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Mehr Sicherheit?

Neue Stahlbetonwände im Castorenlager überzeugen Philippsburger Kritiker nicht

So richtig überzeugend finden die Philippsburger die neuen Maßnahmen nicht. Dass das Castor-Zwischenlager besser abgesichert wird, sei gut. Noch besser sei es aber, den Müll endlich unterirdisch einzulagern, findet der Bürgermeister. Doch das kann noch dauern.

Blick ins Innere des Castorenlagers von Philippsburg: Hier wird noch voraussichtlich bis 2050 hochradioaktive Müll in Castoren gelagert. Kritiker fürchten, dass diese Behälter nicht sicher sind und pochen auf eine schnelle Einlagerung des Mülls unter der Erde. Foto: Uli Deck picture alliance / dpa

Dicke Stahlbetonwände in zweiter Reihe sollen das bestehende Castoren-Zwischenlager in Philippsburg künftig besser vor einem Terrorangriff schützen. Denn moderne panzerbrechende Waffensysteme könnten die bisherigen Hallenwände durchschlagen und die Castorenbehälter mit hochradioaktivem Material verletzen. Für die Nachrüstung des Lagers am Standort Philippsburg liegen nun – nach jahrelangen Debatten – die Genehmigungen vor.

Erleichterung also in Philippsburg? „Das ist doch reine Kosmetik“, findet Uwe Hormuth deutliche Worte. Seine Bürgerinitiative „Wir sind Heimat“ hat die Entwicklung am Atomkraftwerk kritisch verfolgt. Dass das Zwischenlager nun sicherheitstechnisch aufgerüstet wird, lässt Hormuth keineswegs besser schlafen. Er spricht von einer „tickenden Zeitbombe“.

Denn zwar schützten dicke Betonwände vielleicht etwas besser vor Terroranschlägen, aber weder die noch Flugzeugabstürze sind aus seiner Sicht das eigentliche Problem. Hormuth hält die Castorenbehälter selbst für unsicher. „Das sind Transportbehälter. Die sind nicht zur Lagerung vorgesehen.“ Doch gelagert werden die mehr als 100 Castoren noch mindestens bis 2047 in Philippsburg – wenn nicht länger.

Bis dahin gilt ihre Genehmigung. Aber bis dahin wird es wohl noch kein deutsches Endlager für den Atommüll geben. „Machen wir uns nichts vor, wir werden das nicht mehr erleben“, ist sich Hormuth sicher. Er kritisiert vor allem das Deckelsystem. Er fürchtet, dass die Transportdeckel der Castoren mit der Zeit undicht werden könnten. Dann gebe es aber keine Möglichkeit, die Behälter in Philippsburg zu reparieren. Dazu bedürfte es einer sogenannten „heißen Zelle“, einer Art Sicherheitsraum, wie es ihn etwa in Gorleben gibt.

Die normale Lagerhalle – Atomkraftgegner haben sie auch schon Kartoffelscheune genannt – sei einfach nicht für die Lagerung hochradioaktiver Abfälle geeignet, schon gar nicht dauerhaft. „Aber genau darauf läuft es hinaus“, ist sich Hormuth sicher. Er erinnert an weitere Risiken: Flugzeugabsturz, Hochwasser und Tiefengeothermie. Gerade letzteres treibt ihn aktuell um. Geplante Projekte im Erdbebenrisiko-Gebiet Oberrheingraben sieht er kritisch.

Martus fürchtet Verzögerungen bei der Endlagersuche

Auch Philippsburg Bürgermeister Stefan Martus bricht nicht gerade in Jubelstürme aus: Zwar freue er sich, dass die Sicherung nun endlich nachgebessert wird. Bisher hatte man sich mit zusätzlichem Sicherheitspersonal und gepanzerten Fahrzeugen beholfen. Aber die bauliche Lösung sei nicht ideal. „Ziel ist es nach wie vor, dass der Atommüll nicht mehr oberirdisch gelagert wird.“ Ein Endlager, so viel ist aber klar, wird es die nächsten Jahrzehnte nicht geben. Das dauert bis mindestens 2050. So lange werden die Castoren nun mal oberirdisch in Philippsburg stehen.

Wenn wir es schon vor unserer Haustür haben, dann sollte es auch möglichst sicher sein.
Stefan Martus, Bürgermeister von Philippsburg über das Zwischenlager

Martus stellt aber auch klar: „Je mehr man dort ins Thema Sicherheit investiert, desto einfacher wird es für die Politik, das Thema Endlager noch weiter nach hinten zu schieben.“ Deshalb hält sich seine Freude in Grenzen. Andererseits: „Wenn wir es schon vor unserer Haustür haben, dann sollte es auch möglichst sicher sein“, beschreibt Martus seine Gefühlslage. Die neuen Betonwände schützten zwar womöglich besser gegen Waffen, aber nicht gegen Flugzeugabstürze. „Wir sind hier an einer Hauptflugstrecke. Von der Frankfurter Startbahn West starten hier täglich Flieger nach Südafrika und Südamerika.“

Schwere Flugzeuge etwa des Typs A380 flögen in einer Höhe von 3.000 Meter den Rhein entlang und damit in unmittelbarer Nähe zum AKW und dem Castorenlager. Die Energieversorger und die Betreiber der Zwischenlager argumentierten bislang immer, dass der eigentliche Schutz gegen all die Gefahren vom Castorbehälter selbst ausgehe. „Die Betonhülle ist nur der Wetterschutz, süffisant gesagt“, erklärt Martus.

Er ist zugleich stellvertretender Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Standortgemeinden kerntechnischer Anlagen in Deutschland (ASKETA). Als solcher hält er es für besonders wichtig, die deutschlandweit laufende Suche nach einem Endlager unter der Erde zu beschleunigen.

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