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Die Lage wird zu brenzlig

Nur noch online: Alle evangelischen Gottesdienste im Bezirk Bretten-Bruchsal sind abgesagt

Die Mails trudeln im Minutentakt ein: Immer mehr, insbesondere evangelische Kirchengemeinden, sagen jetzt doch ihre Weihnachtsgottesdienste ab und verweisen auf reine Online-Angebote. Bei den Katholiken hingegen ist man im Moment noch zurückhaltend. In Bruchsal etwa ist an Heilig Abend ein ökumenischer Gottesdienst im Parkhaus angedacht. Doch werden die wenigen Feiern dann womöglich überrannt?

Ungewöhnliche Kulisse: Im neuen Parkhaus am Krankenhaus in Bruchsal sollen Familiengottesdienste zu Weihnachten stattfinden. Foto: Martin Heintzen

Einigen Kirchen wird es offenbar zu brenzlig. Sie sagen geplante Weihnachtsgottesdienste ab und verweisen auf die immer noch hohen Infektionszahlen.

So sollte am Heiligen Abend ursprünglich ein ökumenischer Gottesdienst an der frischen Luft in Menzingen vor dem Wasserschloss stattfinden. Doch die Verantwortlichen machen einen Rückzieher. „Wir bedauern dies sehr, sehen dazu jedoch keine Alternative. Wir verweisen auf die Möglichkeit, einer Andacht im engen Familienkreis und auf unsere Streamingangebote im Internet“, teilt der katholische Pastoralreferent Frank Becker mit.

Ältestenkreise haben entschieden

Ähnliche Nachrichten kommen aus Philippsburg: Die evangelische Kirchengemeinde teilt mit, dass ab sofort und bis einschließlich 10. Januar in Philippsburg keine Präsenzgottesdienste in den evangelischen Kirchen mehr stattfinden werden. Andere Gemeinden melden: „Es überschlagen sich die Ereignisse.“

Und auch die evangelische Kirchengemeinde in Ubstadt-Weiher und die Protestanten in Karlsdorf-Neuthard sowie die Bruchsaler Luthergemeinde streichen vorerst alle geplanten Gottesdienste. Eine offizielle Stellungnahme gibt es dann am frühen Donnerstagabend. Dekanin Ulrike Trautz teilt mit: Alle Kirchengemeinden im Evangelischen Kirchenbezirk Bretten-Bruchsal verzichten auf die Durchführung von Präsenzgottesdiensten bis zum 10. Januar. Sie folgen damit freiwillig der Empfehlung der Badischen Landeskirche, ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 200 bevorzugt andere Formen von Gottesdiensten zu wählen, obwohl der im Steigen begriffene Wert des Landkreises Karlsruhe diese Höhe noch nicht ganz erreicht habe.

Trautz weiter: „Ich bin sehr dankbar für die Wertschätzung der Religionsfreiheit in der Corona-Verordnung, die auch für die Zeit des Lockdowns Präsenzgottesdienste nicht verbietet, und für das Vertrauen, das damit auch uns als Kirchen staatlicherseits entgegengebracht wird. Dennoch oder gerade deswegen ist es unsere Aufgabe als Kirche, sorgfältig abzuwägen, wie wir damit angesichts steigender Infektionszahlen verantwortlich umgehen.“

Parkhaus-Feier findet - Stand heute - statt

Ein anderes Bild bei den Katholiken: „Stand heute finden die geplanten Gottesdienste unter den vorgegebenen Bedingungen und Hygienekonzepten statt“, erklärt Dekan Lukas Glocker auf BNN-Anfrage.

Von der Diözese als auch vom Land sei dies so vorgesehen und rechtlich erlaubt. „Danach richten wir uns im Moment noch“, so Glocker. Der aber durchaus einräumt, dass sich das theoretisch in den nächsten Tagen noch ändern könnte. „Wir werden das nicht ausreizen, aber wir sehen auch, welche tiefen menschlichen Sehnsüchte es gibt, an Weihnachten Gottesdienst zu feiern.“

Die Bruchsaler Katholiken halten daher beispielsweise nach wie vor an ihren ökumenischen Gottesdiensten an Heilig Abend auf dem Parkdeck am Krankenhaus fest. Kommt es dann womöglich zum Kirchenhopping? Glocker fürchtet nicht, dass Protestanten, die trotzdem gerne in die Kirche gehen würden, dann in die katholischen Feiern gehen. „Die Teilnehmerzahl ist ja begrenzt, und man muss sich vorher anmelden. Die Parkhaus-Gottesdienste sind bereits ausgebucht.

Trautz lobt die Solidarität der Gemeinden

Trautz lobt die Solidarität: Auf Bitte der Leitung des Kirchenbezirks hätten alle Leitungsgremien beraten und entschieden. Die einhellige Absage sei „sowohl ein Akt der Solidarität unter den Gemeinden des Kirchenbezirks als auch mit allen anderen, die zu schmerzhaften Einschränkungen gezwungen sind. Wir tragen damit unseren Teil dazu bei, das Infektionsgeschehen einzudämmen und Menschenleben nicht zu gefährden, indem wir Kontaktmöglichkeiten vermeiden. Für mich ist das unmittelbarer Ausdruck christlicher Nächstenliebe“, so Trautz.

Man setze verstärkt auf Online-Gottesdienste und Chat-Andachten. Eine Anleitung fürs Zuhause-Feiern werde verteilt, außerdem Predigten und Weihnachtstüten. „Zahlreiche Kirchen sind sowieso seit Corona jeden Tag für einige Stunden geöffnet, um den Menschen einen Zufluchtsort zu bieten, an dem sie Kraft für diese schwierige Zeit tanken können. Und telefonisch sind alle Pfarrer und Pfarrerinnen für Seelsorgegespräche ansprechbar.“

Online-Angebote

Verschiedene Online-Angebote von Katholiken oder Protestanten gibt es hier: www.evki-ph.de, www.ekime.de, Yotube-Kanal Kirchengemeinden Menzingen und Oberacker; www.kraichtal-elsenz.de, Youtube-Kanal Kraichtal-Elsenz Der Kirchenbezirk verweist auf sein Angebot: www.kb-bretten-bruchsal.de.





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