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Keine Evakuierung geplant

Philippsburger Kühlturm-Sprengung: So riegelt die Polizei die Region ab

Bereits ab Mittwoch, 12 Uhr, ist Philippsburg abgeriegelt - beinahe zumindest. Unter allen Umständen soll verhindert werden, dass zur Sprengung der AKW-Kühltürme am Donnerstag oder Freitag scharenweise die Schaulustigen gepilgert kommen. Das muss man jetzt zu den Absperrungen und den Sicherheitsvorkehrungen wissen.

So nah ran ans Philippsburger Atomkraftwerk wie einst 2011 diese Aktivisten wird man ab Mittwoch nicht mehr kommen. EnBW und Polizei riegeln das Gelände großflächig ab, um Zuschauermengen bei der Sprengung der Türme zu verhindern. Foto: Heintzen (Archiv)

Einen kleinen Vorgeschmack darauf, wie das wird, wenn die Kühltürme des Philippsburger Atomkraftwerks zu einem unbekannten Zeitpunkt fallen, haben die Menschen zwischen Karlsruhe und Mannheim vergangene Woche bereits erlebt. Drei Knallgeräusche, vermutlich verursacht von Kampfjets, nährten die Spekulation, dass die Türme schon gefallen seien. Nein, sie stehen noch. Sie fallen am Donnerstag oder Freitag, die Sache ist streng geheim.

Bereits am Mittwoch ab 12 Uhr aber wird das Gebiet rund um die Rheinschanzinsel großflächig abgesperrt. Zum einen, damit niemand zu nahe an die Sprengung herankommt und sich damit in Gefahr begibt. Zum anderen aber auch, um Schaulustige so gut es geht auf Abstand zu halten. Tausende Menschen mit Fotos und Handys als Zuschauer am Zaun? Das kann sich in Corona-Zeiten niemand erlauben. Auch nicht der AKW-Betreiber EnBW. „Das können wir nicht verantworten“, erklärt der Geschäftsführer der Kernkraftsparte, Jörg Michels. „Energiewende und Gesundheitsschutz gehen vor Event“, findet er.

Sprengung Türme Foto: None

Menschenansammlungen sind wegen Corona verboten

Die Verschiebung des „Events“ hätte eine Verzögerung für den Konverter-Bau auf dem Gelände gebracht. Dieser sei aber für die Energiewende nötig, er sorge dafür, dass künftig Windstrom aus dem Norden ins Netz im Süden eingespeist werden kann.

„Wir riegeln die komplette Rheinschanzinsel bereits ab dem 13. Mai, 12 Uhr, ab“, erklärt Polizeirevierleiter Axel Schweitzer. Die Polizei richtet Kontrollstellen ein und muss auch außerhalb der Sperrzone die Corona-Verordnung im Blick haben, Menschenansammlungen gilt es zu verhindern.

Einsatzleiter Schweitzer rechnet schon mit einigen Beobachtern. So lange die sich an den Corona-Abstand halten, müssen seine Beamten nicht eingreifen. Diese werden auch den Rhein kontrollieren und verhindern, dass sich auf den Altrheinarmen Boote befinden. Auch das ist untersagt. Die Rheinschifffahrt wird in der Zeit kurzfristig gestoppt. Anlegen tabu.

Schon Tage zuvor sind Schaulustige unterwegs

Schon in den Tagen zuvor tummelten sich immer wieder Schaulustige in und um Philippsburg, die einen letzten Blick auf die Türme werfen wollten. Werden die Sperrungen nach der Sprengung sofort aufgehoben? Schweitzer macht das davon abhängig, ob es Schaulustige gibt, die nach dem Knall Richtung Rheinschanzinsel pilgern.

Der Verkehr werde mit Schildern umgeleitet, die Strecke zwischen Rheinsheim und Philippsburg, die K3538, ist komplett dicht.

Fotografen müssen Abstand halten

Beliebte Aussichtspunkte, wie die Kalmit in der Pfalz oder der Michaelsberg in Bruchsal können angefahren werden. Wenn sich dort Fotografen tummeln, ist das legal, solange sie sich an die Corona-Verordnung halten. „Wir haben das im Auge“, versichert ein Polizeisprecher. Streifenpolizisten, die Luftaufklärung und die Wasserschutzpolizei sind im Einsatz. Schweitzer koordiniert den Einsatz von der Befehlsstelle in Philippsburg aus. Er kann dabei auch auf Polizisten aus der Pfalz zurückgreifen. Demonstrationen jedenfalls, wie es sie beim endgültigen Aus am Jahresende gab, seien bisher keine bekannt.

Das Interesse, die Sprengung zu beobachten, war im Vorfeld riesig. So habe sich beispielsweise schon ein holländischer Unternehmer ein Schiff gechartert, um vom Rhein aus das Spektakel zu beobachten. Jörg Michels von der EnBW stellt klar: „Wir bitten darum, versuchen Sie nicht irgendwie hier vor Ort zu kommen.“

Anwohner sind weit genug weg

Die Sicherheit für die Anwohner in Philippsburg, Oberhausen-Rheinhausen und im pfälzischen Römerberg-Dudenhofen sei gewährleistet. „Wir müssen niemanden evakuieren. Die Wohngebiete sind weit weg“, erklärt Projektleiter Thomas Müller.

Es werde keine Schäden durch Erschütterung oder herumfliegende Teile geben. Eine Druckwelle entstehe quasi nicht. Die zu erwartende Staubwolke sei binnen Minuten verschwunden. Die Werksfeuerwehr wird versuchen, Teile des Betonstaubs mit Sprühnebel abzubinden. Die Türme, so versichert die EnBW mehrfach, seien niemals mit Radioaktivität in Verbindung gekommen, es handele sich um Beton.

Sprengung noch nie so nah an atomaren Anlagen

Die Philippsburger Feuerwehr ist in das Geschehen nicht eingebunden und stellt nur die übliche Bereitschaft, erklärt deren Kommandant Rudolf Reiß. „Das Sprengverfahren ist sehr sicher und weltweit erprobt“, versichert Müller. Wenngleich er einräumt, dass eine solche Sprengung noch nie in unmittelbarer Nähe einer atomaren Anlage vonstatten ging. Das Atomkraftwerk sei aber erdbebensicher und zudem gegen Abstürze von Flugzeugen geschützt.

Es bleibt nur der Atommüll

Allein Wind und Wetter könnten dem Vorhaben noch einen Strich durch die Rechnung machen. Sekunden vor der Sprengung wird es ein akustisches Signal geben, danach erfolgt die Sprengung beider Türme binnen Sekunden. „Das ist wie eine Art Donnergrollen“, erklärt Michels. Und in wenigen Minuten ist alles vorbei. Die Atomstromära geht dann auch sichtbar zu Ende. Was bleibt, ist der Atommüll.

Fotoaufruf: Schickt uns für eine Leser-Bildergalerie eure schönsten Aufnahmen der Kühltürme per Mail an online@bnn.de . Gerne mit eurer Geschichte, wann das Bild entstanden ist und welche Erinnerungen ihr mit den Kühltürmen verbindet.

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