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Jürgen Görze pflegt Greifvögel

Karlsdorfer Jäger erhält Bundesverdienstkreuz für seinen Einsatz für den Tierschutz

Ein Jäger, der das Bundesverdienstkreuz wegen seiner Leistung für den Natur- und Tierschutz bekommt, ist alles andere als alltäglich. Tierschützer und auch einige Naturschützer stehen den Waidmännern eher skeptisch gegenüber. Bei Jürgen Görze in Karlsdorf ist das ganz anders.

Hohe Auszeichnung: Jürgen Görze (rechts), Leiter der Greifvogelpflegestation Karlsdorf, hat aus der Hand von Minister Peter Hauk das Bundesverdienstkreuz erhalten. Foto: Franz Lechner

„Ja natürlich habe ich geweint, als ich die Nachricht bekam“, sagt Jürgen Görze und schmunzelt leicht spöttisch. Wer ihn kennt, der weiß, dass das wahrscheinlich nicht stimmt. Der Leiter der Karlsdorfer Greifvogelpflegestation gehört nicht zu den Menschen, die ihr Herz auf dem Silbertablett vor sich hertragen.

Auch nicht, wenn Medienvertreter den aus Ettlingen stammenden Karlsdorfer fragen, ob er seine Freude beschreiben könne, die er empfand, als ihn das Schreiben des Bundespräsidenten erreichte. „Herr Görze, Sie werden mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet“, lautet die Kurzfassung des Schreibens.

Am Freitagabend war es dann so weit. Im Karlsdorfer Rathaus empfing der Leiter der Greifvogelstation aus den Händen des baden-württembergischen Ministers für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk, das Bundesverdienstkreuz.

Verleihung in kleinem Kreis

„Geplant war ja alles ganz anders“, erklärte der Minister bei seiner Preisrede und berichtete, dass die feierliche Übergabe des Bundesverdienstordens mit vielen geladenen Gästen schon vor Wochen in einer großen Halle hätte stattfinden sollen.

Da die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes mit Hunderten Gästen aber wegen Corona aktuell nicht möglich ist, waren am Freitag nur Görzes Familie, der stellvertretende Karlsdorfer Bürgermeister Harald Weschenfelder, zwei Mitarbeiter des Rathauses und Stephan Wunderlich anwesend. Das Vorstandsmitglied des Deutschen Falkenordens (DFO) aus Muggensturm hatte Jürgen Görze für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen.

Ein Herz für Steinkäuze und Falken

Für „herausragende, aber auch ganz individuelle Leistungen um den Natur- und Artenschutz“ erhält Görze die hohe Auszeichnung, begründete Hauk die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an den ehemaligen Mitarbeiter des Referats Naturschutz und Landschaftspflege im Regierungspräsidium Karlsruhe.

Der Minister zählte dessen zahlreiche Verdienste auf: das erfolgreiche Steinkauz-Wiederansiedlungsprojekt rund um Karlsdorf-Neuthard, die Mitbegründung der Karlsdorfer Naturschutzgruppe „Lebendiges Biotop“, die Züchtung von Wanderfalken für ein polnisches Wanderfalken-Wiederansiedlungsprojekt. Vor allem aber würdigte Hauk die Arbeit, die Görze seit Jahren in der von ihnen mitgegründeten Greifvogel-Pflegestation leistet.

Besonders bemerkenswert nannte der Minister die Tatsache, dass Jürgen Görze Jäger und Falkner ist. Ein Jäger, der das Bundesverdienstkreuz wegen seiner Leistung für den Natur- und Tierschutz bekommt, ist alles andere als alltäglich.

Ich habe aber weder bei meinen Kollegen im Regierungspräsidium noch bei der ehrenamtlichen Arbeit mit privaten Naturschützern ein Hehl daraus gemacht, dass ich jage, also auch Tiere töte.
Jürgen Görze

Tierschützer und auch einige Naturschützer stehen den Waidmännern eher skeptisch gegenüber. „Ich habe aber weder bei meinen Kollegen im Regierungspräsidium noch bei der ehrenamtlichen Arbeit mit privaten Naturschützern ein Hehl daraus gemacht, dass ich jage, also auch Tiere töte“, betonte Görze, der früher als Gebietsreferent für den Naturschutz im Enzkreis tätig war.

2.000 verletzte Vögel wurden gesund gepflegt

Als Jäger hatte er es jedenfalls unter Naturschützern nicht immer ganz einfach, und manche Tierschützer brachten verletzte Greifvögel anfangs lieber nicht zur Greifvogelpflegestation des Falkners Görze. Das hat sich aber geändert. Schließlich hat der Ornithologe mit der Unterstützung seines Kollegen Rudolf Manz und der Tierärztin Ruth Kothe aus Stutensee-Friedrichstal in den zurückliegenden Jahren mehr als 2.000 verletzte Greifvögel gesund gepflegt und wieder ausgewildert.

Auch wenn seine Arbeit heute von allen Seiten respektiert wird: Die offizielle Anerkennung ist doch etwas Besonderes für den Falkner. „Ich freue mich riesig und ich bin wirklich stolz auf diese Auszeichnung“, erklärte der Karlsdorfer. Als ihm der Minister das Bundesverdienstkreuz an die Brust heftete, wirkte Görze durchaus gerührt.

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