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Neuer Bürgermeister gesucht

Kraichtals Bürgermeister Ulrich Hintermayer tritt nicht mehr an

Kraichtal sucht einen neuen Bürgermeister, und der heißt definitiv nicht Ulrich Hintermayer. Im BNN-Gespräch hat er sich jetzt positioniert: Nach zwei Amtsperioden soll für den 54-Jährigen Schluss sein. Die Kisten sind schon fast gepackt.

Ulrich Hintermayer tritt ab: Der Bürgermeister von Kraichtal will bei der nächsten Wahl nicht mehr antreten. Im BNN-Gespräch erläuterte er seine Beweggründe. Foto: Martin Heintzen

„Ich werde am 14. März nicht mehr für eine dritte Amtszeit als Bürgermeister antreten.“ Ulrich Hintermayer kehrt Kraichtal den Rücken und wird nächstes Jahr wegziehen, nach Wiesental. Im BNN-Gespräch erklärt der 54-Jährige seinen Entschluss: „Ich habe das mit meiner Familie besprochen, abgewogen, und wir haben uns nun entschieden, uns beruflich und privat neu auszurichten.“

Fraktionen suchen schon nach Kandidaten

Hintermayer hat seit 2005 die Geschicke der neun Kraichtaler Stadtteile gelenkt. Es sei jetzt Zeit, sich neu auszurichten, sagt der Vater zweier jugendlicher Kinder. Der Rückzug kommt für Insider nicht ganz überraschend. Seine eigene Partei, die CDU, namentlich die Fraktion und der Stadtverband, haben ihm bereits im März - genau ein Jahr vor der Bürgermeisterwahl - die Unterstützung entzogen. Öffentlichkeitswirksam.

Nach zwei Amtszeiten hatte Hintermayer außerdem den Einzug in den Kreistag 2019 verpasst. Gewählt wird in Kraichtal am 14. März, zusammen mit der Landtagswahl. Welche Namen dann zur Auswahl stehen, ist nun völlig offen. Der Name Hintermayer jedenfalls wird es nicht mehr sein. Die großen Fraktionen suchen bereits nach Kandidaten, so hört man. Was nicht ganz einfach werden wird.

Kraichtal mit seinen neun Dörfern und 15.000 Einwohnern ist die größte Flächengemeinde des Landkreises, zudem hoch verschuldet und wenngleich idyllisch im Kraichgau gelegen, nicht eben verkehrsgünstig. Die Interessen aller neun unter einen Hut zu bringen, daran hat sich auch Hintermayer die vergangenen 15 Jahre abgearbeitet. „Es gab Höhen und Tiefen, es war eine wertvolle Erfahrung“, bilanziert er. „Ich war mir schon bewusst, was ich da antrete.“

Er beneide Kollegen von Einzelgemeinden wie Forst oder Hambrücken nicht. Aber: „Bei uns ist immer alles Mal neun.“ Neun Feuerwehrhäuser, neun Mehrzweckhallen, neun Dörfer mit Begehrlichkeiten und auch Neid, „neun verschiedene Mentalitäten“. Das wird eine Herausforderung für meinen Nachfolger“, sagt der gut aufgelegte Noch-Bürgermeister.

Hintermayer ist enttäuscht von seiner CDU

Am Mittwochabend wollte er seine Entscheidung in einer Ausschusssitzung verkünden und Gemeinderat und Verwaltung per Mail informieren. Der Streit mit seiner CDU war letztlich nicht ausschlaggebend für seinen Rückzug, sagt er. Er sei ja ohnehin kein klassischer Parteisoldat. Sein Parteibuch besitze er aber noch, wenngleich er „sehr enttäuscht“ ist von der CDU Kraichtal, aber auch von anderen Parteikollegen. Niemand habe sich wirklich hinter ihn gestellt. Hingegen hätten ihn aufmunternde Worte aus der Bevölkerung erreicht.

„Die Gemeinschaftsschule ist angekommen im Ort.“
Ulrich Hintermayer, Kraichtals scheidender Bürgermeister

Das politische Klima habe sich aber verändert. Hintermayer spricht von Grabenkämpfen zwischen Gemeinderat und Verwaltung, zwischen den Stadtteilen, aber auch zwischen den Fraktionen. Er selbst habe sich oft als Mediator und Moderator gesehen. Als solcher ist es ihm aber offenbar nicht gelungen, die Gräben zuzuschütten. „Ich habe oft zu vermitteln versucht“, erinnert er etwa an die lange Auseinandersetzung um die Mehrzweckhalle in Bahnbrücken. Oder an das Großprojekt Gemeinschaftsschule, das er gegen die Stimmen seiner CDU durchgesetzt hat. „Die Gemeinschaftsschule ist angekommen im Ort“, ist er sicher.

Die Großinvestition hält er für eine seiner größten Leistungen. Bedenken, dass es irgendwann nicht ausreichend Schüler gibt, hat er keine. „Die Zahlen sind steigend. Es wäre fatal gewesen, wenn wir in Kraichtal keine weiterführende Schule mehr hätten anbieten können.“

So viel steht fest: Wer Bürgermeister von Kraichtal wird, muss dicke Bretter bohren. Der Verkehrslärm in Unteröwisheim ist so ein Dauerthema. Die hohe Verschuldung, seit wenigen Monaten nun die Diskussion um die Windkraft. Hätte der Amtsinhaber überhaupt den Rückhalt in der Bevölkerung gehabt für eine dritte Amtszeit? „Die Frage stellt sich mir nicht“, so Hintermayer. Die Entscheidung habe er ja mit seiner Familie getroffen.

Er bestätigt BNN-Informationen, wonach er seinen bisher unbebauten Bauplatz in Münzesheim schon verkauft hat und in Wiesental neu baut. Umzug soll nächstes Jahr sein. Und beruflich? Hintermayer gibt sich entspannt. Man werde sehen. Die Kraichtaler sind am 14. März zur Wahl aufgerufen. „Das Rennen ist eröffnet“, sagt Hintermayer und lächelt.

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