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Mutig sein oder einfach wachsen lassen?

Corona-Matte oder Do-It-Yourself-Frisur? Frisör aus Kraichtal bietet Farb-Lieferservice und gibt Stylingtipps

Ein Friseur-Ehepaar aus Unteröwisheim ist trotz Lockdown gut beschäftigt: Sie renovieren ihre Betriebsräume während der erzwungenen Schließung und bieten einen Farb-Lieferservice an. Außerdem haben sie wichtige Tipps für Ungeduldige.

Frank und Sandy Ziegler dürfen ihren Friseursalon in Unteröwisheim zwar nicht öffnen, helfen aber ihren Kunden mit „Colour to go“, um die Zeit zum nächsten Färbetermin zu überbrücken Foto: Nina Ziegler

Frank und Sandy Ziegler sind gerade mit viel Farbe beschäftigt. Zum einen haben sie sich noch rechtzeitig vor dem Lockdown ausreichend Wandfarbe besorgt und unterziehen ihren Betriebsräumen in Unteröwisheim einer Frischekur. Zum anderen mischen sie Haarfarben für ihre Kunden.

Frank Ziegler ist Friseurmeister in vierter Generation. Sein Urgroßvater hat den Betrieb 1899 gegründet, den er nun gemeinsam mit seiner Frau Sandy führt. Als sich im Dezember die nächste coronabedingte Schließung der Friseure andeutete, seien vorher so viele Termine wie machbar vergeben worden.

Termin-Marathon noch vor dem Lockdown

Im Salon wurde von morgens 6.45 bis abends 20.30 Uhr gearbeitet, „um so viel wie möglich vom Weihnachtsgeschäft bedienen zu können“, sagt der 58-Jährige. Das ist nun gut vier Wochen her. Der Leidensdruck seiner Kundschaft bewege sich bisher noch im halbwegs erträglichen Bereich.

Die Zieglers bieten einen Farblieferservice an – „Colour to go“ nach telefonischer Bestellung, damit wenigstens der nachgewachsene Ansatz mit der gewohnten Farbe zuhause ausgeglichen werden kann. Dazu gibt es das erforderliche Werkzeug als Leihgabe und einen telefonischen Crash-Kurs fürs Auftragen.

„So mancher Ehemann entwickelt jetzt ungeahnte Fähigkeiten, und mit ein bisschen Anleitung klappt das ganz gut“, sagt der Friseur und lacht. Will frau nur ein bisschen kaschieren, seien „für die Not“ handelsübliche Ansatzsprays ganz okay, die dann eben nur bis zur nächsten Haarwäsche halten.

Vorsicht bei ungewohnten Produkten

Mit ungewohnten Produkten zu färben oder zu tönen, könne dagegen ins Auge gehen, denn selten entsprächen die fertigen Farben den vorhanden Nuancen. Und das möglicherweise nicht kompatible Ergebnis brauche Wochen, bis es rausgewachsen sei, so Frank Ziegler.

Auch beim Haarschnitt sei Vorsicht geboten. Mit den im Handel erhältlichen Apparaten mit unterschiedlichen Aufsätzen könnten schon mal, wie Frank Ziegler sagt, „Ohren freigeschnitten oder der Nacken ausgeputzt werden, aber wenn das Gerät zu kurz eingestellt ist, dann dauert es, bis es wieder nachwächst“.

Mit der Verlängerung des Lockdowns bis zum 14. Februar ergibt sich eine friseurlose Zeit von mindestens acht Wochen. Da könne gerade bei Männern „schon eine ordentliche Matte wachsen“, weiß Ziegler. Hier empfiehlt er „nicht so genau hinschauen, wachsen lassen, mit Gel oder Stylingwachs in Form bringen, um die Zeit zu überbrücken“. Eine richtige Kurzhaarfrisur selbst zu schneiden, das sei sehr riskant, warnt er.

Einen „Heidenrespekt vor dem Friseurhandwerk“ hat derweil Sandra Hoffmann aus Zeutern. Während sie und die Tochter die Haare einfach länger tragen, sei das für ihren Mann und den Sohn keine Option. Deshalb hat sie auf Drängen ihres Mannes Christian zum Haarschneider gegriffen und angefangen, bei ihm die vorhandenen Konturen nachzuschneiden.

„Man muss sich ja in vieles reinfuchsen“, sagt die Lehrerin. Die Übergänge vom Deckhaar seien aber richtig schwierig. Daran übt sie sich noch mit allergrößter Vorsicht. Obwohl ihr Mann sehr zufrieden ist, möchte er aber nicht auf den Friseurbesuch verzichten.

Richtiger Haarschnitt sollte auf den Profi warten

Alle Familienmitglieder von Ruth Müller-Brennfleck aus Zeutern tragen Kurzhaarfrisuren – und „da wird es langsam echt schwierig“, sagt sie. Selbst schnippeln möchte sie auf gar keinen Fall. Also heißt die Devise erst einmal abwarten. Für ihre inzwischen „viel zu langen“ Haare benutzt sie bei Videokonferenzen das Headset als Haarreif, damit ihr die Frisur nicht die Sicht behindert.

Den Schnitt möchte sie aber „auf jedem Fall dem Profi überlassen, sobald er wieder darf“. Mit der Farbe habe sie „noch kein Problem, die Strähnchen sind zwar inzwischen rausgewachsen, aber mit meinem undefinierten dunkelblondbraun kann ich einigermaßen leben“.

Heidi Schlindwein aus Kronau sieht es pragmatisch: „Da Grau eine Modefarbe ist, bin ich nun in.“ Den Pony ihrer Kurzhaarfrisur schneidet sie selbst – „und wenn ich das Haus verlasse, setzte ich eine Mütze auf“. Der Tenor im Umgang mit der längeren, in vielen Farben schillernden Haarpracht ist ganz eindeutig: Augen zu, wachsen lassen und das Beste daraus machen.

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