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Dramatische Situation

Aufnahmestopp: Östringen nimmt keine Kinder unter drei Jahren für Ganztagesbetreuung mehr auf

Dramatische Situation in der Kleinkindbetreuung in Östringen führt zu drastischen Maßnahmen: Das Ganztagesangebot für Kinder unter drei Jahren nimmt keine neuen Kinder mehr auf.

Ein Haus mit einer Außentreppe.
Im Kindergarten Maria Stern in Odenheim wird es künftig nur noch 20 Plätze in der Ganztagesbetreuung für Kinder ab drei Jahren geben. Foto: Monika Eisele

In den Östringer Kindergärten herrscht bereits seit einiger Zeit erheblicher Personalmangel. Personelle Abgänge, etwa wegen Ruhestand, Elternzeit oder beruflicher Neuorientierung können nicht schnell und oft auch nicht in ausreichender Personalstärke durch Neueinstellungen kompensiert werden. Dazu kommt, dass viele Bewerberinnen und Bewerber eine Beschäftigung in Teilzeit bevorzugen.

Dies führe dazu, dass die Stadt das angestrebte Angebot von bis zu fünf Ganztagesgruppen (GT-Gruppen) im Ü3-Bereich und von bis zu drei GT-Gruppen im U3-Bereich, also für Kinder von einem bis drei Jahren, nicht leisten kann, erläuterte Kämmerer Dominik Broll dem Gemeinderat – sowie den fast vollzählig anwesenden Mitarbeitenden der Östringer Kindergärten und Kitas.

Zahl der Plätze für Kinderbetreuung wird reduziert

Um mittelfristig zumindest eine verlässliche und bedarfsgerechte Kinderbetreuung in Östringen anbieten zu können, soll das Angebot der GT-Betreuung auf maximal 20 Plätze im Maria-Stern-Kindergarten in Odenheim und jeweils 20 Plätze in den Kindergärten St. Ulrich und St. Elisabeth in Östringen reduziert werden.

Der GT-Betrieb im U3-Bereich kann ab dem Kindergartenjahr 2024/25 nicht angeboten werden, die Reduzierung des Angebots soll bis zum Jahr 2025/26 vollzogen sein. Das heißt, dass Kinder, die bereits in der GT-Betreuung sind, weiter ganztags betreut werden, aber Neuzugänge nicht mehr aufgenommen werden.

Ich ergebe mich der Notwendigkeit.
Soeren Rabe
Gemeinderat

Darüber sowie über eigene Vergaberichtlinien für die Ganztagsbetreuung der Kinder ab drei Jahren hatte der Rat zu entscheiden. Für die Vergabe eines Ganztagesplatzes werden künftig Kriterien wie etwa der Beschäftigungsumfang der Eltern betrachtet. Eltern müssen demnach jährlich darlegen, ob das jeweils genannte Beschäftigungsverhältnis fortbesteht. Kann eine Beschäftigung nicht mehr nachgewiesen werden, muss das Kind in die Betreuung mit verlängerten Öffnungszeiten wechseln.

Zudem wird berücksichtigt, ob ein Elternteil alleinerziehend ist, ob Geschwisterkinder in der GT-Betreuung sind oder sich die Eltern oder Elternteile in Ausbildung befinden. Eine Härtefallregelung für Kinder, deren Wohl gefährdet ist, oder deren Eltern sich in schwierigen Lebenslagen befinden, ist ebenfalls in den neuen Richtlinien enthalten.

Tageseltern sollen Lücke in Östringen schließen

Neben der Reduzierung des GT-Angebots werde weiterhin nach anderen Möglichkeiten der Kinderbetreuung gesucht, beispielsweise mit der Einrichtung von TigeR-Gruppen des Tageselternvereins, sagte Broll.

„Wir haben in den vergangenen Jahren viel in neue Plätze investiert und können diese nun nicht bedienen. Das bedauere ich sehr“, erklärte Gemeinderätin Heidi Wagenblaß (ULi). „Ich ergebe mich der Notwendigkeit. Noch nie ist mir die Zustimmung zu einer Entscheidung so schwergefallen“, sagte Soeren Rabe (FDP/Freie Bürgerliste).

De facto stehe damit die Vollbeschäftigung der Eltern infrage und das in Zeiten, in denen oftmals beide Elternteile arbeiten müssten, um den Lebensunterhalt zu gewährleisten, und das bei gleichzeitig steigenden Gebühren, stellte das Gremium fest.

Hannah Bott (SPD) übte Kritik und findet, man habe im Vorfeld zu wenig getan, um eine solche Situation zu vermeiden und Möglichkeiten für Alternativen auf den Weg zu bringen. Bürgermeister Felix Geider (FWV) hielt dem entgegen, dass der Personalmangel nicht nur die Kindergärten und Kitas beträfe, sondern auch Anbieter wie etwa Postillion, die den Waldkindergarten in Östringen betreiben.

Mit dem Rechtsanspruch einer Ganztagsgrundschule ab 2026 werde der Bedarf an Betreuerinnen und Betreuer weiter steigen. „Wie das funktionieren soll, muss mir erst mal jemand erklären“, so Geider. Bei drei Gegenstimmen nahm der Rat die Reduzierung des Angebots sowie die Vergaberichtlinien an.

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