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Wenn der Acker ins Dorf kommt

Kraichtal und Bruchsal wappnen sich gegen Starkregen

Das Wetter macht nicht nur, was es will. Es bringt auch immer häufiger sintflutartige Regenfälle mit sich. Kraichtal und Bruchsal stellen sich darauf ein. Während in Kraichtal Schwachpunkte verbessert werden sollen, gibt es in Bruchsal eine ausgefeilte Warnapp für die Bürger.

Starkregen in Oberöwisheim: Wenn die Kanalisation überlastet wird, ergießen sich Wassermassen schnell in Gärten udn Keller. Foto: Archivfoto: Walter Batzler

Passend zur Tagesordnung des Gemeinderats der Stadt Kraichtal hatte das Wetter Starkregen im Gepäck und in Unteröwisheim abgeladen. Von der Rohrbacher Hohle rauschte das Wasser, konnte aber vom Graben aufgefangen werden ohne das Gewerbegebiet am Ortseingang zu erreichen.

Der Graben war genau zu diesem Zweck vom Bauhof angelegt worden. Doch nicht überall gibt es solche Vorkehrungen. Am Ladenbergle oberhalb der Eisenhutschule lief Wasser in einige Keller.

„Rettungskräfte waren vor Ort, aber die Bewohner konnten sich zumeist selbst helfen. Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen“, berichtet Nils Deparade vom Kraichtaler Amt für Technik. Am Donnerstagmorgen waren Bauhof und Verwaltungsmitarbeiter auf der Suche nach weiteren neuralgischen Orten und mit Aufräumarbeiten beschäftigt.

Konzept für Starkregen-Management

Gräben offen halten, das ist eine Maßnahme, die in der Gefärhrdungs- und Risikoanalyse angesprochen wird, die in der Sitzung des Gemeinderats vorgestellt wurde. Im August 2019 hatte die Stadt Spezialisten von Geomer aus Heidelberg damit beauftragt, ein Konzept zum Starkregen-Management für die Stadt zu erarbeiten.

Der genaue Ort und Zeitpunkt von Starkregen ist kaum vorherzusagen.
Leif Pötzsch , Stadtbauamt Bruchsal

Die Zeit war reif: Ein Jahr zuvor schon hatten sich Wasser- und Schlammmassen bis in die Menzinger Ortsmitte ergossen und für erhebliche Schäden gesorgt. Gemeinsam mit Bürgern wurden kritische Objekte und Bereiche sowie Infrastruktureinrichtungen definiert und detailliert untersucht. Für einzelne öffentliche Objekte wurden Risikosteckbriefen erstellt.

Wesentlicher Bestandteil des Konzepts zum Starkregen-Risikomanagement sind Gefahrenkarten, mit deren Hilfe die Verwaltung und jeder einzelne Einwohner einschätzen kann, wo sich Oberflächenwasser sammelt und wo es abfließt. Der gesamte, knapp 50 Seiten umfassende Bericht, ist auf der Internetseite der Stadt einsehbar. Die Kosten für die Untersuchungen belaufen sich auf rund 148.854 Euro. Über die Förderrichtlinie Wasserwirtschaft wurden 70 Prozent vom Land übernommen, bleiben also Kosten von 44.656 Euro für Kraichtal.

Grundsätzlich sind Bürger bei Hochwasser und Überschwemmungen zur Eigenvorsorge verpflichtet. Trotzdem müssen Städte und Gemeinden natürlich ebenfalls Maßnahmen treffen, die Bürger unterstützen und Informationen zur Verfügung stellen.

Bruchsal hat viel investiert

Bruchsal hat etliche Maßnahmen umgesetzt wie etwa die Verbesserung der Wegentwässerung und Querrinnen oder die Optimierung von Entwässerungsrinnen und Doleinläufen und dafür etwa 500.000 Euro investiert. In den vergangenen Jahren wurde die Stadt ebenfalls von Starkregenereignissen größeren Ausmaßes überrascht. Zahlreiche Senken im Stadtgebiet waren mit Wasser und Schlamm aus den umliegenden Äckern überschwemmt. Viele Anwesen, vor allem in den Stadtteilen Obergrombach, Heidelsheim und Helmsheim, wurden von in Mitleidenschaft gezogen.

Frühalarmsystem für Starkregen

Da sich solche Ereignisse in Zukunft wohl häufen werden, hat man sich an die Firma Spekter aus Herzogenaurach gewandt, die ein spezielles Frühalarmsystem für Starkregenereignisse entwickelt hat. Mit diesem Alarmsystem können Anzeichen frühzeitig erkannt und Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

„Im Gegensatz zu Hochwasser an großen Flüssen ist der genaue Ort und Zeitpunkt von Starkregen kaum vorherzusagen und kann für die Betroffenen sehr überraschend auftreten“, sagt Leif Pötzsch vom Stadtbauamt. „Nach Angaben der Versicherungswirtschaft wird bereits die Hälfte aller Überflutungsschäden durch Starkregen verursacht.

Einschätzungen des Deutschen Wetterdienstes DWD sagen eine Zunahme von Starkregenereignissen durch den Klimawandel voraus“, so Pötzsch. Die Entwicklung der Regenereignisse und Gefahrenstufen könne jetzt im Internet von allen Bürgern online verfolgt werden. Im Ereignisfall reagiert das Starkregen-Frühalarmsystem mit der Alarmierung der Bürger per SMS, E-Mail oder Anruf.

Austausch mit Landwirten

Für die umliegenden Flächen suchen Städte und Gemeinden den Kontakt zur Landwirtschaft. „Wir sind seit etwa 30 Jahren mit den Landwirten im Gespräch und haben schon einiges erreicht, aber noch längst nicht alles“, erzählt Rolf Kern vom Landwirtschaftsamt des Landkreises.

In erster Linie geht es dabei um Erosionsschutz, der Zusammenhang mit Starkregen spiele eine zunehmend größere Rolle. „Das Problem ist, dass Starkregen im Frühjahr oder Frühsommer auf noch junge Pflanzen und nicht geschlossene Pflanzflächen trifft und der Boden abgeschwemmt wird“, erklärt Kern. Mit angepassten Anbaumethoden habe man gute Erfahrungen gemacht und das Thema sei bei vielen Landwirten angekommen. „Sie haben ja ein existenzielles Interesse daran, dass ihnen der Boden nicht weggespült wird“, so Kern.

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