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Neuer Leiter

Die Nachfrage in der Bruchsaler Tafel ist groß – auch durch die Corona-Pandemie

Oliver Frowerk ist der neue Leiter der Bruchsaler Tafel. Von der Zusammenarbeit im Betrieb ist der vorherige Stellvertreter begeistert, doch die Personalsituation ist ein Problem. Denn: Die Nachfrage ist groß.

Die Tafel-Mitarbeiter (von links) Michael Kamrad, John Angelo und Rainer Haag sortieren frisches Gemüse im Tafelladen Bruchsal ein. Foto: Heinz Forler

Michael Kamrad, John Angelo und Rainer Haag haben zu tun. Vor wenigen Minuten haben Fahrer der Bruchsaler Tafel Blumenkohl, Lauch, Sellerie, Zucchini und Karotten von Discountern im Schlachthof an der Württemberger Straße abgeliefert. Jetzt sortieren die Männer das Gemüse, das für ein geringes Entgelt an Bedürftige abgegeben wird. Wie so oft herrscht in dem Selbstbedienungsladen emsiges Treiben. Doch etwas ist anders als in den Jahren zuvor.

Im Büro des Verantwortlichen sitzt nicht Ulrich Ellinghaus, im Jahr 2006 Gründungsmitglied und anschießend langjähriger Leiter der Sozialeinrichtung, sondern dessen Nachfolger. „Er fehlt natürlich“, sagt Oliver Frowerk, der im Mai 2021, nach dem Tod des 74-Jährigen, als vorheriger Stellvertreter an die Spitze der Tafel gerückt ist.

Die Vorstandsvorsitzende des Trägerverbands Caritas, Sabina Stemann-Fuchs, sieht das genauso. „Er war das Gesicht der Tafel. Aber Ulrich Ellinghaus wäre nicht Ulrich Ellinghaus gewesen, wenn er nicht klug vorgesorgt hätte“, würdigt sie dessen Personalplanung. Und so setzen Frowerk in Bruchsal und der Filiale in Blankenloch sowie Dennis Stahn in den Zweigstellen in Mingolsheim, Graben, Philippsburg und Kirrlach das Lebenswerk von Ellinghaus fort.

1.120 Menschen sind in Bruchsal Tafel-Kunden

Die Nachfrage ist beachtlich. Allein in Bruchsal haben 1.120 Menschen die entsprechenden Ausweise, um sich und ihre Angehörigen zu versorgen. Im nördlichen Landkreis sind es über 5.000 Bedürftige, die für einen „symbolischen Betrag“ in Märkten überschüssige Nahrungsmittel, gebrauchte Kleidung oder gut erhaltene Haushaltswaren bekommen.

Er fehlt natürlich.
Oliver Frowerk, Tafelleiter in Bruchsal

„Die Altersarmut ist erschreckend“, erklärt Stemann-Fuchs: „Leute, die zeitlebens gearbeitet haben und mit ihren Renten nicht auskommen, aber auch Alleinerziehende oder Hartz-IV-Empfänger sind auf Hilfe angewiesen.“



In den vergangenen Monaten haben sich auch Menschen, die wegen der Corona-Pandemie zu Kurzarbeit verurteilt sind oder waren, vermehrt an den Kassen im alten Schlachthof angestellt. Die Zahl der Flüchtlinge, die die Bruchsaler Tafel und deren Zweigstellen zuvor versorgten, ist dagegen zurückgegangen, haben die Verantwortlichen festgestellt.

Corona brachte auch der Tafel Einschränkungen

Die Infektionskrankheit, die das öffentliche Leben zeitweise fast lahmlegte, hat bei der Tafel für zusätzliche Arbeit gesorgt. Im Laden an der Württemberger Straße wurden wie in den Filialen Abstandsmarkierungen angebracht, Eingangsbeschränkungen verhängt, Plexiglasscheiben aufgehängt und Luftfilter eingebaut. Zudem hielten die meist ehrenamtlichen Mitarbeiter Hygienehandschuhe auch für ihre Kunden bereit.

Allein im „Tafel-Mutterschiff“, wie Frowerk das Geschäft in Bruchsal nennt, opfern knapp 250 Helfer einen Teil ihrer Freizeit, um uneigennützig die soziale Not zu lindern. Etwa 20 Mitarbeiter sind festangestellt.

Die Altersarmut ist erschreckend
Sabina Stemann-Fuchs,Vorstandsvorsitzende des Trägerverbands Caritas

„Es ist schön zu sehen, wie hier Menschen aus verschiedenen Kulturen und Religionen für den guten Zweck zusammenarbeiten“, betont der gelernte Handwerksmeister und Betriebswirt. Dennoch macht Frowerk keinen Hehl daraus, dass er gerne noch den einen oder anderen Helfer zusätzlich begrüßen möchte. „Es gibt immer wieder Engpässe. Vor allem in den kleineren Tafeln könnten wir weitere Helfer gebrauchen“, sagt der 51-jährige Bruchsaler.

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