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In der Mittagspause eine Currywurst?

Was in den Kantinen in Bruchsal und Karlsruhe angeboten wird

Volkswagen hat die Kult-Wurst in einem Betriebsrestaurant von der Speisekarte genommen und der Aufschrei war groß. Die Küchenchefs der Kantinen in der Region haben ganz verschiedene Ansätze für die Bewirtung der Belegschaften.

Kleingeschnitten und mit viel Curry - Mitarbeiterin im Globus versorgt Kollegen und hungrige Baumarktkunden Foto: David Heger

Sie ist heiß, sie ist scharf und gerade in aller Munde: Die Currywurst ist mehr als eine mundgerecht geschnittene Bratwurst, sondern gilt als Lieblingsessen der Deutschen schlechthin – Kultfaktor inklusive.

Für große Aufregung hat die Nachricht gesorgt, dass der Volkswagen-Konzern sie im Wolfsburger Stammwerk in einer seiner Kantinen aus dem Angebot genommen hat. Die Kantine ohne Currywurst – für manche schlichtweg unvorstellbar. Wie ist es um die Zukunft der pikant gewürzten Pelle in der Region bestellt?

Nachgefragt bei einem, der es wissen muss: Seit rund 20 Jahren arbeitet Gerd Lang für SEW-Eurodrive am Standort Bruchsal in der Fertigung – gebürtig stammt der 54-Jährige aus dem Ruhrgebiet, „dem Stammland der Currywurst“, wie er überzeugt ist. „Currywurst geht immer“, findet er. „Aber in der Mittagspause? Da brauche ich was Gescheites“, sagt er und meint damit: Große Portionen.

Fleischloses Essen hat festen Platz im Speiseplan

Die Currywurst ist für ihn vor allem „was Gutes zum Mitnehmen“. Dass sie in der hauseigenen Kantine eher selten auf dem Speiseplan zu finden ist – für ihn kein Problem. Zu schätzen weiß er hingegen die Auswahl – ein fleischloses Essen hat immer einen festen Platz auf dem Speiseplan.

„Die meisten Betriebsrestaurants in Bruchsal werden durch eigenständige Caterer betrieben. Heute sind vegetarische Gerichte grundsätzlich überall im Angebot“, weiß Dirk Becker von der IG Metall Bruchsal.

Am Speiseplan mitzumischen – dazu sieht der Gewerkschaftssekretär mit Blick auf die örtlichen Betriebe und Unternehmen keinen Anlass: „Wir haben die Currywurst nicht auf der Tagesordnung.“

Die klassische Currywurst steht hier nur alle zwei bis drei Monate auf der Karte.
Jens Czechtizky, Bereitschaftspolizei Bruchsal

Auch abseits der Metall- und Elektrobranche ergibt sich ein klares Bild: „Der Trend geht eindeutig in Richtung vegetarisch“, erklärt Jens Czechtizky vom Polizeipräsidium Einsatz mit Blick auf den Speiseplan der Bereitschaftspolizei in Bruchsal. Etwa jedes zweite ausgegebene Gericht in der Polizeikantine ist heute fleischlos.

Die klassische Currywurst steht hier nur alle zwei bis drei Monate auf der Karte – „doch wird dann sehr gerne angenommen“, so Czechtizky. „Dann geht sogar die Nachfrage am parallel dazu angebotenen vegetarischen Gericht deutlich zurück“.

Finanzämter der Region setzen in Kantine auf Bio-Essen

Nicht nur fleischloser, auch bio soll in den Kantinen der Finanzämter im Land gespeist werden – auf ministerielles Geheiß, wie Grit Mayer aus der Oberfinanzdirektion Karlsruhe bestätigt. Seit 2018 laufen dort die Bemühungen, landeseigene Betriebskantinen mit dem Bio-Siegel zu zertifizieren.

Während für die Bruchsaler Finanzbeamten wegen der zahlreichen Teilzeit-Beschäftigten nur ein Frühstück angeboten wird, gilt für die übrigen Kantinen des Finanzministeriums die Leitlinie „gesünder und leichter“. Zudem solle der Anteil an fair gehandelten Produkten weiter ausgeweitet werden, heißt es aus dem Ministerium.

„Die Vielfalt im Angebot wächst“, bestätigt auch Daniel Ohl vom baden-württembergischen Hotel- und Gaststättenverband. „Gesellschaftliche Entwicklungen zeigen sich natürlich in den Betriebsrestaurants.“

Es gibt auch Branchenunterschiede

Er rät zu Gelassenheit, wenn es in der Debatte mal wieder sprichwörtlich um die Wurst geht. Tatsächlich, so Ohl, liegen zwischen medialer Präsenz von Ernährungstrends und der Praxis in der Kantine bisweilen auch Unterschiede – je nach Branche.

„Vegetarisch will hier kaum jemand“, heißt es dazu passend aus dem Restaurant im Globus Baumarkt Waghäusel, wo man sich nicht nur der Versorgung hungriger Kunden, sondern auch der eigenen Belegschaft verschrieben hat – mit deftiger Kost.

Vor allem Fleischkäse und Frikadellen seien unter den Kollegen gefragt, bestätigt der Küchenchef. Die Currywurst von der Karte zu nehmen? „Das wäre hier tödlich.“

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