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Aufschrei nach Karlsruher Fall

In Bruchsal sind einige stillfreundliche Geschäfte und Cafés gekennzeichnet

Die Empörung ist selbst in Bruchsal angekommen: Dass ein Karlsruher Café stillende Mütter als Kundinnen nicht wiedersehen wollte, schlägt hohe Wellen. In Bruchsal sind einige stillfreundliche Geschäfte und Cafés gekennzeichnet.

Stillen erwünscht: Mit diesen Aufklebern signalisieren Geschäfte und Cafés den Müttern in Bruchsal, dass sie hier willkommen sind. Foto: Zäpfel

Die Empörung ist selbst in Bruchsal angekommen: Dass ein Karlsruher Café stillende Mütter als Kundinnen nicht wiedersehen wollte , schlägt hohe Wellen. „Es war ein Aufschrei“, berichtet beispielsweise Eva Vetter vom Bruchsaler Bündnis für Familien. In Bruchsal sind einige stillfreundliche Geschäfte und Cafés gekennzeichnet.

Als Pekip-Gruppenleiterin und Beraterin für junge Familien ist sie Eva Vetter permanent mit jungen Müttern im Kontakt. Pekip ist eine Art Krabbelgruppe und beinhaltet die Frühförderungen der Babys. „Alle waren total entsetzt“, so Vetter. Die Artikel wurden fleißig in Müttergruppen herumgereicht, in den Bruchsaler Pekip-Gruppen besprochen: „Alle haben nur den Kopf geschüttelt“, so Vetter weiter.

Alle waren total entsetzt.
In Eva Vetters Krabbelgruppe haben die Mütter kein Verständnis für den Karlsruher Fall.

Denn dass es auch anders geht, dass stillende Mütter willkommen sind, zeigt eine Initiative aus Bruchsal, bei der Vetter ebenfalls federführend war: Seit 2017 haben Geschäfte und Lokale in Bruchsal einen Aufkleber an ihren Türen: „Stillen in Bruchsal“ steht darauf. Er signalisiert den Müttern: Hier ist man willkommen, hier darf man stillen, und hier gibt es gegebenenfalls einen geschützten Platz, um sein Baby zu füttern.

„Die Initiative kam damals sehr gut an“, erinnert sich Vetter. Mütter von heute wollten sich nicht verstecken, mit ihrem Baby nur zuhause bleiben: „Die wollen raus und am gesellschaftlichen Leben teilhaben.“

Die wollen raus und am gesellschaftlichen Leben teilhaben.
Eva Vetter weiß, dass Mütter sich nicht verstecken wollen.

Auch für Salina Ersan vom Café Extrablatt am Bruchsaler Marktplatz ist das selbstverständlich. An ihrer Tür klebt der Aufkleber. „Man kann es doch nicht verbieten, sein Kind zu ernähren“, zeigt sie sich ebenfalls empört über die Vorgänge in Karlsruhe. „Bei uns gibt es neben dem Wickeltisch einen Sessel zum Stillen, oder man kann direkt am Platz stillen“, so Ersan. „Wir legen Wert auf alle Gäste, ob Jung oder Alt.“

Bei Mode Jost kann man in einer Umkleidekabine stillen

Nicht jedes Geschäft hat den Aufkleber an der Tür, man muss schon etwas suchen. Für das Bruchsaler Modehaus Jost allerdings ist das Stillen ebenfalls selbstverständlich: „Das ist keine Frage“, erklärt Jost-Chef Michael Zeibig gegenüber der Rundschau. Entweder die Frauen werden zum Wickelraum geschickt oder können in einer Umkleidekabine stillen.

Rund 25 Mütter und Väter haben sich in Karlsruhe vor dem Café Brenner zusammengefunden, um für mehr Akzeptanz für Stillen in der Öffentlichkeit zu werben. Foto: Mori Monteiro

„Das haben wir vorher schon so gehandhabt“, so Zeibig. „Wir haben genug Möglichkeiten für beide Seiten, es passend zu machen.“ Für die Frau und für Kunden, die sich potenziell vom Anblick einer entblößten Brust gestört fühlen könnten.

Stillen ist einfach das Beste, man hat die Nahrung immer dabei, sie hat immer die richtige Temperatur, und man kann damit das Kind auch noch beruhigen.
Eva Vetter

Für Eva Vetter ist Stillen das Natürlichste der Welt: „Auch die Weltgesundheitsorganisation rät im ersten Lebensjahr des Babys ausdrücklich dazu. Das ist einfach ein schönes und wichtiges Erlebnis.“ Die Frauen gingen damit ganz offen um, haben keine Hemmungen, in der Öffentlichkeit zu stillen. „Ich habe in den vergangenen 14 Jahren knapp 700 Babys und ihre Eltern in Bruchsal betreut.“ Eva Vetter kennt die Bedürfnisse junger Eltern: „Stillen ist einfach das Beste, man hat die Nahrung immer dabei, sie hat immer die richtige Temperatur, und man kann damit das Kind auch noch beruhigen.“

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