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Steigende Zahl ab Montag erwartet

Wie in Bruchsal die Kinder-Notbetreuung läuft

Der Lockdown ist verlängert und die Kitas bleiben weiter zu. Daher rechnen die Einrichtungen nach Ende des Weihnachtsurlaubs mit steigenden Anmeldezahlen für die Notbetreuung. In Bruchsal fällt der Arbeitgebernachweis weg, dadurch wird die Anmeldung für die Eltern einfacher.

Kita trotz Lockdown: Erzieher Felix Le Maire kümmert sich im Bruchsaler Kinderhaus Merlin um Jungen und Mädchen in der Notbetreuung. Die Einrichtungen gehen ab Montag von einem steigenden Bedarf aus. Foto: Martin Heintzen

Die Erfahrung hilft. Wiebke Fabienke ist Leiterin des Kinderhauses Merlin in Bruchsal und organisiert auch in diesem Corona-Lockdown die Notbetreuung in der Kindertagesstätte des Trägers Reha Südwest.

„Trotz der Kurzfristigkeit läuft alles ruhiger ab“, sagt sie. Am späten Dienstag fiel die Entscheidung, dass auch die Kitas länger geschlossen bleiben, dann kam der Feiertag und am Donnerstag die Anrufe der Eltern im Kinderhaus. Wie bei allen Einrichtungen in Bruchsal müssen betroffene Eltern die städtische „Anmeldung zur Notfallbetreuung für Kinder in Kindertageseinrichtungen“ ausfüllen.

Darauf angewiesen ist beispielsweise Ulrike Hummel aus Bruchsal. Dreimal in der Woche bringt sie ihre Kinder in die Notbetreuung. Ihr Mann und sie sind beide Ärzte. „Wir wollen in der aktuellen Pandemielage unseren Beitrag leisten“, sagt sie.

Das sei ohne Betreuung nicht möglich. Denn die einen Großeltern lebten zu weit weg, die anderen gehörten zur Risikogruppe. Hummel sieht auch Vorteile für ihre Kinder: „Die sind natürlich froh, mit Gleichaltrigen spielen zu können.“

Kein Arbeitgebernachweis mehr erforderlich

Neu am Bruchsaler Formular ist, das ab jetzt ein Arbeitgebernachweis entfällt, der Systemrelevanz oder Unabkömmlichkeit bestätigt. Eine Selbsterklärung reicht stattdessen aus. Das heißt, dass man sich allein auf die Angaben der Eltern verlässt, die mit ihrer Unterschrift bestätigen, dass sie eine Notbetreuung nur in Anspruch nehmen, wenn dies zwingend erforderlich ist.

15 Prozent aller Kindergartenkinder sind in Bruchsal Stand Donnerstag in der Notbetreuung, das sind 237 Jungen und Mädchen bei insgesamt 1.544 Plätzen. Im Moment laufe die Abfrage bei den Einrichtungen, wie viele neue Anmeldungen eingegangen sind, sagt Patrik Hauns, Fachbereichsleiter Bildung, Soziales und Sport bei der Stadt Bruchsal. Zum wegfallenden Arbeitgebernachweis sagt er: „Ich gehe davon aus, dass dadurch mehr Kinder in die Notbetreuung kommen. Wir sind eine familienfreundliche Stadt, aber appellieren natürlich an die Vernunft der Eltern.“

Sicher sei dieses Vorgehen eine Abwägungssache, daher werde man die Entwicklung der Anmeldezahlen beobachten.

Erzieherinnen weiter ohne Maske in den Gruppen

Wiebke Fabienke vom Kinderhaus Merlin rechnet jedenfalls damit, dass ab nächsten Montag ihre Auslastung auf rund 75 Prozent steigen wird. „Die meisten Eltern, die ihre Kinder in unser Einrichtung haben, sind beide berufstätig“, sagt sie. Viele seien auf die Betreuung angewiesen. Bislang wurden in der Kindertagesstätte im Fuchsloch 20 Kinder in der Notbetreuung beaufsichtigt, Tendenz steigend.

Damit rechnet auch Lioba Ulitschnik, Leiterin der Awo-Kindertagesstätte Mosaik in der Bruchsaler Prinz-Wilhelm-Straße: „Ab Montag wird es voller werden.“ Von 40 Kindern sind aktuell zwölf in der Notbetreuung. „Die Kinder werden von ihren Erzieherinnen in ihren regulären Gruppen betreut“, so Ulitschnik. Im Frühjahr, während des ersten Lockdowns, sei der Organisationsaufwand riesig gewesen, „wenn aber das Vorgehen mal gut installiert ist, kann man es jederzeit wieder aus der Schublade holen“.

Wie in anderen Einrichtungen begegnen sich die Erzieherinnen in der Kita Mosaik nur noch mit Maske und Abstand. In den Gruppen tragen sie jedoch keinen Mund-Nasen-Schutz. „Das wäre gerade bei den Einjährigen verheerend, wenn sie nicht mehr die Mimik erkennen könnten. Zumal die Kinder in dieser Phase sprechen lernen“, erklärt Ulitschnik.

„Es geht nicht darum, dass wir den Eltern misstrauen, sondern das Sinn und Zweck der Notbetreuung erfüllt bleiben.“
Erich Schweikert, Fachdienstleiter in Philippsburg

„Über Weihnachten und Neujahr konnten sich die Eltern gut selbst organisieren, aber ab Montag wird der Bedarf steigen“, sagt auch Andrea Bodmer-Golda vom städtischen Kindergarten Pusteblume in Philippsburg. „Wir sind für die Kinder da“, betont sie. Während Bruchsal inzwischen auf den Arbeitgebernachweis verzichtet, wird er in Philippsburg weiter eingefordert.

Dort erfolgt die Anmeldung für Kinder in die Notbetreuung zentral über die Stadtverwaltung, die dann die Formulare an die jeweiligen Einrichtungen weitergibt. „Das System hat sich bewährt“, sagt Erich Schweikert, der als Fachdienstleiter Bildung, Generationen und Sport mit dem Thema betraut ist. „Es geht nicht darum, dass wir den Eltern misstrauen, sondern dass Sinn und Zweck der Notbetreuung erfüllt bleiben.“

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