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Trotz weniger Anfragen für freie Ladenflächen

Was die Stadt Bruchsal und die Händler zur Einkaufssituation in der Innenstadt sagen

Machen viele Läden im Corona-Winter schlapp und gibt es immer noch mehr Leerstand in Bruchsal? Das Stadtmarketing ist noch nicht pessimistisch. Gastronomie und Läden sollen die Chance haben, sich mit vielen Ideen winterfest zu machen.

Die Hoheneggerstraße in Bruchsal: Die Filiale von Jack Wolfskin verlässt den kleinen, aber wichtigen Teil der Fußgängerzone und zieht an die Zollhallenstraße. Bringt der Coronawinter viele Leerstände im Zentrum oder gar ein Lädensterben? Die Stadt ist noch optimistisch, dagegensteuern zu können. Foto: Martin Heintzen

Simone Würth hat es gewagt. Sie machte im September einen Laden in Bruchsals Zentrum auf. Es war ein Sprung über den Rhein. Ihr Modegeschäft „KiLu“ gibt es bereits in Landau und Speyer. „Wir haben viele badische Kundinnen und wollten deshalb unbedingt nach Bruchsal. Mit unseren hochwertigen Marken sehen wir eine Chance“, sagt die Besitzerin.

Schnell fand sie die leerstehenden Räume an der Ecke Friedrichstraße/Rollingenstraße. Ein Mietschnäppchen sei es dennoch nicht gewesen. Die Inhaberin weiß, dass sie einen längeren Atem braucht, um sich in schwieriger Zeit zu etablieren.

Nach drei Jahren mit sinkender Kundenfrequenz sowie den Corona-Folgen verlässt dagegen Ende November der Jack-Wolfskin-Laden das Zentrum. Martin Leitz verlegt den Store auf kleinerer Fläche in seine Sport-Fabrik an der Zollhallenstraße. „Die Miete in der Hoheneggerstraße ist zu hoch gewesen, und die Stadt hat uns alle dort leider nicht genügend unterstützt, um die Standorte aufzuwerten“.

Das Kurzparken von 30 Minuten in der Wörthstraße sei beispielsweise nicht angemessen für Kunden von Bekleidungsgeschäften. „Die Parkzeit war nur gut, um bei Füllhorn Lebensmittel einzukaufen, als es den dort noch gab. Jetzt müsste sie eigentlich wieder verlängert werden, aber Verwaltung und Gemeinderat bewegen sich nicht“, bedauert Leitz, der im Branchenbund aktiv ist und der Initiative „Fairness im Handel“ angehört.

Einer seiner weiteren Kritikpunkte: Die Schulgasse sei eine tote und abschreckende Verbindung zur Hoheneggerstraße. Darum machten Fußgänger einen Bogen. Insgesamt müsste die Attraktivität des Bruchsaler Zentrums immer wieder neu überprüft werden.

Das Ziel im Corona-Winter: Branchenmix auf aktuellem Stand halten

Man hört von möglichen Abwanderungen, stößt auf Räumungsverkäufe, sieht freie Flächen, beispielsweise, wo Schlaile Bruchsal verließ oder „Happy Bike“ die Friedrichstraße. Ist zu befürchten, dass Lädensterben und Leerstand in Bruchsal zunehmen? „Nein, das müssen wir nicht. Es gibt für freie Flächen immer noch Anfragen, aber natürlich nicht so viele wie früher“, antwortet Birgit Welge.

Die Leiterin der städtischen Wirtschaftsförderung ist optimistisch, dass in den Straßen der Fußgängerzone der Branchenmix zumindest vorerst gleich bleibt und sich nicht verschlechtert. Ein neuer Laden für Lebensmittel wolle beispielsweise aufmachen. Insgesamt gelte auch für Bruchsal weiter die Regel: Filialen machen 60 Prozent aus, individueller Einzelhandel 40 Prozent, sagt Welge, die seit sechs Jahren im Amt ist.

Damit sich der Einzelhandel über den Bruchsaler Branchenbund noch besser einbringen kann, gibt es seit September mit Karsten Lonhard einen hauptamtlichen City-Manager. Er ist beim Branchenbund angestellt und ins Stadtmarketing eingebunden. Lonhard trägt aktuell seinen Teil dazu bei, Gastronomie und Läden winterfest für die kalten Corona-Monate zu machen.

Er berät Lokale, wie man genehmigte Überdachungen für die Sitze baut. Aber auch Händler, um vor dem Eingang einen Wetterschutz für Wartende zu errichten, wenn nur wenige Kunden eintreten dürfen.

Überdachungen und Heizpilze können erlaubt werden

„Dazu hat die AG Wintergastro eine Checkliste über die Richtlinien erstellt, damit die Rahmenbedingungen klar sind und das Ordnungsamt Projekte für die Zeit von 15. Oktober bis 15. April genehmigen kann“, sagt Birgit Welge. Windschutz, Überdachungen oder Zelte müssten aber ins Stadtbild passen. Deshalb sind beispielsweise keine Holzhütten erlaubt.

„Es gibt dafür viele Möglichkeiten aus Glas, die viel schöner aussehen“, argumentiert Lonhard. „Eine erste Genehmigung für Winterschutz in der Kaiserstraße wurde bereits erteilt. Wichtig auch: In der Außengastronomie oder in Wartebereichen sind Heizpilze erlaubt, die mit Strom oder Gas betrieben sind.

Für Buchhändlerin Carolin Wolf sind die Gestaltungsrichtlinien nicht optimal. Sie wünschte sich ein wetterfestes Holzhäuschen, damit Kunden vor dem Laden ihre bestellten Bücher abholen können und ihre Mitarbeiter geschützt sind.

Wie auf einem Weihnachtsmarkt. „Ich verstehe, dass es Regeln geben muss, aber die Voraussetzungen für jeden Laden sind eigentlich unterschiedlich. Für uns wird es sehr schwierig, das so wichtige Weihnachtsgeschäft zu organisieren, wenn wegen Corona nur wenige Kunden in den Laden dürfen.“

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