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Kritische Auseinandersetzung

Oppenheimer-Denkmal sorgt in Bruchsal für Diskussionen

Wie geht Bruchsal mit seiner braunen Vergangenheit um? Um diese Frage ging es am Sonntag bei einer Veranstaltung mit dem Kabarettisten und Journalisten Rainer Kaufmann zum Thema Otto-Oppenheimer-Denkmal.

Kritische Auseinandersetzung: Der Bruchsaler Kabarettist und Journalist Rainer Kaufmann bei seiner Lehrveranstaltung vor dem Otto-Oppenheimer-Denkmal. Foto: Thilo Kampf

Seit September steht auf dem Bruchsaler Kübelmarkt ein Denkmal, das auch an Otto Oppenheimer erinnern soll. Der Kaufmann jüdischen Glaubens, 1875 in Bruchsal geboren, war Tuchgroßhändler, gründete den Bruchsaler Kunstverein, förderte den Künstler Karl Hubbuch, engagierte sich im Schachclub und bei der Großen Karnevalsgesellschaft (GroKaGe) - und war ein leidenschaftlicher Fastnachter. 1901 schrieb er das Lied vom „Brusler Dorscht“, die Geschichte vom sauflustigen Grafen Kuno, die bis heute in der fünften Jahreszeit eine Hymne der Stadt ist. Von den Nationalsozialisten wurde er gedemütigt, entehrt und quasi enteignet und konnte sich in letzter Minute in die USA retten, wo er 1951 starb.

Das Denkmal von Wolfgang Thiel sorgt in Bruchsal für Diskussionsstoff, weil es auch darum geht, wie die Stadt Bruchsal und Teile ihrer Bürgerschaft mit der braunen Vergangenheit umgehen. Der Bruchsaler Kabarettist und Journalist Rainer Kaufmann hat es sich nach eigenem Bekunden zur Aufgabe gemacht, dieses komplexe Kunstwerk zu entschlüsseln.

Erstmals tat er dies am Sonntag bei einer „Lehrveranstaltung“, zu der die Bruchsaler Tourismus, Marketing & Veranstaltungs GmbH eingeladen hatte. Rund 20 Interessierte verfolgten den Vortrag, bei dem Kaufmann die Geschichte des Denkmals skizzierte: Ursprünglich habe der frühere Präsident der GroKaGe, Michael Tinz, ein „Graf-Kuno-Denkmal“ vorgeschlagen, später war ein „Narrenbrunnen“ angedacht. Der Autor der Bruchsaler Fastnachts-Hymne sollte „wohl eine untergeordnete Rolle spielen“.

Gleich vier Geschichten seien in dem Kunstwerk verschmolzen: Die des ehrsamen Bürgers Oppenheimer und seiner Familie samt ihrem Schicksal in der NS-Zeit; die seines Liedes vom Grafen Kuno, der Symbolfigur der Brusler Fastnacht, die der Grafik des Malers Karl Hubbuch zu diesem Lied und die des Buches „Das Narrenschiff“ von 1494, in dem der Sittenverfall im Spätmittelalter angeprangert wird.

„Der Leser des Bestsellers der frühen Neuzeit sollte seine eigene Torheit erkennen und sich durch Einsicht bessern“, sagte Kaufmann. Die im Denkmal dargestellten Narren seien nicht immer nur Fastnachter, sondern von einem an die Macht gekommenen Narren verführt, so Kaufmanns Interpretation.

Es wäre notwendig, dass es dort eine erklärende Tafel gibt.
Roland Schäfer, Besucher der Lehrveranstaltung

An die Verdienste und das Schicksal Otto Oppenheimers hätten sich viele Bruchsaler nicht erinnern wollen, sagte er weiter. Obwohl nicht nur Otto, sondern auch sein Vater Louis sich sozial engagiert hätten, sei es nicht möglich gewesen, einen Platz im Herzen der Stadt nach Otto Oppenheimer zu benennen.

Die katholische Kirchengemeinde, mit der Stadtkirche »Unsere liebe Frau« Anrainer des Platzes, habe sich dagegen ausgesprochen - und dies, obwohl Louis Oppenheimer das Josefshaus zusammen mit dem befreundeten Stadtpfarrer Josef Kunz initiierte, der es immerhin zum Ehrenbürger geschafft habe - mit einer eigenen Straße, die an den geplanten Oppenheimer-Platz anschließen würde.

Wer keine detaillierten Kenntnisse der Lokalgeschichte habe, der stehe vor einer Herausforderung, die man „mit einem geistigen Spagat umschreiben“ könne, so Kaufmann. Die offizielle Bezeichnung „Narrenschiff - das Graf-Kuno-Denkmal am Otto-Oppenheimer-Platz“ spiegele „eher die Ratlosigkeit von Stadtverwaltung und Gemeinderat“ wieder.

Er wünsche sich, dass „das Denkmal zu einem Diskurs führen wird“, doch sei das wohl nicht im Sinne mancher Bruchsaler, auch nicht „in Teilen der Oberen dieser Stadt“. Die Besucher der Veranstaltung zumindest kamen diesem Wunsch nach. „Es wäre notwendig“, so Roland Schäfer, „dass es dort eine erklärende Tafel gibt.“ Viele, ergänzt Ehefrau Susanne, stünden nämlich „irritiert vor dem Denkmal“. Ein anderer Besucher fasste es so zusammen: „Der Inhalt des Kunstwerks ist wertvoller als es selbst.“

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