bruchsal laufen in diesen Stunden gleich mehrere Hilfsaktionen für die vom Hochwasser betroffenen Gebiete in Rheinland-Pfalz an. Von 13 Uhr an sammeln Pfadfinder des Stammes Greifs in der Huttenstraße 15 Decken, Kleidung, Lebensmittel, Hygieneartikel und vieles mehr, um es noch in der Nacht auf Samstag zu befreundeten Pfadfindern in Bad-Neuenahr zu bringen.

Gegen 16 Uhr die erste Vollzugsmeldung: „Wir brauchen jetzt nur noch Hygieneartikel und Lebensmittel, keine Kleider mehr, auch keine Spiele“, erklärt Pfadfinderin Jacqueline König. Sie ist überwältigt ob der großen Hilfsbereitschaft.

Das Technische Hilfswerk aus Oberhausen-Rheinhausen und aus Waghäusel sowie aus Karlsruhe ist ebenfalls unterwegs in Richtung Eifel: Rund 30 ehrenamtliche Einsatzkräfte der drei Ortsverbände werden die Rettungsarbeiten in der Eifel mindestens bis Sonntag unterstützen, so teilt ein Sprecher mit.

Aus den Ortsverbänden Waghäusel und Karlsruhe werde jeweils die Fachgruppe Notversorgung und Notinstandsetzung zum Einsatz kommen, aus dem Ortsverband Oberhausen-Rheinhausen wird die Fachgruppe Wassergefahren mit mehreren Booten ausrücken.

Feuerwehren aus dem Landkreis Karlsruhe sind schon in Rheinland-Pfalz

Bereits am Donnerstagabend haben sich auch viele Feuerwehrkräfte in ihre Fahrzeuge gesetzt, um in Rheinland-Pfalz mitzuhelfen. Der Hochwasserzug des Landkreises Karlsruhe ist bereits vor Ort im Einsatz. „Unsere Kameraden sind in den frühen Morgenstunden im Hochwassergebiet eingetroffen und aktuell im Landkreis Trier-Saarburg zusammen mit Kräften der Feuerwehren Ubstadt-Weiher, Bretten, Bad Schönborn und Graben-Neudorf tätig“, heißt es von der Brettener Feuerwehr.

Dort seien die Rettungskräfte sowie die lokalen Ressourcen bereits am Anschlag. Die Infrastruktur in den betroffenen Gebieten ist zum Teil vollständig zerstört, fast 200.000 Personen sind aktuell ohne Strom. „Zwischen Anforderung durch das Innenministerium und Ausrücken vergingen gerade einmal zwei Stunden. Die Kräfte gehen von einer Mindesteinsatzdauer von zwei Tagen aus“, teilt das Landratsamt dazu mit.

Die Kollegen berichten von sehr schlimmen Bildern.
Erik Dammert, Feuerwehrkommandant Bad Schönborn

Zusammen mit Bundeswehrsoldaten und THW sind die Feuerwehrleute aus dem Landkreis am Freitag in der Ortschaft Kordel im Einsatz. „Die Kollegen berichten von sehr schlimmen Bildern“, erklärt der Bad Schönborner Feuerwehrkommandant Erik Dammert gegenüber den BNN. „Unvorstellbar.“ Derzeit helfe man vor allem dabei, Keller und Häuser leerzupumpen.

Polizei kümmert sich um Plünderer und Hochwasser-Touristen

In diesen Stunden machen sich nun auch 70 Polizistinnen und Polizisten der Bereitschaftspolizei Bruchsal bereit. Um Mitternacht geht es los. In Bad Neuenahr-Ahrweiler kommt bereits die mobile Satellitenanlage der Bepo zum Einsatz. „Damit errichten wir ein Funk und Telefonnetz“, erklärt Michael Wernthaler, der stellvertretende Chef der Bepo. „An vielen Orten ist das Netz zusammengebrochen.“

Im Krisengebiet: Der Hochwasserzug des Landkreises Karlsruhe hilft in Rheinland-Pfalz mit. Mit dabei sind Feuerwehrleute aus Bad Schönborn, Graben-Neudorf, Ubstadt-Weiher und Bretten. Foto: Feuerwehr Bad Schönborn

Die 70 Beamten werden vor allem im Ordnungs- und Sicherheitsdienst eingesetzt, sie müssen Straßen absperren, den Verkehr lenken und das Eigentum vor Plünderern sichern. Wernthaler fürchtet, dass es in den Krisengebieten aufgrund des nun schönen Wetters auch zu Katastrophentourismus kommen könnte. „Wir haben das damals auch beim Elbhochwasser in Dresden miterlebt“, erinnert er sich. Seine Leute werden in Hotels und anderen Unterkünften in der Nähe des Nürburgrings unterkommen.

Spenden für die Betroffenen nach der Hochwasser-Katastrophe: Alles wird gebraucht

Die Bruchsaler Pfadfinder vom Stamm Greif haben mit den befreundeten Pfadfindern im Katastrophengebiet telefoniert. „Das war sehr emotional“, berichtet Jacqueline König, Vorstand bei den Bruchsaler Pfadfindern. Mit Auto und Bus will man in der Nacht auf Samstag noch und am Samstagmorgen früh nach Bad Neuenahr fahren. „Die Pfadfinder dort sind zum Teil selbst betroffen. Andere haben Familien in ihrem Haus aufgenommen. Es fehlt an allem.“

Jede Spende sei willkommen: Benötigt werden hauptsächlich haltbare Lebensmittel, Ladekabel für Handys, Powerbanks, Hygieneartikel wie Zahnpasta und Seife. Etwa sieben Personen werden nach Rheinland-Pfalz fahren, die Spenden mitnehmen und dort auch helfen. Außerdem haben sie auch größere Mengen an Trinkwasser dabei. „Die Pfadfinder vor Ort sagten, dass jede Hand gebraucht wird“, berichtet König.

Vor Ort könnte man beispielsweise bei der Notbetreuung von Kindern helfen oder beim Aufräumen. Doch bringen sich die Helfer nicht selbst in Gefahr? „Das was jedenfalls nicht unser erster Gedanke“, so König. Sie hätten eine sichere Unterkunft bei den Freunden vom Stamm Schwarzer Adler in Bad Neuenahr. Und auch auf Facebook bieten Einzelpersonen bereits ihre Hilfe an, wollen ihr Auto vollladen und ins Krisengebiet fahren.

Spenden

Wer Spenden für die Pfadfinder hat, kann diese an diesem Freitag ab 13 Uhr den ganzen Nachmittag im Stammesheim in der Bruchsaler Huttenstraße abgeben. Es gilt Maskenpflicht. Gebraucht werden nur noch Lebensmittel und Hygieneartikel, keine Kleider mehr, auch keine Spiele.

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