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Am Bruchsaler Mantel

Neue DRK-Wache: Bald parken die Rettungswagen im alten Polster-Otten

Polstergarnituren, Couchtisch und gemütliche Sessel – einst konnte man im Bruchsaler Polster-Otten auf drei Etagen sein Wohnzimmer einrichten lassen. Künftig sollen von hier aus die Lebensretter des Deutschen Roten Kreuzes zu den Notfällen im Landkreis fahren.

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AUF DREI ETAGEN IM ALTEN MÖBELHAUS im Bruchsaler Wendelrot ziehen neue Mieter ein. Vermieter ist das Deutsche Rote Kreuz, das das Erdgeschoss nutzt. Die erste Etage ist noch frei. Oben entstehen neue Callcenter-Arbeitsplätze der Kassenärztlichen Vereinigung. Ende des Jahres soll der Betrieb losgehen. Foto: Heintzen

Der DRK-Kreisgeschäftsführer Jörg Biermann und sein Stellvertreter Daniel Schneider sprechen von einem echten Glücksfall. „Unsere alte Rettungswache platzt aus allen Nähten.“ Dass just gegenüber der bisherigen Wache Am Bruchsaler Mantel ein ganzes Möbelhaus leer steht, macht die beiden noch immer happy. Eigentlich hatten sie schon ein Speditionsgebäude in der Nähe gekauft, aber das Polstergeschäft gegenüber hat noch besser gepasst. Schnell war das erste Gebäude wieder verkauft und der Zuschlag für den Polster-Otten erteilt.

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ZU ENG wurde es in der alten Wache des DRK Am Bruchsaler Mantel. Jörg Biermann (links) und Daniel Schneider freuen sich über die neuen Räume gegenüber. Foto: Heintzen

Schon Ende des Jahres sollen von der neuen Lehrrettungshauptwache Bruchsal die Rettungswagen losfahren. Insgesamt acht davon stehen dort. Dazu kommt ein Notarztwagen. Im Moment werden die drei Etagen entkernt.

„Wir rechnen in den nächsten Tagen mit der Baugenehmigung“, erklärt Rettungsdienstleiter Schneider. Dann bekommen seine Fahrzeuge auf insgesamt 2.000 Quadratmeter neue, größere Garagen im Erdgeschoss. Außerdem werden neue Sozialräume eingerichtet sowie Lehr- und Unterrichtsräume. Dort werden nicht nur die 20 Auszubildenden geschult und das hauptamtliche Personal, sondern auch Otto-Normalbürger, der einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert.

Kaufpreis bleibt geheim

Über den Kaufpreis und die Investitionen in die alte Immobilie halten sich Schneider und Biermann bedeckt. Beim Rundgang durch das ausladende Gebäude wird jedoch klar, dass hier einige Millionen verbaut werden. So plant man zum Beispiel, den original Aufbau eines Rettungswagen in den neuen Lehrsaal zu integrieren. „Allein dafür ist es gut, dass wir das Gebäude gekauft haben“, erklärt Biermann stolz. So habe man zudem eine langfristige Perspektive.

Neues Callcenter für 116117 schafft neue Jobs in Bruchsal

Noch ein Pluspunkt aus Biermanns Sicht: „Wir konnten die zweite Etage, immerhin 1.500 Quadratmeter, komplett an die Kassenärztliche Vereinigung vermieten.“ Künftig sollen dort in einem neuen Callcenter alle Anrufe, die unter der Nummer 116117 eingehen, beantwortet werden. Diese Nummer wählt man, wenn etwa die Hausarzt-Praxis zu hat, sprich bei Fällen, in denen keine akute Gefahr droht.

Mit den 48 Callcenter-Arbeitsplätzen werden so aus dem Stand gut 100 bis 150 neue Jobs in Bruchsal entstehen. Bisher wurden die Anrufe teilweise von den lokalen Leitstellen mitbearbeitet, also etwa von der integrierten Rettungsleitstelle in Karlsruhe. Dort läuft in erster Linie die Nummer 112 auf, wo man anruft, wenn man einen Notfall hat. Die Karlsruher Disponenten schicken dann den nächstgelegen Rettungswagen und mitunter zusätzlich einen Notarzt zum Patienten.

„Im Landkreis Karlsruhe decken wir vom DRK knapp 90 Prozent dieser Einsätze ab“, erklärt Schneider. Seine Fahrzeuge stehen dabei über den ganzen Landkreis verteilt. So entsteht gerade in Kronau an der A5 ebenfalls eine kleine neue Rettungswache. In Bruchsal, an der Hauptwache, sind in Schichten gut 115 Notfall- und Rettungssanitäter im Einsatz. Davon sind 20 Auszubildende. Dazu kommen 40 Personen in der Verwaltung des Kreisverbands.

Sanitäter lernen auch per Video

Mit der neuen Rettungswache gegenüber wird das alte Gebäude keineswegs aufgegeben. „Diesen Platz können wir weiter gebrauchen, die Garagen etwa für die Autos aus dem Hausnotrufdienst, dessen Anrufe ebenfalls in Bruchsal auflaufen“, erklärt Biermann.

In den letzten zehn Jahren haben sich unsere Einsätze verdoppelt.
Daniel Schneider, stellvertretender DRK-Kreisgeschäftsführer

Die neue Wache jedenfalls soll technisch auf dem neuesten Stand sein, ebenso die Schulungsräume. „Hier kommen vermehrt Videos zum Einsatz. Das hat einen großen Lerneffekt“, erklärt Schneider. Seine Leute sind gefragt: „In den letzten zehn Jahren haben sich unsere Einsätze verdoppelt.“ Die Bevölkerung wächst, sie wird älter, in die prosperierende Industrieregion pendeln täglich viele Menschen ein, und ja: Es gibt auch vermehrt Anrufe mit eigentlich nicht notwendigen Indikationen, erklärt Schneider. „Die sind aber dank Corona massiv zurück gegangen.“

Internistische Notfälle kommen am häufigsten vor

Der größte Anteil an Einsätzen ist internistisch, der Herzinfarkt also oder der Schlaganfall. Das zweithäufigste sind chirurgische Unfälle, etwa Autounfälle oder am Arbeitsplatz.

Zum vollständigen Glück Biermanns und Schneiders fehlt nur noch der Dritte im Bunde: Das erste Geschoss mit seinen ebenfalls 2.000 Quadratmetern sucht einen Mieter, der zwischen DRK und Kassenärztlicher Vereinigung einziehen will.

Die Ära der Polstermöbel wird an diesem Standort dann wohl für die nächsten Jahrzehnte passé sein. Das Bruchsaler Möbelhaus, das früher Polster-Otten hieß und zuletzt als M&O-Filiale lief, hatte im Juni 2018 Insolvenz angemeldet. Die Hoffnung auf Übernahme durch einen Investor wurden zerschlagen, das Aus war besiegelt, die Mitarbeiter verloren ihren Job.

Über das Aus:
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