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Bruchsal wird wieder Covid-19-Schwerpunktklinik

Mediziner empfiehlt AHA-Regel und regelmäßiges Lüften als beste Vorsorge gegen Covid-19

Die Fürst-Stirum-Klinik wird wieder Covid-19-Schwerpunktklinik und sieht sich für die zweite Welle gerüstet. Wie man sich am besten selber schützt, sagt ein Facharzt für Lungenkrankheiten.

Das Bruchsaler Krankenhaus: Dort sieht man sich im Moment gut gerüstet für eine mögliche neue Welle an Corona-Intensivpatienten. Foto: Peter Sandbiller

Die Patientenzahlen steigen wieder – langsam zwar, aber bei den RKH-Kliniken in Bruchsal und Bretten sieht man sich für die zweite Welle der Covid-19-Infektionen gerüstet. „Wir stellen uns deshalb darauf ein, dass wir auch wieder vermehrt Patienten aufnehmen müssen – auch solche, die intensivmedizinisch betreut werden müssen. Eine Entwicklung ist jetzt schon erkennbar“, erklärt Pressesprecher Alexander Tsongas auf BNN-Anfrage.

Nach seinen Aussagen werden in Bruchsal derzeit vier Patienten behandelt, einer davon auf der Intensivstation. Außerdem gibt es einen Verdachtsfall. In der Rechbergklinik Bretten gibt es zwei Covid-19-Patienten und acht Verdachtsfälle. Deshalb müssen auch einzelne geplante Operationen verschoben.

„Man entwickelt sich zum Experten“, erzählt Christian Woll. Er ist Oberarzt und Leiter der Pneumologie in der Fürst-Stirum-Klinik Bruchsal. Der Mediziner veröffentliche zusammen mit anderen Experten bereits im Frühsommer ein erstes Lehrbuch für Ärzte und Pflegekräfte zur intensivmedizinischen Versorgung von Covid-19-Patienten.

Themen sind etwa Beatmung, Ernährung und Krankenüberwachung. So gehöre zur Standartvorgehensweise mittlerweile die Behandlung von Covid-Patienten mit Cortison und Remdesivir, mit dem auch der US-Präsident Donald Trump behandelt wurde. Dabei können auch jüngere Patienten so schwer erkranken, dass sie auf der Intensivstation landen: „Aber sie haben mehr Kraft und Reserven.“

Koordinator soll Patienten besser verteilen

Nach den Erfahrungen aus dem Frühjahr wollen die RKH-Kliniken ihre intensivmedizinische Kapazitäten wieder bündeln. Neben Ludwigsburg war Bruchsal das zweite Covid-19-Schwerpunktzentrum. Das soll es auch wieder werden. Mit steigenden intensivpflichtigen Covid-19-Patienten sollen aber nicht mehr alle dorthin verlegt werden.

„Alle Häuser müssen ein gewisses Kontingent verkraften und behandeln können“, sagt der Kliniksprecher. Mit Hilfe eines Koordinators sollen die Patienten besser verteilt werden, um den Betrieb in einzelnen Kliniken nicht so radikal herunterfahren zu müssen. So war der Betrieb im Frühjahr zumeist bis auf eine Notfallversorgung mit rund 50 Prozent Belegung zurückgefahren. Das hat die Kliniken eine Stange Geld gekostet.

Christian Woll, Pneumologe an der Fürst-Stirum-Klinik Bruchsal Foto: Martin Stollberg

Vorräte für drei Monate

Bei steigenden Patientenzahlen sollen die Intensiv- und Überwachungsstationen mit Fachpersonal aus dem Bereich Anästhesie- und Intensivpflege anderer Kliniken und Funktionsbereiche unterstützt werden. Aus den Materialengpässen des Frühjahrs hat man gelernt

„Die RKH Kliniken verfügen jetzt über ein Pandemie-Vorratslager mit allen Schutzmaterialien und Medikamenten, die wir benötigen. Der Vorrat reicht für etwa drei Monate“, erklärt Sprecher Tsongas.

AHA-Regel plus Grippe-Impfung

100-prozentigen Schutz gebe es nicht, sagt Woll. Die beste Methode sei nun, das Risiko deutlich zu reduzieren und sich beispielsweise auch gegen Grippe impfen zu lassen. „Wenn man schon an Covid-19 erkrankt ist, will man sich nicht noch das Grippe-Virus einfangen“, warnt der Mediziner vor zusätzlichen Komplikationen. Neben der AHA-Regel (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske) zur Vorbeugung komme nun im Herbst das richtige Lüften hinzu. „

Querlüften ist optimal“, so der Pneumologe. Das gelte besonders für Klassenzimmer. Aber auch in Besprechungsräumen sollten alle 20 Minuten zwischen drei bis zehn Minuten frische Luft herein gelassen werden. „Als wir letztens Essen waren, wurde auch von Zeit zu Zeit das Fenster geöffnet“, erklärt Woll das Hygienekonzept vieler Gastronomen.

Dabei hängt die Dauer des Stoßlüftens von der Raumgröße, der Personenzahl und der jeweiligen Aktivität ab. So werde die Luft bei Gymnastik oder Singen deutlich schneller verbraucht als etwa beim Arbeiten vor dem Computer. Ein guter Sensor dafür, wann die Luft verbraucht ist, bieten nach Einschätzung des Pneumologen sogenannte CO2-Ampeln, die das in der Luft enthaltene Kohlendioxid messen.

Das Umweltbundesamt empfiehlt beispielsweise für Unterrichtsräume eine CO2-Konzentration nicht über 1.000 ppm (Teile pro eine Million Teile). Sobald es Raumluftanlage gebe, die die Luft nur umwälzen, sei es sinniger, zusätzlich zu lüften.

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