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Zehn Windräder im Lußhardtwald geplant

Windpark-Projekt zwischen Waghäusel und Kronau verzögert sich

Hinter den Kulissen wird in Sachen Windenergie heftig gearbeitet. Die Betreiber des geplanten Windparks im Lußhardtwald an der A5 bereiten einen Antrag vor. In Kraichtal bringen sich Gegner und Befürworter von Windrädern in Stellung.

Drehen sie sich oder nicht: Windparks in der Region sind umstritten. In Kraichtal machen sich Gegner und Befürworter mit Online-Petitionen für ihre jeweiligen Anliegen stark. Auf dem Landskopf sollen vier Windräder entstehen. Foto: Patrick Pleul/dpa

Um die geplanten Windpark-Projekte in der Region ist es ruhig geworden – es herrscht gewissermaßen Flaute. Und das wird erst einmal auch so bleiben. Beim Landratsamt Karlsruhe ist noch kein Antrag für den Bau der umstrittenen zehn Windräder im Lußhardtwald zwischen Waghäusel, Bad Schönborn und Kronau eingegangen. Im Sommer wollte die Altus AG aus Karlsruhe eigentlich Näheres zu den erforderlichen Gutachten Naturschutz und Trinkwasserversorgung sagen. „Derzeit werden die Unterlagen geprüft. Mit einem Antrag ist vermutlich nicht mehr in diesem Jahr zu rechnen“, so Jürgen Scheurer, Sprecher der Altus AG, auf BNN-Anfrage.

Auch die neuen Regelungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) will der Projektentwickler in seinem Antrag berücksichtigen. Sie gelten ab Januar und billigen dem Klimaschutz ein größeres öffentliches Interesse zu. So sollen für die Windenergie angesichts der angepeilten Klimawende mehr Flächen bereitgestellt und mehr Genehmigungen erteilt werden.

Gegner und Befürworter sammeln Unterschriften

Auch bei den Ortsgruppen der Bürgerinitiative „Gegenwind Lußhardt“ in den betroffenen Gemeinden warte man auf den Antrag, ehe man wieder aktiv werden will, so Nicolai Schmitt aus Kronau. Die Mitglieder sehen den geplanten Windpark im Lußhardtwald kritisch.

In Kraichtal bringen sich dagegen Befürworter und Gegner von vier möglichen Windrädern auf dem Landskopf zwischen Menzingen und Münzesheim in Stellung. Im September hat sich in Kraichtal auf Initiative von Roland Heim eine weitere Ortsgruppe des Vereins Gegenwind Obergrombach-Helmsheim-Kraichgau gegründet. Sie hat eine Petition auf openpetition.de gestartet, die mittlerweile von 295 Personen unterschrieben wurde – 121 davon aus Kraichtal. Die Aktion läuft noch bis September nächsten Jahres. Auch in der Tankstelle in Menzingen haben die Gegner der vier Windräder eine Unterschriftenliste ausgelegt. Die Gegner des Projekts befürchten vor allem eine optische Beeinträchtigung der Landschaft durch die 160 Meter hohen Windräder (Nabenhöhe).

 Ich finde Windräder nicht hässlich.
Jonathan Mader / Initiator der Online-Petition

Den Nutzen der Windenergie in Zeiten des Klimawandels stellen dagegen die Befürworter der Anlage heraus: 50 Prozent des Kraichtaler Strombedarfs soll durch das genossenschaftliche Projekt des Windparkbetreibers Prokon gedeckt werden. Die Initiative Energie Kraichgau hatte dazu bereits im Februar zu einer öffentlichen Infoveranstaltung eingeladen.

Die Online-Petition von Gegenwind hat auch die Befürworter auf den Plan gerufen. Unter dem Motto „Kraichtal im Aufwind“ sammeln sie seit Anfang Oktober ebenfalls Unterschriften mit einer Online-Petition. 143 Personen unterstützen bisher das Vorhaben. „50 Personen sind aus Kraichtal“, erzählt Jonathan Mader aus Münzesheim. Der Elektro-Student hat die Petition initiiert: „Ich finde Windräder nicht hässlich.“ Für ihn stehen die Vorteile der Windenergie im Vordergrund.

Kraichtal rechnet erst 2022 mit Planung

Coronabedingt wirbeln Befürworter und Gegner derzeit vor allem online für ihre Anliegen. Auch Flyer für weitere Informationen sollen an die 6.500 Haushalte in Kraichtal verteilt werden. Sie brauchen einen langen Atem, denn Bürgermeister Ulrich Hintermayer signalisierte zuletzt Ende September in einer Gemeinderatssitzung, dass voraussichtlich erst Ende 2021 weitere aktualisierte Untersuchungen zum Artenschutz und Brutverhalten auf der Grundlage des neuen „Windatlas 2019“ abgeschlossen sein werden. Anschließend müssten diese ausgewertet werden. Erst im Frühjahr 2022 sei damit zu rechnen, dass dem Gemeinderat „eine diskussionsfähige Planung“ vorliege.

Weitere mögliche Flächen sind dabei nicht ausgeschlossen. Der Regionalverband Mittlerer Oberrhein hatte bereits im Vorfeld kritisiert, dass nur zwei ausgewiesene von ursprünglich zehn möglichen Flächen zur Windkraftnutzung zu wenig seien. „Wenn windkraftempfindliche Vogelarten wie der Rotmilan woanders brüten, müssen auch wieder andere Standorte untersucht werden“, so Vorsitzender Gerd Hager. Das mache die Untersuchungen so langwierig.

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