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Kindergartenplätze gesucht

In Bruchsal fehlen bis 2025 insgesamt 450 Kitaplätze

Bruchsal ist bei jungen Familien beliebt. Jetzt fehlen 450 Kindergartenplätze. Der Gemeinderat stellt die Weichen. Eltern müssen sich trotzdem auf einige Veränderungen einstellen.

Paul-Gerhardt-Kindergarten
Beim Paul-Gerhardt-Kindergarten in Bruchsal soll eine Containeranlage gebaut werden, um kurzfristig zusätzliche Plätze zur Verfügung zu stellen. Foto: Martin Heintzen

Bereits jetzt sind die Kindergärten in der Kernstadt und einigen Stadtteilen von Bruchsal voll belegt. Auf einer Warteliste stehen schon 120 Kinder.

Nun kommt eine weitere schlechte Nachricht, die die Eltern auch erst mal verdauen müssen. Bis zum Jahr 2025 fehlen 450 Kindergartenplätze für Kinder unter sowie über drei Jahren.

Die Gemeinderäte haben die Weichen gestellt. Sie billigen Investitionen von 14,5 Millionen Euro und die Fortschreibung der Bedarfsplanung. Außerdem werden zum September die Elternbeiträge angepasst. Die Höhe steht noch nicht fest.

Bei der Stadt Bruchsal, die sich Familienfreundlichkeit auf ihre Fahnen geschrieben hat, hat bereits die Suche nach Lösungsmöglichkeiten begonnen. Die laufenden Bauprojekte in Untergrombach, Büchenau oder im Kompass-Quartier in der Bahnstadt reichen nämlich längst nicht aus, wie Doris Hach bei der Vorstellung der Planungen im Gemeinderat feststellte. Sie wurden einstimmig gebilligt.

„Um den aktuell absehbaren Bedarf zu decken, wäre der Neubau von zwei bis drei neuen Kindertageseinrichtungen notwendig“, so Hach. Sie ist bei der Stadt Bruchsal für den Bereich Kinderbetreuung zuständig.

Fraktionen sprechen sich für städtische Trägerschaft aus

Drei Standorte erscheinen für einen städtischen Neubau mit mindestens fünf Gruppen geeignet. Übereinstimmend haben sich die Fraktionen für eine städtische Trägerschaft ausgesprochen. Bis jetzt sind alle 34 Kindertageseinrichtungen noch in der Hand von kirchlichen oder privaten Trägern.

Auf dem Areal der „Alten Landesfeuerwehrschule“ könnte bei der Entwicklung eines neuen Wohngebiets auch ein Kindergarten entstehen. Dafür muss das Land zustimmen, das Eigentümer des Areals ist.

Stadt Bruchsal sucht nach neuen Standorten

Ein weiterer möglicher Standort wäre ein städtisches Grundstück im Gebiet „Eggerten Süd“ in der Nähe des Friedhofs. Auf einer Freifläche beim Campus wäre ein Kindergarten-Neubau ebenfalls möglich. Mit einer Containerlösung könnte man bereits während der Bauphase den Betrieb aufnehmen.

Beide Lösungen haben allerdings einen Haken, da es für die Standorte schon Überlegungen gibt: Die Campus-Freifläche ist beispielsweise für die Weiterentwicklung des Efeu-Campus im Gespräch.

Kurzfristige Containerlösung beim Paul-Gerhardt-Kindergarten

Als kurzfristige Lösung wird beim Evangelischen Kindergarten Paul-Gerhardt eine Containeranlage in der Grünfläche an der Josef-Heid-Straße aufgestellt. Dort soll ab Herbst 2022 die Krippengruppe einziehen. Im bisherigen Gruppenraum der Krippe werden dann Kinder ab drei Jahren betreut. 36.000 Euro kostet die Container-Miete im Jahr. Für die Errichtung und Ausstattung der fünf Container werden knapp 100.000 Euro fällig.

Darüber hinaus sollen die Träger des Streuobstwiesen-Kindergartens und des Waldkindergartens bei der Suche nach einer naturnahen Fläche für eine Zweitstelle unterstützt werden. Für die Kindertagespflege werden zusätzliche Räume gesucht. In der Bedarfsplanung sind nun zwölf sogenannte TigeR-Gruppen vorgesehen.

Viele junge Familien nach Bruchsal gezogen

Die kurzfristigen Lösungen sollen der Stadt erst mal „Luft verschaffen“, sagt Doris Hach. Zwar steigen bereits seit einigen Jahren die Geburtenzahlen in Bruchsal wieder an. Seit 2021 und 2022 seien aber vermehrt junge Familien zugezogen, die bei neu ansässigen jungen Firmen arbeiten. Sie beziehen oder kaufen vermehrt ältere Objekte. In bestehenden Vierteln wie in Büchenau oder Untergrombach finde ein Generationswechsel statt. Und der sei nicht kalkulierbar, so Hach.

Seit drei Jahren wird nach und nach auch der Stichtag für die Einschulung zurück verlegt. Die Folge: Viele Kinder bleiben länger im Kindergarten. Von den 112 Kann-Kindern werden zum Herbst 90 Kinder nicht eingeschult. Allein dafür bräuchte man rechnerisch vier neue Gruppen.

Investition als wichtiger Standortfaktor für Bruchsal

Für die informativ aufbereitete Fortschreibung des Kindergartenbedarfsplans gab es von allen Seiten viel Lob für Doris Hach. Es ist ihr letzter Bericht. Sie geht demnächst in Rente. Raimund Glastetter (CDU) sieht die Investitionen von knapp 15 Millionen Euro als wichtigen Standortfaktor für Bruchsal.

Evelin Steinke-Leitz (Grüne/Neue Köpfe) warnte davor, die Gruppen zu vergrößern. Das würde den ohnehin schon herrschenden Erzieherinnen-Mangel noch verschärfen. Anja Krug (SPD) forderte die Eltern auf, für einen freien Kita-Platz zur Not auch ein paar Kilometer Fahrt in Kauf zu nehmen. Um neue Erzieher zu gewinnen, müsste sich der Beruf auch für Quereinsteiger öffnen. Eine Forderung, der sich auch Heribert Schmitt (Freie Wähler) anschloss.

Thomas Lichtner (FDP) machte den Vorschlag, die Firmen mehr ins Boot zu holen, um neue Kitas in der Nähe des Arbeitsplatzes anzusiedeln. Gabriele von Massow (AfD/UBiB) erinnerte daran, dass für viele Eltern die Kindergartenbeiträge schon jetzt nur schwer zu stemmen seien.

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