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Mit elf Fachbeiträgen

Neues Buch gibt Einblicke in Bruchsaler Stadtgeschichte

Gab es in Bruchsal schon im 19. Jahrhundert ein Bürgerzentrum? Fragen wie diesen widmet sich ein neues Buch der Bruchsaler Kommission für Stadtgeschichte.

Interessante Stoffe zur Lokalgeschichte bietet der dritte Band der Reihe „Bausteine zur Geschichte der Stadt Bruchsal und ihres Umlands“, der jetzt im Verlag Regionalkultur erschienen ist.
Interessante Stoffe zur Lokalgeschichte bietet der dritte Band der Reihe „Bausteine zur Geschichte der Stadt Bruchsal und ihres Umlands“, der jetzt im Verlag Regionalkultur erschienen ist. Foto: Hansjörg Ebert

Wie kamen die Nationalsozialisten im Bruchsaler Nachbardorf Forst ans Ruder? Und was hat ein Friedhofsaufseher und Bestatter aus der Barockstadt zu berichten, der zwei Weltkriege und den verhängnisvollen 1. März 1945 in Bruchsal hautnah miterlebt hat?

Wer Interesse an solchen historischen Themen hat, der ist mit dem nunmehr dritten Band der „Bausteine zur Geschichte der Stadt Bruchsal und ihres Umlands“ gut bedient.

Konrad Dussel und Jürgen Treffeisen haben das knapp 300-seitige Werk im Auftrag der Kommission für Stadtgeschichte der Stadt Bruchsal herausgegeben. Für 19,90 Euro ist das reichlich illustrierte Werk zu haben, das elf Fachbeiträge zu ganz unterschiedlichen Themen beinhaltet und beim Verlag Regionalkultur erschienen ist.

Geschichte des Bruchsaler Gebäudes „Hohenegger“

Gleich das erste Kapitel ist der bewegten Geschichte des Gebäudes „Hohenegger“ im Herzen Bruchsals gewidmet. Es diente einst als Schulhaus, Domizil zweier Fabriken, als Museum, Musikschule, Badeanstalt, Bibliothek und Lesehalle – ein echtes Bürgerzentrum, wie Autorin Tamara Frey herausarbeitet.

Eine derart vielseitige Nutzung hat das Forster Jägerhaus zwar nicht aufzuweisen, doch der Dienstsitz eines fürstbischöflichen Oberjägers hatte auch seine bewegten Momente, die Mitherausgeber Konrad Dussel recherchiert hat. Etwa die Geschichte der Zigarrenfabrikation der jüdischen Familie Rothheimer, die ihren Betrieb allerdings 1938 auf Druck der Nazis hin verkaufen mussten. Seit 1988 ist das Jägerhaus das Forster Bürger- und Kulturzentrum.

Bruchsaler Gefängnis in Brand gesteckt

Eine spannende Geschichte rankt sich um den Schädel des wegen Mordes verurteilten Mörders Jakob Schwäble, der in der Nacht vom 5. auf den 6. Oktober 1871 das Bruchsaler Gefängnis in Brand gesteckt hatte. Im Anatomischen Institut zu Heidelberg, das gerne Delinquenten aus Bruchsal unters Messer nahm, wurden dessen sterbliche Überreste eingehend untersucht, wobei der bei seiner Festnahme malträtierte Schädel einer besonderen Behandlung zuteilwurde. Sara Doll hat das pikante Thema intensiv seziert.

Die Autorinnen und Autoren weiterer Kapitel des Opus sind in Bruchsal gut bekannt: Kulturamtschef Thomas Adam beschäftigt sich mit den Volkshochschulen in der Stadt seit 1919, die Grünen-Stadträtin Ruth Birkle mit der Geschichte der Kinderheime, BNN-Redakteur im Ruhestand und Mundartautor Thomas Liebscher mit der Gebietsreform zwischen 1967 und 1975.

Verlegung der Stolpersteine in Bruchsal

Gleich zwei Autoren machen sich um die Geschichte der Verlegung der Stolpersteine verdient: Rolf Schmitt beleuchtet, wie es zu diesem Erinnerungsprojekt kam, Florian Jung berichtet, welche Rolle Schüler des Justus-Knecht-Gymnasiums dabei spielen.

Dazu gibt es einen Blick auf die evangelische Kirchengeschichte in Bruchsal, insbesondere wie sie sich im Stadtbild niederschlägt. Johannes Ehmann, Professor für Neuere Kirchengeschichte in Heidelberg, der in Bruchsal aufgewachsen ist, spürt den Spuren der Protestanten in der Barockstadt nach.

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