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Vierte Corona-Welle

„Die Situation ist dramatisch“: In Bretten und Bruchsal sind alle Intensivbetten belegt

Die Corona-Infektionszahlen steigen – die Situation auf den Intensivstationen spitzt sich zu. Der Geschäftsführer der RKH-Kliniken, die Krankenhäuser in Bruchsal, Bretten und Mühlacker betreiben, fordert die Politik zum entschlossenen Handeln auf. Er macht sich außerdem für eine Impfpflicht für das Klinikpersonal stark.

Steigende Patientenzahlen: Die Auslastung der Intensivstationen in den Kliniken ist hoch. Ein Grund sind die hohen Corona-Infektionszahlen. In Bretten, Bruchsal und Mühlacker sind alle Intensivbetten belegt. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Jörg Martin spricht Klartext: „Die Situation ist dramatisch“, sagt der Geschäftsführer der RKH-Kliniken bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. „Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern zwei nach.“

Es geht, mal wieder, um die Auslastung der Intensivstationen durch Corona-Patienten.

Die RKH-Kliniken unterhalten mehrere Krankenhäuser in Baden-Württemberg, unter anderem in Bruchsal, Bretten und Mühlacker. Überall ist das Bild ähnlich: „Seit Mitte Oktober beobachten wir einen deutlichen Zuwachs an Corona-Fällen“, sagt Oberarzt Johannes Naser.

In Bretten und Bruchsal sind alle Intensivbetten belegt

Naser rechnet damit, dass Baden-Württemberg „spätestens am Wochenende die Alarmstufe erreichen wird“. Dann treten weitere Einschränkungen für Ungeimpfte in Kraft.

„Wir sehen Inzidenzen, die wir noch nie gesehen haben“, sagt Naser, „und es ist kein Ende in Sicht“. Im Landkreis Karlsruhe lag die Sieben-Tage-Inzidenz nach Angaben des Landratsamtes am frühen Mittwoch bei 325,6 (Stadt Karlsruhe: 271,7). 3.066 Menschen im Stadt- und Landkreis waren mit dem Coronavirus infiziert.

Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern zwei nach.
Jörg Martin, Geschäftsführer der RKH-Kliniken

Die steigenden Infektionszahlen schlagen mittlerweile auf die Krankenhäuser durch. In Bruchsal (21), Bretten (acht) und Mühlacker (acht) waren am Mittwoch nach Angaben der RKH-Kliniken jeweils alle Intensivbetten belegt.

Der Anteil der Corona-Patienten war in Mühlacker (50 Prozent) am höchsten. In Bretten lag er bei 38 Prozent, in Bruchsal ist jeder fünfte Intensivpatient mit Corona infiziert.

Geschäftsführer fordert 2G-Regelung für alle Bereiche

Das Klinikpersonal, das bestätigen mehrere Mediziner beim Pressetermin, arbeiten am Anschlag. „Unsere Mitarbeiter sind stark belastet“, sagt Martin. Deshalb fordert er die Politik zum Handeln auf. „Wir brauchen eine verbindliche 2G-Regelung für alle Bereiche“, betont der Geschäftsführer.

Sorge bereitet ihm die vergleichsweise geringe Impfquote beim Pflegedienst (74 Prozent). „Leider hat kein Politiker den Mut, eine Impflicht für das Klinikpersonal durchzusetzen“, kritisiert Martin.

Wir sehen Inzidenzen, die wir noch nie gesehen haben und es ist kein Ende in Sicht.
Johannes Naser, Oberarzt

Die RKH-Kliniken haben nun auf die steigenden Infektionszahlen reagiert. Jeder Patient darf täglich nur noch maximal eine Stunde und von nur einer Person besucht werden.

Es gilt zudem 2G für Besucher. Geimpfte und genesene Mitarbeiter müssen sich zweimal wöchentlich auf Corona testen lassen, nicht immunisierte Beschäftigte täglich.

Die gute Nachricht: Laut den RKH-Kliniken liegt der Schutz vor Hospitalisierung durch eine Impfung bei fast 90 Prozent, vor einer Behandlung auf der Intensivstation sogar darüber.

Operationen müssen wegen steigender Corona-Zahlen verschoben werden

Dennoch ist die Lage ernst. „Wir dachten, wir hätten das Schlimmste überstanden“, sagt Martin, „dem ist nicht so“. Bereits jetzt komme es in den Kliniken zu Einschränkungen.

„Das Elektivprogramm muss reduziert werden“, erklärt Martin Schuster. Er ist Ärztlicher Direktor der Klinik für Anästhesiologie der RKH-Kliniken im Landkreis Karlsruhe.

Mittlerweile müssen, wie schon im vergangenen Winter, wichtige Operationen verschoben werden – weil das Personal auf den Intensivstationen gebraucht wird. „Oft sind Menschen mit Tumoren betroffen“, sagt Schuster.

Mit einer Triage, einer Situation, in der sich Ärzte zwischen der Behandlung zweier Patienten entscheiden müssen, rechnet er hingegen nicht. „So etwas will kein Mediziner, das wird nicht passieren“, sagt Schuster. Es sei allerdings „möglich, dass Menschen mit akuten Atembeschwerden an eine andere Klinik verwiesen werden.“

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