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Diese Greifvögel jagen im Team: Falkner aus Karlsdorf-Neuthard gibt spannende Einblicke

Die Jagd mit trainierten Greifvögeln wie Falken gehört zum „Immateriellen Weltkulturerbe der Menschheit“ der Unesco. Warum die Geschichte der Falknerei bis ins Mittelalter zurückgeht.

Tägliches Training: Thomas Hornung aus Karlsdorf-Neuthard mit „Hilde“, einem seiner Falken. Foto: Franz Lechner

Ayla freut sich. Mit hochgestelltem Schwanz und wehenden Ohren rennt sie aufgeregt um Hilde herum. Die Habichtdame hat gerade ein Kaninchen erbeutet und fast scheint es, als würde Ayla glauben, dass Hilde die Jagdbeute mit ihr teilt. Aber da täuscht sich die ungarische Jagdhündin von Thomas Hornung. Vom Teilen hält Hilde die Habichtdame rein gar nichts. Und das zeigt sie Ayla auch sehr deutlich. Das Kaninchen gehört ihr. Dabei war ihr Jagderfolg echte Teamarbeit.

Neben Ayla war nämlich auch ein Frettchen und nicht zuletzt ihr Besitzer, der Falkner und Vorsitzende des baden-württembergischen Landesverbandes des Deutschen Falkenordens, Thomas Hornung, an ihrem Jagderfolg beteiligt.

Brutale Jäger: Hat ein Habicht erst einmal ein Kaninchen erspäht, hat dieses kaum noch eine Chance. Foto: Franz Lechner

„Mein Hund zeigt mit seiner feinen Nase an, ob ein Kaninchenbau besetzt oder leer ist, wenn er besetzt ist, schicke ich mein Frettchen in den Kaninchenbau und warte dann mit meinem Habicht darauf, dass das Frettchen das Kaninchen aus dem Bau jagt“, erklärt Hornung die Teamarbeit.

Er und seine drei Helfer gehen gleichzeitig mit mehreren anderen Falknern aus ganz Baden-Württemberg regelmäßig bei Wiesental auf die Kaninchenjagd. „Allerdings jagen wir nicht wie sonst üblich in mehreren kleinen Jagdgruppen, sondern wegen Corona muss dieses Jahr jeder Falkner mit Jagdhund und Frettchen allein, also räumlich deutlich getrennt von den anderen, jagen“, erklärt der für die Organisation der Wiesentaler Kaninchenjagd zuständige Falkner, Jürgen Görze, aus Karlsdorf-Neuthard.

Beizjagd nennt man diese Jagd mit abgetragenen, also für die Jagd mit dem Menschen trainierten Greifvögeln. Eine Tradition, deren Anfänge so weit in die Geschichte der Menschheit zurückreichen, dass sie von der Unesco zum „Immateriellen Weltkulturerbe der Menschheit“ ernannt wurde. In Deutschland hatte die Beizjagd im Mittelalter ihre große Blütezeit.

Kaiser Friedrich II. war fasziniert von Falknerei

„Damals durften allerdings nur Adelige die Jagd mit Greifvögeln ausüben“, erklärt Görze. Kaiser Friedrich II. war einer von ihnen und der wissenschaftlich interessierte Hohenstaufer schrieb schon Mitte des 13. Jahrhunderts ein bis heute gültiges Standardwerk der Falknerei. „Über die Kunst mit Vögeln zu jagen“, heißt das reich bebilderte Buch, das so ziemlich jeder Falkner kennt.

Blaublütig müssen deutsche Falkner aktuell nicht mehr sein, was sie heute allerdings brauchen, ist ein gültiger Jagd- und Falknerschein. Beides bekommen sie erst nach wochenlangen Lehrgängen und erfolgreich absolvierten Abschlussprüfungen. Und dennoch steigt die Zahl der an der Beizjagd interessierten Menschen langsam aber stetig an. „Deshalb hat unser Landesverband schon vor Jahren einen eigenen Falkner-Lehrgang eingerichtet“, erklärt der Landesvorsitzende Thomas Hornung. Dort wird auch unterrichtet wie man einen Habicht wie Hilde dazu bringt, von der Faust eines Menschen auf die Jagd zu gehen.

Landesverband hat 200 Mitglieder

Fast 200 Mitglieder zählt der baden-württembergische Landesverband heute. „Darunter sind auch viele Frauen“, berichtet Hornung. Aber die und ihre männlichen Kollegen jagen nicht nur mit Habichten. Auch Steinadler, Wanderfalken oder die amerikanischen Wüstenbussarde werden von Falknern bei der Beizjagd eingesetzt. Und das Abtragen, wie man das Training der Beizvögel nennt, ist eigentlich bei allen Greifvögeln immer der gleiche Prozess.

„Das Training besteht vor allem daraus, dass man die Vögel an das gemeinsame Jagen mit Menschen, Hunden und an andere Jagdgefährten gewöhnt und das ist ein sehr zeitaufwendiger Prozess, der sehr viel Zeit und Geduld erfordert“, erklärt Hornung. Fast ein Jahr hat es beispielsweise gedauert, bis seine Hilde von seiner Faust aus so erfolgreich Kaninchen jagt wie bei der Beizjagd Ende der Woche. Drei Kaninchen hat Hilde für ihren Besitzer in zwei Stunden erbeutet.

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