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Keine Prunksitzungen

So geht eine Büttenrednerin aus Kronau mit der abgesagten Fastnacht um

Normalerweise würde Helga Kowohl jetzt wie jedes Jahr als „Hildegard Greisekwiedich“ in Kronau auf der stehen. Doch wegen Corona muss die Büttenrednerin auf ihr Fastnachts-Programm verzichten. Wie geht sie damit um?

Auf Männerjagd: Helga Kowohl war bereits 2018 als Hildegard Greiselwiedich bei der Prunksitzung des Wiesentaler Kienholzclubs auf der Suche nach „dem Richtigen“. Foto: Kurt Klumpp

Wegen Corona fällt Fastnacht in diesem Jahr aus. Helga Kowohl von der Kronauer Karnevalsgesellschaft ist nicht nur Vizepräsidentin des Golfclubs St.Leon-Rot.

Als „Hildegard Greiselwiedich“ ist sie auch in den Prunksitzungen der Region überaus bekannt.

Mit unserem Mitarbeiter Kurt Klumpp Helga Kowohl über ihre Rolle, die abgesagte Fastnacht und ihre Pläne für den Schmutzingen Donnerstag gesprochen.

Frau Kowohl, wie werden Sie heute den Schmutzigen Donnerstag verbringen?
Kowohl

Normalerweise haben wir im Büro immer ein närrisches Frühstück, was mich und meine Arbeitskollegen gut auf den Abend einstimmt. Dieses Jahr habe ich mit meiner Freundin ausgemacht, dass wir maskiert in die Kellerbar gehen, Schorle trinken und von Faschingstagen der letzten Jahre schwärmen. Weitere Aktivitäten sind nicht geplant.

Können Sie die Rolle der männersuchenden Hildegard Greiselwiedich beschreiben?
Kowohl

Sehr gerne. Hildegard, eine Dorfschönheit mit zart-beigem Kostüm und Faltenrock, Hütchen, dicker Hornbrille, hübsch anzusehen, ist schon viele Jahre auf der Suche nach einem passenden Mann. Sie hätte soooo gerne einen, aber alle Versuche, den Richtigen „an Land zu ziehen“, missglücken. Sie hat schon alles versucht: tanzen, singen, sogar einen Erotikkurs hat sie belegt, um einen passenden Kerl mit ihrem erotischer Strip – viele Unterröcke und Unterhosen – zu faszinieren. Ihre Erzählungen handeln von diesen erfolglosen Versuchen. Sie ist trotz des leicht herangeschrittenen Alters noch quirlig, lustig und gestikuliert mit Händen und Füßen, Eigentlich ist sie ja schon eine Gute, bisschen naiv und glaubt an die große Liebe. Ihr Markenzeichen: Hut, Brille, große Zähne und der gemeinsame Schlachtruf zusammen mit dem Publikum: Aaattaaack.

Seit wann verkörpern Sie diese Rolle und woher nehmen Sie die Ideen und Anregungen?
Kowohl

Mit 15 Jahren hatte ich meinen ersten Auftritt. In die Rolle der Hildegard bin ich vor über 25 Jahren geschlüpft. Wenn ich irgendwo einen guten Gag oder Witz höre, überlege ich immer sofort, ob der was für Hildegard wäre und notiere ihn. Dann muss dieser den strengen „Lustigkeitstest“ zu Hause überstehen, bevor er mit zur nächsten Sitzung darf. Mein Mann ist Hannoveraner und wie man weiß, sind diese netten Menschen keine Fastnachter – gar keine! Wenn’s gut läuft binden sie sich an den wilden Tagen ein lustiges Tuch um und warten ab, was passiert. In den Anfangsjahren war die Faschingszeit schon eine Herausforderung für ihn. Aber jahrelange, harte und kontinuierliche Arbeit macht sich eben bezahlt (lacht). Er kann sich sogar schon verkleiden, zwar nur als Pilot oder Arzt, aber es klappt schon. Ihm trage ich dann meinen neuen Witz vor und wenn sich ein ganz schwaches, zaghaftes Lächeln auf seinem Gesicht abzeichnet, dann weiß ich, der ist gut.

Hatten Sie für die jetzt abgesagte Kampagne bereits ihr Programm zusammengestellt?
Kowohl

Mein Programm für die abgesagte Kampagne ist unter Dach und Fach und wird natürlich nächstes Jahr eingebaut. Ich habe jetzt drei Teile, die ich in drei Kampagnen vortragen könnte. Danach gibt es immer eine Pause. Ich denke, die Besucher der Sitzungen sind auch mal froh, wenn sie mich nicht immer sehen müssen.

Bei welchen Prunksitzungen standen Sie bereits in der Bütt und welche Auftritte waren 2021 geplant?
Kowohl

Natürlich in meiner Heimatgemeinde Kronau, dann auch in Forst, Hambrücken, Neudorf, Bad Schönborn, Wiesental, Bruchsal, Büchenau, Blankenloch, Eggenstein-Leopoldshafen, Dettenheim, Wiesloch, Walldorf, Oberhausen, Rheinhausen, Östringen, Odenheim und Karlsdorf. Aber auch in den Kreisen Pforzheim, Karlsruhe, Mannheim, Heidelberg und in der Pfalz. Start wäre bereits im November bei der Damensitzung in Östringen und bei der Auftaktsitzung in Bad Liebenzell gewesen. Insgesamt waren 16 Auftritte geplant.

Haben Sie einen Trost wegen der abgesagten Fastnacht?
Kowohl

Es ist für alle Menschen eine sehr schwere Zeit, egal ob Fastnachter, oder Nichtfastnachter. Aber sie zeigt uns auch, wie dankbar wir sein müssen, wenn wir wieder zusammen mit unseren Freunden, Familien und Bekannten wunderschöne Feste feiern dürfen, und freuen wir uns gemeinsam auf die kommende Zeit nach Corona. Ich freue mich jedenfalls sehr darauf, mit Euch allen wieder feiern zu dürfen.

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