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Vorwurf der Abzocke

Kampfhundebesitzer sollen in Kraichtal künftig tief in die Tasche greifen

Die Hundesteuer in Kraichtal wird für die meisten nur geringfügig teurer. Ganz anders sieht es jedoch mit den Haltern von Kampfhunden aus. Der Stadt wird „Abzocke“ vorgeworfen.

Halter von Kampfhunden oder als gefährlich eingestuften Hunden sollen in Kraichtal bis zu 600 Euro pro Jahr an Steuern zahlen.
Halter von Kampfhunden oder als gefährlich eingestuften Hunden sollen in Kraichtal bis zu 600 Euro pro Jahr an Steuern zahlen. Symbolfoto Foto: Christina Sabrowsky/dpa/Symbolfoto

Ab dem neuen Jahr gelten in Kraichtal neue Steuersätze für Hunde. Die Hundesteuer wurde in Kraichtal zuletzt zum 1. Januar 2017 erhöht. Nun soll zum 1. Januar die Hundesteuer für den Ersthund von 87 Euro pro Jahr auf 90 Euro pro Jahr und für den Zweithund und weitere Hunde von bisher 174 € Euro pro Jahr auf 180 Euro pro Jahr erhöht werden.

„Bei dieser Erhöhung handelt es sich um eine moderate Anpassung von umgerechnet 25 Cent pro Monat für den Ersthund und 50 Cent pro Monat für den Zweit- und weitere Hunde“, erklärte Bürgermeister Tobias Borho (SPD) in der öffentlichen Gemeinderatssitzung Ende November.

Bis zu 600 Euro für Kampfhunde pro Jahr

Neu ist, dass Kampfhunde oder als gefährlich eingestufte Hunde mit einem erhöhten Steuersatz von 600 Euro pro Jahr und Hund besteuert werden. Die Steuer reduziert sich auf die Hälfte, wenn der Hund den Verhaltenstest nach §1 der Polizeiverordnung gefährliche Hunde (PolVOgH) bestanden hat. „Die Steuer dient eindeutig der Lenkung. Das Halten dieser Hunde soll damit in der Stadt Kraichtal bestmöglich vermieden werden“, so Borho.

Ich hätte mir gewünscht, dass die Kommentatoren zur Sitzung gekommen wären
Tobias Borho
Bürgermeister von Kraichtal

Nach dem einstimmigen Gemeinderatsbeschluss wurden alle Hundebesitzer in Kraichtal mit einem Brief aus dem Rathaus über die Änderungen informiert. Ein Nutzer der Facebook-Seite „Kraichtal – hier bin ich zu Hause“ hat das Anschreiben ins Netz gestellt und damit eine Diskussion ausgelöst. „Ich hätte mir gewünscht, dass die Kommentatoren zur Sitzung gekommen wären“, so Borho in der Dezember-Sitzung.

„Statt sich in den unsozialen Medien über eine monatliche Erhöhung von 50 Cent auszulassen, hätten wir hier von Angesicht zu Angesicht öffentlich miteinander sprechen können.“ Dass die zuständige Mitarbeiterin des Rathauses dabei persönlich genannt werde, gehe gar nicht, so Borho.

Unmut in den Sozialen Medien

In den Kommentaren wird der Stadtverwaltung „Abzocke“ vorgeworfen (Anmerkung der Redaktion: die folgenden Kommentare wurden so übernommen, wie sie auf Facebook erschienen sind. Für etwaige Rechtschreib- und Grammatikfehler übernimmt die Redaktion keine Verantwortung): „Das ist unglaublich. Nur weil die Stadt pleite ist und Geld braucht werden Hundebesitzer bestraft. Mit was rechtfertigt man für einen (Kampfhund) mehr Steuer bezahlen muß????? Wenn der Hund tatsächlich jemanden beisst haftet dann die Stadt oder der Hundebesitzer? Also frage ich nach der Begründung dieses horrenden Steuersatzes für etwaige Listenhunde. In meinen Augen ist das reine Schickane und Abzocke. Denn der Aufwand der Stadt ist gleich null für diese Hunde ebenso wie für andere Hunde und diese kacktüten kann ich mir für 2 Euro im Kik kaufen dafür brauche ich keine Hundesteuer“, so der Kommentar einer Facebook-Nutzerin.

Andere wollen wissen, was eigentlich mit der Hundesteuer gemacht wird und kritisieren in diesem Zusammenhang das Fehlen von Hundeklos, Kotbeutel, Mülleimern, einer Hundewiese oder mangelnde Unterstützung für Tierheime.

„Die Tierheime platzen aus allen nähten. Hundesteuer Tierarztkosten da braucht man sich nicht wundern wenn täglich Tiere ausgesetzt werden. Hund wird zum Luxustier. Für kein anderes muss man Steuer bezahlen. Pferd Katze egal was. Warum eigentlich für hunde????“, fragt eine andere Kommentatorin.

In Kraichtal gibt es aktuell 13 Kampfhunde

In Kraichtal sind 995 Hunde (Stand: Oktober 2023) angemeldet. Davon sind 807 Ersthunde und 96 Zweit- beziehungsweise weitere Hunde. 60 Hunde waren bislang von der Hundesteuer befreit. Außerdem sind drei Zwinger mit je fünf Hunden veranlagt. In Kraichtal werden 13 Kampfhunde gehalten.

Weitere vier Hunde wurden aufgrund verschiedener Vorkommnisse als „gefährlicher Hund“ eingestuft. Die Anhebung der Hundesteuer bringt der Stadt Kraichtal Mehreinnahmen von 8.103 Euro.

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