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Fachstelle sucht Räume

Paar aus dem Raum Bruchsal hat mit Hilfe von Experten die Sucht überwunden

Die Zeit der Drogen liegt hinter Melanie und Heiko. Doch ohne die Beratung und Begleitung hätten die beiden ihre Sucht wohl nicht überwunden. Wie es mit der Fachstelle Sucht weitergeht, ist im Moment unklar. Noch immer sucht man neue Räume.

Kokain mit Rasierklinge und Geldschein *** Cocaine with razor blade and bank note Foto:xC.xHardtx/xFuturexImage
Raus aus der Drogensucht: Bei der Fachstelle Sucht bekommt man Hilfe, wenn man drogenabhängig ist. Das können illegale Drogen sein, genauso aber auch Alkohol, Zigaretten oder Mediensucht. Foto: Christoph Hardt via www.imago-images.de imago images/Future Image

Die Bruchsaler Suchttherapeutin Carolin Barenthin ist schon ein bisschen stolz: Melanie (21) und Heiko (40) sind seit anderthalb Jahren clean. Komplett weg von den Drogen. „Nein, die Hand ins Feuer legen, das würden wir selbst für uns nicht“, erklärt Heiko selbstkritisch. Dennoch ist seine Prognose und die seiner Frau gut.

Der Mann hat immerhin 25 Jahre lang allerlei Drogen konsumiert, hauptsächlich Amphetamin und hat damit auch gehandelt. Heute will das Paar seine Erfolgsgeschichte erzählen und zugleich ein bisschen Werbung für die Bruchsaler Fachstelle Sucht machen. „Ohne sie hätten wir es nicht geschafft“, ist Heiko sicher.

Die Fachstelle Sucht des bwlv sucht gerade nach neuen Büros in Bruchsal. Doch potenzielle Vermieter sind zurückhaltend, wenn sie hören, dass hier Süchtige ein und ausgehen. Heiko und Melanie allerdings sind durchaus typische Klienten der Suchtstelle. Dank ihrer Hilfe leben die zwei heute drogenfrei, gehen einer geregelten Arbeit nach und haben wieder eine Perspektive.

Drogenkonsum hat Melanie 20 bis 30 Euro täglich gekostet

So schildert es die 21-jährige Melanie. „Ich habe alle Phasen durch.“ Sie war einige Jahre auf Speed. Heute absolviert sie eine Ausbildung im sozialen Bereich. „Ich habe morgens schon konsumiert. Man wird wach und fit. Euphorisch. Ich war sogar beim Vorstellungsgespräch drauf.“

Doch die Droge, die oft auch als Partydroge genutzt wird, hat ihre Schattenseiten. 20 bis 30 Euro pro Tag hat Melanie für ihren Konsum ausgegeben. Schlafen konnte sie nur noch schlecht. Und wenn, dann hat sie oft verschlafen.

Irgendwann weiht sie ihren Arbeitgeber ein. Der zeigt Verständnis, gibt ihr nach dem Entzug eine zweite Chance. Wer länger konsumiert, bei dem zeigen sich sichtbare Schäden am Gehirn. Herzrasen, Bluthochdruck, Appetitlosigkeit sind oft die Folgen. Auch Nierenschäden sowie Wahnvorstellungen oder Panikattacken.

Die Fußballerkarriere war plötzlich vorbei

Heikos Geschichte ist eine andere. Gras, Speed, Ecstasy, das hat er ab 15 Jahren alles probiert. Anderthalb Jahre saß er im Gefängnis. Beschaffungskriminalität. Eigentlich lag vor ihm in jungen Jahren eine glänzende Zukunft.

Alles sah nach einer Profi-Fußballkarriere aus. Bis eine Verletzung seinen Traum von einem Tag auf den anderen zerstört. „Das ist eine sehr typische Entwicklung“, erklärt Barenthin, die schon viele Suchtkranke betreut hat.

Das ist ganz viel Beziehungsarbeit.
Carolin Barenthin, Suchttherapeutin aus Bruchsal

Irgendwann wurde aus dem Dealer Heiko und seiner Kundin Melanie ein Paar. Ein glücklicher Zufall, im Nachhinein betrachtet. Die junge Frau ist die erste, die aussteigen will. „Wenn du Therapie machen willst, bin ich der falsche Freund für dich“, sagt ihr Heiko noch. Doch Melanie zieht es durch und kann ihren Freund überreden, mal mitzukommen zu Carolin Barenthin. Die lacht, als sie sich erinnert. „Wie will die Frau mir helfen?“, hatte sich Heiko gefragt.

„Es war anfangs schon sehr zäh mit den beiden“, berichtet die Therapeutin. Gesucht wurde eine Klinik, in der das Paar gemeinsam mit Hund unterkommen kann. Erst Entgiftung, dann sechs Monate Klinik in Hamburg. Bis es soweit war, kamen die beiden wöchentlich zu Frau Barenthin. Und die hielt die Motivation hoch. „Reden hilft“, sagt sie. Aber auch das muss mancher erst lernen. Über Gefühle sprechen. Seine Bedürfnisse erkennen und formulieren. „Das ist ganz viel Beziehungsarbeit“, gibt Barenthin einen Einblick.

Lebenskrisen können zu Rückfällen führen

Die Mühe hat sich ausgezahlt. „Sie haben sich ihrer Sucht gestellt.“ Melanie und Heiko machen heute um Drogen einen Bogen, auch wenn es schon die ein oder andere Gelegenheit gegeben hätte. „Es benötigt eine sichere Umgebung“, erklärt Petra Müller, die stellvertretende Leiterin der Beratungsstelle.

Vor allem Lebenskrisen können kritisch sein, können Rückfälle auslösen. „Ich hätte die Gelegenheit gehabt, aber ich habe nein gesagt“, berichtet Melanie. Für kritische Situationen und die Nachbetreuung ist die Fachstelle auch heute noch die erste Anlaufstelle.

„Ich wollte Melanie heiraten. Das war für mich ein wichtiges Ziel“, sagt Heiko über seine Motivation, clean zu bleiben. In einem Rückfallordner bewahren beide wichtige Dinge auf. Dinge, aus denen sie Kraft schöpfen, die Kontakte zu guten Freunden, und ja auch zur Fachstelle Sucht.

Denn das Paar weiß, wozu Petra Müller ihrer Klienten immer mahnt: „Man darf sich nie zu sicher sein.“ „Ich weiß, man bleibt bis zu seinem Lebensende süchtig“, sagt Heiko. Und Barenthin ist sich sicher: „Die beiden wissen, was zu tun ist, wenn sie eine Krise erleben oder rückfällig werden.“

Die meisten Drogenabhängigen werden im ersten Jahr nach der Therapie rückfällig. Diese kritische Zeit haben Melanie und Heiko bereits erfolgreich gemeistert. Barenthin und Müller sind optimistisch: Die solide Beziehung der beiden bringe Stabilität.

Wäre ich ein Vermieter, ich würde den Süchtigen Räume zur Verfügung stellen.
Melanie, hat ihre Sucht überwunden und ist dankbar für die Hilfe

Das ersetzt womöglich auch eine Selbsthilfegruppe, um die beide bisher einen großen Bogen gemacht haben. Trotzdem sind sie dankbar für das Angebot der Fachstelle. „Wäre ich ein Vermieter, ich würde den Süchtigen Räume zur Verfügung stellen. Weil ich an das Gute im Menschen glaube. Das kommt doppelt und dreifach zurück“, wirbt Melanie. Ihr Namen und den ihres Mannes sind für den Artikel verändert worden, um ihre Anonymität zu wahren.

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