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Baden verboten

Tongrubensee in Kraichtal-Gochsheim ist ein Lebensraum für Vögel, Amphibien und Libellen

Der Gochsheimer Tongrubensee ist sicher einer der schönsten Seen in der Bruchsaler Region. Ein See, der zwar so wie die vielen Baggerseen in der Rheinebene durch den Menschen geschaffen wurde, aber heute der Natur gehört.

Der Gochsheimer Tongrubensee ist einer der schönsten Seen in der Bruchsaler Region. Baden ist aber verboten. Foto: Franz Lechner

Zumindest war einmal geplant, dass der Tongrubensee nicht wie viele andere Baggerseen der Region zum Baden genutzt werden soll. Er gehört nämlich zum Naturschutzgebiet Gochsheimer Tongruben. Badebetrieb ist hier deshalb offiziell genauso verboten wie jede andere Freizeitbeschäftigung auf oder im Wasser. Nur an ein paar ausgewiesenen Stellen darf geangelt werden. So sind zumindest die Regeln, die an dem idyllischen See gelten.

Die Realität sieht aber anders aus. „Tatsächlich wird am See immer wieder gebadet, und ich habe auch schon ein paar Jungs dabei erwischt, wie sie große lärmende Modellboote auf dem See fahren ließen“, berichtet das Kraichtaler Mitglied des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu), Thomas Bratzel.

Entstanden ist der See durch den Abbau von Ton. Viele Jahre lang wurde hier am Rande von Gochsheim dieser begehrte Rohstoff abgebaut. So wie an hunderten anderen Stellen in Deutschland. Die meisten dieser Tongruben wurden allerdings in den vergangenen Jahrzehnten stillgelegt. Die Natur nahm diese stillgelegten ehemaligen Betriebsgelände dann rasch in Besitz, die Abbaugruben füllten sich mit Wasser und so entstanden auf vielen ehemaligen Tonabbauflächen wertvolle Naturschutzgebiete. So wie auch in Gochsheim.

Andere wie beispielsweise die Tongrube von Frauenweiler an der Grenze zum Rhein-Neckar-Kreis wurden zu berühmten Fundstätten für Fossilienjäger. In Frauenweiler wurden beispielsweise die ersten europäischen Versteinerungen von Kolibris entdeckt.

Tongruben boten einmal mehr als hundert Arbeitsplätze

In Gochsheim war 1976 Schluss mit dem Abbau von Ton und Lehm, und Ende 1986 wurde ein Teil des ehemaligen Betriebsgeländes der Firma Bott als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Thomas Bratzel kennt das Gelände schon seit seiner Kindheit und weiß daher, wie es dort noch in den 1980er Jahren ausgesehen hat.

„Damals stand auf dem Gelände noch die große Werkshalle, in der die Arbeiter den abgebauten Ton direkt zu Ziegel verarbeiteten und auch die Gleise, auf denen Güterzüge die Ziegel wegtransportierten, lagen noch“, erinnert sich Bratzel an einen für Kinder spannenden Abenteuerspielplatz. „Mehr als hundert Menschen boten die Tongruben samt Ziegelwerk damals Arbeit“, schätzt Bratzel.

Heute sind die Spuren des einstmals sehr betriebsamen Werksgeländes fast völlig verschwunden. Nur der Tongrubensee ist noch eine deutlich sichtbare Spur dieser Zeit. Eine Spur, die aber nur der erkennt, der die Geschichte des Geländes kennt. Und das werden wohl die wenigsten der Wanderer, die auf einem relativ neu eingerichteten Wanderweg direkt am See vorbeikommen.

Der Wanderweg ist gut ausgeschildert, aber für eine Tafel, die auf die Vergangenheit beziehungsweise die Entstehungsgeschichte des Sees hinweist, war wohl kein Geld mehr übrig. Auch eine Informationstafel, die auf die Bedeutung und den ökologischen Wert des 15 Hektar großen Naturschutzgebietes, das den den See umgibt, hinweisen, fehlt leider. „Kein Wunder also, dass das Gelände an manchen Wochenenden eher an einen Freizeitpark als an ein Naturschutzgebiet erinnert“, wie Thomas Bratzel zu Recht beklagt.

Am Rand des Sees laden immerhin im vorderen Bereich Bänke zum Verweilen ein. Die bieten einen schönen Blick über die einstige Tongrube. „Der Rest des Sees und vor allem sein hinterer mit Schilf und Weiden bewachsener Teil ist ein wertvoller Lebensraum für Vögel, Amphibien und Libellen und darf eigentlich nicht betreten werden“, betont der Hobbyornithologe Thomas Bratzel.

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