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Erinnerung an Pogrom

Stadt gedenkt vor ehemaliger Synagoge Bruchsaler Juden

Der 9. November ist ein geschichtsträchtiger Tag: Vor der ehemaligen Synagoge erinnerte die Bruchsaler Friedensinitiative an das Schicksal der Bruchsaler Juden.

Gedanken am Platz der ehemaligen Synagoge: Bürger und Bürgerinnen kamen am 9. November zusammen um den jüdischen Opfern der Reichspogromnacht zu gedenken. Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick sprach einige Worte dazu. Foto: Arved Oestringer

Die Bruchsaler Friedensinitiative hat am 9. November eine Gedenkveranstaltung organisiert, bei der an die während der Reichspogromnacht ermordeten Juden erinnert wurde. Brigitte und Gerhard Brändle berichteten über die Lebensschicksale der einzelnen Bruchsaler Juden.

Außerdem sprachen am Platz der ehemaligen Synagoge in der Friedrichstraße Hans-Jürgen Rettig von der Friedensinitiative und Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick (parteilos) über die damalige Situation in Bruchsal.

Der 9. November ist für die Deutschen ein geschichtsträchtiger Tag. Ereignisse wie der Mauerfall 1989 oder die Ausrufung der ersten Republik 1918 werden mit diesem Datum verbunden. Am selben Tag im Jahr 1938 fand auch die Reichspogromnacht statt: Deutschlandweit gab es Anschläge auf Synagogen und jüdische Geschäfte durch die Nazis, vielerorts kam es zu Bränden jüdischer Gotteshäuser. Auch Bruchsal war davon betroffen.

80 Bruchsaler Juden wurden ins Konzentrationslager Gurs deportiert

An die Zerstörungen während der Reichspogromnacht wird vielerorts noch heute erinnert, meist durch Erinnerungstafeln. Damals verloren Juden nicht nur ihre Glaubensstätten, sondern auch massenhaft ihre Existenzen.

Rettig wies in seinem Redebeitrag auch auf das Schicksal der Bruchsaler Juden in den darauffolgenden Jahren hin. 1940 wurden 80 Juden aus Bruchsal in das Konzentrationslager in Gurs gebracht.

„Sie mussten sich im Bürgerhaus versammeln. Von dort wurden sie zum Bahnhof getrieben und nach Gurs deportiert“, sagt Rettig. Viele Menschen, die in ein Konzentrationslager kamen, verhungerten dort, wurden ermordet oder starben an Schwäche. Die einzelnen Biografien der Bruchsaler Juden lassen sich jedoch nicht mehr vollständig rekonstruieren. 30 Bruchsaler Juden seien auch in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert und ermordet worden, so Rettig.

Brigitte und Gerhard Brändle stellten während der Veranstaltung die einzelnen Schicksale der deportierten Bruchsaler Juden vor. Die beiden haben nach eigenen Angaben auch die Lebenswege aller 563 verschleppten Kinder aus Baden nach Gurs erforscht. Sie zeigten auch Fotos der beschriebenen Menschen.

Bruchsals Oberbürgermeisterin würdigt Bedeutung von Zeitzeugen

Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick, die zwei Wochen zuvor nach Gurs gereist war, mahnte, dass niemals aufgehört werden solle, an die Ereignisse von damals zu erinnern. Die Friedhöfe rund um Gurs seien bis heute ein „sichtbares Mahnmal nationalsozialistischer Verbrechen“, sagt Petzold-Schick.

Auch auf die Bedeutung der Zeitzeugen wies die Oberbürgermeisterin hin. Da viele unter ihnen mittlerweile in hohem Alter oder bereits verstorben sind, brauche es Gedenk- und Erinnerungsorte. Petzold-Schick sagte in Bezug auf Bruchsal: „Wir wollen am Ort der früheren Synagoge mit dem „Denkort Fundamente“ dem historischen Gedächtnis einen konkreten Raum geben.“

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