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Regen und Hochwasser sorgen für Insektenplage

Stechmückenplage am Rhein: Schnakenbekämpfer hoffen auf sinkenden Rheinpegel

Anwohner am Rhein werden von aggressiven Stechmückenschwärmen tyrannisiert. Die Schnakenbekämpfer der Kommunalen Aktionsgemeinschaft der Schnakenplage waren bislang wegen Regen und Hochwasser wenig erfolgreich. Sie hoffen auf den sinkendenden Rheinpegel.

Auch beim Pressegespräch mit Ines Unser nehmen die Schnaken keine Rücksicht. Foto: Werner Schmidhuber

In diesem Jahr scheint die Stechmückenplage besonders schlimm zu sein am Rhein. Starke Regenfälle und Hochwasser haben großflächige Überflutungen bis an die Rheinhauptdämme zur Folge gehabt. Das hat es den Mitarbeitern der Kommunalen Aktionsgemeinschaft der Schnakenplage (KABS) schwer gemacht, der ersten Welle der Plagegeister zu Leibe zu rücken.

Immerhin haben Vertreter der KABS inzwischen ein Trostpflästerchen bereit und verbreiten Hoffnung. „In 14 Tagen werden spürbar weniger Stechmücken als bislang unterwegs sein“, versichert Andreas Arnold, zuständig für das KABS-Gebiet Oberhausen-Rheinhausen. „Bis zum 17. Juli hat es sieben erfolgreiche Bekämpfungsphasen gegeben, doch dann machte das Hochwasser alle diese Maßnahmen zunichte.“

Die sogenannten Rheinschnaken legen ihre Eier am Ufer und in den Auen ab. Wenn das Wasser steigt und die Eier überspült, schlüpfen die Larven.

Sein Kollege Frank Steuerwald, der den Bereich Philippsburg betreut, geht davon aus, dass der Rheinpegel weiter fällt und keine neuen Larven mehr nachkommen. KABS-Einsätze, beispielsweise mit Hubschraubern, seien momentan nicht möglich. Zu den Leidtragenden der Plage gehöre vor allem die Rheinschiene. Seine gewonnenen Erfahrungen aus den zurückliegenden Jahren: Die Blutgier der Schnaken hat stark zugenommen.

Bei Dämmerung hält es kein Mensch mehr draußen aus.
Wassersportler Michael Knebel aus Wiesental über die Schnakenplage

Ein Lied vom Surren der Stechmücken kann indessen der Wiesentaler Michael Knebel singen. Er ist Vizechef der Wassersportler beim WSC Rheintreue Rheinsheim. „Bei Dämmerung hält es kein Mensch mehr draußen aus. Im Vereinsheim war kürzlich das Schnakenfenster ganz schwarz, hing mit den Biestern voll, die alle hereinwollten. Alle Bedeckungen mit langen Hosen und langärmeligen Hemden helfen nichts, auch keine Mückensprays.“ Sogar Stiche in die Augen sollen einigen Kanuten widerfahren sein.

Ines Unser, Requisiteurin und freischaffende Künstlerin aus Oberhausen, ist mit ihrer Schnakenbekämpfungskunst am Ende ihres Lateins – trotz des Einsatzes von Mückenbatschern und burkaähnlicher Verhüllungen. „Sogar aus dem Kompost schwärmen sie angriffslustig aus“, klagt die junge Frau, die ihre „Schnakenbobbel“ zeigt.

Verwandte sagen Besuche ab - aus Angst vor den Stichen

„Ein echter Rhonsemer wird nicht gestochen“, hat Günter Brecht bislang behauptet und sich als Anschauungsobjekt zur Verfügung gestellt. Doch 2021 ist es anders, weiß der Chef des Gartenbauvereins, der sich viel im Freien aufhält, mit dem Hund Gassi geht und am Waldrand wohnt. „Unsere Verwandte haben alle Besuche im Schnakenort Rheinsheim abgesagt.“

Verzweifelt hört sich der mehrfach gezwickte Hajo Böser aus Rheinhausen an, gerade in der Urlaubszeit amtierender Rathauschef. „Die Biester sind Tag und Nacht unterwegs, ignorieren alle früher üblichen Pikszeiten, zeigen sich rund um die Uhr zum Zustechen bereit.“

„Die senn mordmäßig aggressiv“, jammert auch das Gärtnerehepaar Beate Kuhn und Charly Schneider. Die Quälerei habe Ausmaße angenommen wie bei den biblischen Plagen. Als Pflanzenexperten setzen die zwei viel Lavendel und Weihrauch zur Abwehr ein und behelfen sich mit einem Ventilator, um die Schmerz verursachenden Zweiflügler fernzuhalten.

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