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Zwischen Dankbarkeit und Erschrecken

„Theologie am Lagerfeuer“ in Kraichtal: Gespräche über Kirche, Gott und Corona

In Lagerfeuer-Atmosphäre über Gott, Kirche und die aktuelle Situation diskutieren - das konnte man am Dienstag am Wasserturm in Kraichtal-Menzingen. Eingeladen hatten die drei Kirchengemeinden.

Gesprächsrunde am knisternden Feuer: Die Teilnehmer des ökumenischen Gesprächs versammelten sich zur „Theologie am Lagerfeuer “ hoch über Menzingen. Foto: Martin Stock

Die Holzscheite knistern schon, als die ersten Gäste zu „Theologie am Lagerfeuer“ kommen. Eingeladen hatten die drei Kirchengemeinden in Menzingen, die katholische, die evangelische und die evangelisch-methodistische. In ökumenischer Verbundenheit hatten sie dieses Treffen vorbereitet. Als Treffpunkt wurde der Platz am Wasserturm mit weitem Blick über die Kraichgauhügel ausgewählt.

Der katholische Dekan Lukas Glocker und die Pfarrerin Annemarie Czetsch waren die Gesprächspartner zum Thema „Gemeinsinn und Egoismus – wo bleibe ich?“ – moderiert von Frank Becker, Pastoralreferent der Kirchengemeinde Heilig Geist Kraichtal-Elsenz. Nach den Impulsen der beiden Theologen war die große Gesprächsrunde eröffnet.

Czetsch bezeichnete ihre Stimmungslage mit einer Mischung aus Dankbarkeit und Erschrecken. Dankbarkeit für die gute medizinische Infrastruktur und Versorgung in Deutschland sowie gegenseitige Hilfe – Erschrecken darüber, wie schnell und nachhaltig Corona das Leben beeinflusst habe.

Corona zwingt Kirchen zu Veränderungen

Glocker sagte: „Corona fordert uns auch in der Kirche zu kreativen Veränderungen heraus.“ Dazu gehörten neue Gottesdienstformen, Nutzung des Internets für Live-Streams und Öffnungen wie zum Beispiel solch ein Lagerfeuerabend. „Wir leben in einer Zeitenwende“, sagte er. „Wir kommen nicht mehr in die Zeit vor Corona zurück und es wird auch keine Zeit geben nach und ohne Corona.“ Es werde nicht wieder, wie es war, sondern die Menschen müssten lernen, mit Corona zu leben. Die Pandemie lehre, dass das Leben zerbrechlich sei.

Die Pfarrerin von Rinklingen und Ruit führte den Gedankengang weiter und sagte, diese Trostbotschaft müssten die Kirchen in die Gesellschaft tragen. Hingehen zu den Menschen sei das Gebot der Stunde. Dabei gelte es, die eigenen Möglichkeiten im Blick zu behalten sowie die Kapazitäten der Gemeinde und damit kreativ umzugehen.

Teilnehmer schildern sehr persönliche Corona-Erlebnisse

Die lebhafte Gesprächsrunde thematisierte sehr persönliche Corona-Erlebnisse, wie auch allgemeine Einsichten in den Alltag mit Corona. Bei der gegenseitigen Hilfe und allem gemeindlichen ehrenamtlichen Engagement dürfe man sich selbst nicht überfordern. Manchmal sei ein „Nein“ die bessere Antwort auf zu hohe Anforderungen.

Samuel Schroth aus Oberacker steuerte einige Lieder bei mit der Gitarre. Sie entsprangen seiner persönlichen Coronasituation. „Gott will dich segnen, doch nicht für dich allein“ – mit diesem Segenslied brachte er die Botschaft des Lagerfeuerabends auf den Punkt, wie Pfarrerin Stefanie Nuß aus Menzingen sagte.

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