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Realistisches Einsatzszenario

Wenn KSC-Fans auf Stuttgarter treffen: Wie die Bruchsaler Bereitschaftspolizei den Ernstfall probt

Mit rund 700 Frauen und Männern ist die Bruchsaler Bereitschaftspolizei einer der großen Arbeitgeber in Bruchsal. Sie ist meist dort im Einsatz, wo es hochhergeht. Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen der „Bepo“ und zeigen, wie die Beamtinnen und Beamte ausgebildet werden.

Präsent im Blumenhof: Einsatzkräfte der Bereitschaftspolizei Foto: None

Mit rund 700 Frauen und Männern ist die Bruchsaler Bereitschaftspolizei einer der großen Arbeitgeber in Bruchsal. Sie ist meist dort im Einsatz, wo es hoch hergeht. Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen der „Bepo“ und zeigen, wie die Beamtinnen und Beamte ausgebildet werden.

Seminarleiter Andreas Thomer runzelt kritisch die Stirn, zückt seinen kleinen Notizblock und notierte etwas. Man ahnt: Das hätte nicht passieren sollen.

Einige gewaltbereite KSC-Fans sind den gegnerischen VfB-Fans in den Rücken gefallen. Die Polizisten am Rande wurden überrumpelt. Alles geht glimpflich aus, was daran liegt, dass es sich um eine Übung handelt.

Wir befinden uns auf dem Gelände der Bruchsaler Bereitschaftspolizei in den Dittmannswiesen. Bevor sich die meist jungen Beamten zwischen verfeindete Fußballfans stellen, durchlaufen sie eine umfangreiche Aus- und Fortbildung.

Bei der Manöverkritik nach der Übung wird dieser Fehler zur Sprache kommen. „Unsere Kräfte dürfen sich nicht verstolpern.“

Die Bereitschaftspolizei im Einsatz am Bruchsaler Bahnhof. Foto: N/A

So einfach es der Leiter der Führungsgruppe, Peter Kremer, schildert, so komplex ist die Aufgabe. Das Laufen in Formation, in Gruppen und Zügen, in geschlossenen Einheiten will gelernt sein. Die Beamten müssen hier auch mal in Hundertschaften auftreten – da wäre das Chaos programmiert, wenn es nicht vorher trainiert wird.

Weder sollte man sich verstolpern noch verparken. Mit hundert Männern und Frauen geschlossen zu einem Einsatz zu fahren und so zu parken, dass man auch wieder wegkommt – auch das ist eine Frage der Übung.

„Wir fangen in kleinen Gruppen an“, erklärt Holger Schmitt, der für die Aus- und Fortbildung der Beamten in Bruchsal zuständig ist. Jeder Mann und jede Frau hat innerhalb der Gruppe ihren festen Platz.

Wenn der Befehl kommt: „Polizeikette bilden“ weiß jeder einzelne, wohin, jede Gruppe ist nummeriert, jeder Zug ebenfalls. Bis die geschlossene Reihe steht, etwa um Demonstranten daran zu hindern, auf ein Gelände vorzudringen, vergehen im Idealfall nur Sekunden. Stunden vergehen hingegen, bis das Ganze sitzt, berichtet Schmitt.

Trainings nicht nur für Anwärter

Sein Team unterrichtet nicht nur die jungen Polizeianwärter, die alle während ihrer zweieinhalbjährigen Ausbildung für drei Wochen zur Bereitschaftspolizei kommen, sondern auch die fertigen Beamten, die nach ihrer Ausbildung bei der Bepo anfangen. Ebenso die Polizisten, die sich weiter qualifizieren möchten, Gruppen- oder Zugführer werden wollen.

Völlig erschöpft: Polizisten am Rande des G-20-Gipfels in Hamburg. Unter den Einsatzkräften waren auch 439 Polizisten der Bereitschaftspolizei aus Bruchsal dabei, die mit zwei Wasserwerfern und einem gepanzerten Fahrzeug anrückten. Foto: N/A

Steffen Lang ist so einer: Er und seine Kameraden mussten gerade die VfB-Fans zum Bahnhof bringen und dabei verhindern, dass sie von verfeindeten Gruppen mit Steinen – in diesem Übungsfall sind es Tennisbälle – beworfen werden. Die Lage ist unübersichtlich, immer wieder brechen einzelne Fans aus, schlagen sich durchs Gebüsch.

Andere pöbeln die Polizisten an, wollen Gittersperren überwinden. „Man muss mit dem Kopf immer dabei, immer hellwach sein“, erklärt Lang. „Und man muss viel kommunizieren. Ich bin kein reiner Befehlsempfänger.“

Als Gruppenführer muss Steffen Lang in hitzigen Situationen die Ruhe bewahren, besonnen handeln. „Vorne dran kann man keinen aufgeregten „Zipfel“ gebrauchen“, bringt es Peter Kremer in seiner nonchalanten Art passend auf den Punkt. Auch das will trainiert und verinnerlicht sein. „Viele Einsätze und ergänzende Übungen vergrößern das Handlungsrepertoire jedes einzelnen“, weiß Lang. „Bei jedem Einsatz lernt man dazu.“

Das bestätigt Volker Weinstock, der neue Leiter der Bereitschaftspolizeidirektion Bruchsal. Maximal 48 Monate bleiben seine Leute bei der Bepo, jedes Jahr absolviert jeder mindestens 40 Stunden Training. Darüber hinaus gibt es weitere Lehrgänge für Führungskräfte und Spezialisten, die etwa Drohnen steuern, Beweise sichern, Feuer löschen.

Wir helfen uns gegenseitig und lassen keinen alleine.
Holger Schmitt, Bereitschaftspolizei

Holger Schmitts Team der Ausbilder umfasst 24 Leute. Ihnen geht es nicht nur um die technische und taktische Aufstellung. Oder darum, wie man eine kiloschwere Körperschutzausstattung anlegt, und wie man einen Wald so systematisch durchkämmt, dass man einen Vermissten darin findet. Es geht auch um den Team-Gedanken, um ein „Wir-Gefühl“. „Wir helfen uns gegenseitig und lassen keinen alleine“, betont Schmitt.

Wertevermittlung spielt "eine ganz große Rolle"

Dass daraus ein problematischer Korpsgeist erwachsen kann, ist den Verantwortlichen bewusst. So wie zuletzt bei den sieben angehenden Polizeibeamten aus Lahr, die in Chatgruppen antisemitische, nationalsozialistische und frauenfeindliche Inhalte geteilt haben .

„Wertevermittlung spielt hier eine ganz große Rolle“, schaltet sich Bepo-Chef Weinstock ein. „Wir schauen da sehr genau hin“, betont er. Berufsethik sei ein fester Bestandteil jeder Ausbildungseinheit. „Wir kommunizieren sehr klar, was wir von jedem erwarten.“ Bei den aktuellen Verfehlungen gebe es „nur eine Meinung“, versichert Weinstock. Dass solche Vorfälle den Vorgesetzten gemeldet werden müssen, auch das sei Teil der Ausbildung.

Im Einsatz gilt Befehl und Gehorsam

Zurück zu den verfeindeten KSC- und VfB-Fans, die von Polizeischülern gespielt werden. Seminarleiter Thomer wacht mit Argusaugen über die Scharmützel und die Reaktion seiner Beamten. Im Einsatz gilt Befehl und Gehorsam.

Dennoch ist jeder Beamte an seiner Position gefragt. „Ich muss mich immer fragen, was könnte das Gegenüber planen?“, erklärt Gruppenführer Lang die Herausforderung eines solchen Einsatzes. Schmitt jedenfalls zeigt sich zufrieden. „Wir haben keinerlei Motivationsprobleme bei unseren jungen Kollegen“, freut er sich.

Die Arbeit im Team, das Vertrauen in die Gruppe, die körperliche Herausforderung, das ist der Reiz an der Sache. „Wir sind hier zwar nicht bei den Navy Seals“, erklärt Kremer. Bei den Seals handelt es sich um eine als besonders hart geltende Spezialeinheit der US-Marine. Die Bepo-Ausbildungen sei aber durchaus fordernd und anstrengend.

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