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Meinung

von Christina Zäpfel

Sorge statt Stolz

Das Hochwasser in Rheinland-Pfalz geht uns alle etwas an

Das Hochwasser ist weit weg? Von wegen: Aus dem Bruchsaler Raum sind Hunderte Helfer unterwegs ins Krisengebiet. Wie viele Indizien brauchen wir noch, dass es so nicht weitergehen kann, fragt sich BNN-Redakteurin Christina Zäpfel.

Mittendrin: Die Brettener Feuerwehr ist zusammen mit dem Hochwasserzug des Landkreises in der Gemeinde Kordel in Rheinland-Pfalz. Foto: Stefan Engelhardt

Ist ja nicht so, dass wir schon lange keine Krise mehr hatten. Jetzt erreichen uns die schlimmen Nachrichten aus den Hochwassergebieten in Rheinland-Pfalz.

Seit Donnerstag sind Hunderte Rettungskräfte aus der Region unterwegs, um etwa in Ahrweiler anzupacken. Hiesige Kräfte von THW, Feuerwehren, Polizei und Sanitätsdiensten sind im Krisengebiet und setzen dort mitunter ihre eigene Gesundheit aufs Spiel, um zu retten, was noch zu retten ist.

Damit geht uns das Hochwasser jenseits des Rheins unmittelbar etwas an.

Kraichgau blieb nicht von Hochwasser verschont

Just am Donnerstag, als sich abends 100 Helfer aus dem ganzen Land in Bruchsal trafen, fand der 78-jährige Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble vor Schülern in Bruchsal mit Bezug auf den menschengemachten Klimawandel und die immer öfter auftretenden extremen Wetterereignisse ungewöhnlich deutliche Worte: „Was wir machen, ist unglaublich skandalös.“

Auch der Kraichgau blieb ja dieses Jahr nicht verschont. Wenngleich nicht vergleichbar mit den Katastrophengebieten in Rheinland-Pfalz. Toi, toi, toi. Außerdem blicken die Orte am Rhein seit Tagen sorgenvoll auf die Pegelstände.

Machen wir uns nichts vor: Das, was in der Eifel gerade passiert, hätte wohl theoretisch auch bei uns passieren können. Dass die Blaulichtstadt Bruchsal ihrem Namen wiedermal alle Ehre macht, sollte uns langsam weniger mit Stolz als mit Sorge erfüllen.

Ursachenbekämpfung statt Symptombehandlung beim Hochwasserschutz

Diese Woche haben hier Polizeihubschrauberbesatzungen das Löschen großer Waldbrände aus der Luft trainiert. Ein mögliches Szenario. Und zwar nicht in Kalifornien oder Griechenland. Nein, im waldreichen Baden-Württemberg.

Ja, wir haben hier so viele gute Katastrophenschützer, dass wir sie sogar verleihen können. Das kann aber langfristig nicht der Anspruch sein. Millionen wurden allein im nördlichen Landkreis in den vergangenen Jahren schon in Hochwasserschutz investiert.

Doch jeder gute Arzt weiß: Symptombehandlung ist das eine. Ursachenbekämpfung lautet das Gebot der Stunde. Schon klar: Ist nicht neu. Aber wie augenfälliger muss es noch werden?

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