Skip to main content

Mit Umschichtungen und Verlegungen Engpässe beheben

RKH-Kliniken stoßen an ihre Grenzen: 20 Prozent der Mitarbeiter fallen aus

Die Intensivstationen sind zum Jahresende fast voll. Auch Anfang Januar ist noch keine Entspannung zu erwarten. Die RKH-Kliniken setzen auf Umschichtungen und Verlegungen, denn auch das Klinik-Personal fällt immer wieder aus.

Pflegekräfte am Limit: Die Betreuung von Covid-19-Patienten auf der Intensivstation ist aufwendig und intensiv. Die RKH-Kliniken in Bruchsal, Bretten und Mühlacker stoßen angesichts steigender Fallzahlen an ihre Kapazitätsgrenze. Foto: Jens Büttner / dpa

Die Lage in den RKH-Kliniken ist angespannt. Angesichts steigender Zahlen von Covid-19-Patienten seit Anfang Dezember rechnet die Klinikleitung bis Ende Dezember oder Anfang Januar damit, an die Kapazitätsgrenze zu kommen. Schon jetzt sind kaum mehr Intensivbetten frei.

Bei einer Video-Pressekonferenz am Dienstagnachmittag informierten die RKH-Kliniken, zu deren Verbund auch die Fürst-Stirum-Klinik Bruchsal, die Rechbergklinik Bretten und das Krankenhaus Mühlacker gehören, über die Situation.

Durch die Schaffung neuer Kapazitäten, etwa indem Ärzte und Pfleger aus dem OP-Bereich im Intensivbereich eingesetzt werden, wollen die RKH-Kliniken die Engpässe beheben. Auch Verlegungen innerhalb der Kliniken im Land könnte es verstärkt geben.

Die Intensivstationen sind fast voll

„Jetzt fliegt uns das Ganze um die Ohren“, beschreibt der Anästhesie-Professor Martin Schuster aus Bruchsal drastisch die Situation zum Jahresende. Während die Leute im Frühjahr noch brav zu Hause blieben und Abstand hielten, seien sie jetzt ziemlich sorglos, so sein Eindruck.

Das hat Folgen. In Mühlacker war die Intensivstation am Dienstag voll. In den sechs Betten lagen drei Covid-19-Patienten. In Bretten waren zwei der neun Patienten auf der Intensivstation infiziert. Gleichzeitig war nur noch ein Bett auf der Intensivstation frei. 24 Betten umfasste am Dienstag die Intensivstation in Bruchsal, davon waren 19 belegt.

Sieben Patienten kämpften mit den Folgen des Coronavirus, wurden beatmet. Auch die Normalstationen für Covid-19 Patienten waren fast voll.

Die Mitarbeiter-Ausfälle sind ein Riesenproblem.
Jörg Martin / RKH-Geschäftsführer

Die Zahlen der zur Verfügung stehenden Betten auf den Intensivstationen wechseln, je nachdem, wie viel Ärzte und Pflegekräfte zur Verfügung stehen. Denn auch das medizinische Fachpersonal steckt sich mit dem Virus an, etwa im Familien- oder Freundeskreis, oder muss als Kontaktperson in Quarantäne.

Die Personalausfälle bei den RKH-Kliniken liegen im Schnitt bei 20 Prozent, so Götz Geldner von der Anästhesiologie Ludwigsburg. Sie werden mit internen Versetzungen aufgefangen. „Die Mitarbeiter-Ausfälle sind ein Riesenproblem“, räumt RKH-Geschäftsführer Jörg Martin ein.

Frust nach einem dreiviertel Jahr im Dauerlauf

Die Klinik versucht gegenzusteuern: FFP2-Masken und zweimal wöchentliche Schnelltests für alle, die „nah am Patienten“ arbeiten, seien mittlerweile Standard. Auch bei Patienten versuche man mit Tests bei der Aufnahme oder bei Symptomen rechtzeitig Infektionen zu erkennen und zu isolieren.

Trotzdem macht sich bei den Mitarbeitern nach einem dreiviertel Jahr im Dauerlauf Frust breit. Körperlich geht es an die Grenzen. Verständnis für Querdenker-Demonstrationen gibt es in den Kliniken nicht.

Neben den Covid-Patienten, die etwa 30 Prozent der Intensivbereiche ausmachen, gibt es nämlich noch Herzinfarkt- oder Krebspatienten, deren Behandlung nicht verschoben werden kann. „Das stresst“, so Martin Schuster: „Bisher gelingt es uns noch, allen gerecht zu werden.“ Kein Patient werde schneller als unbedingt nötig aus dem Intensiv- in den Normalbereich verlegt. Kapazitäten würden geschaffen, indem Patienten in andere Häuser verlegt werden oder Personal flexibel umgesetzt wird.

Hoffnung auf das Frühjahr

Inwieweit die besonders ansteckende Variante des Coronavirus, die zuerst in Südengland festgestellt wurde, bereits in der Region zirkuliert, ist noch offen: „Angesichts des ausgeprägten Infektionsgeschehens wäre das möglich“, so die Mikrobiologin Sabine Gfrörer.

Gegenwärtig werde mit den Testherstellern geklärt, ob auch auf die neue Virus-Variante getestet werden kann. „Wir hätten über Weihnachten die Beschränkungen nicht aufgehoben“, sagt Geschäftsführer Martin. Er erwartet Ende Januar deshalb wieder einen deutlichen Anstieg der Infiziertenzahlen. Und Entspannung erst wieder im Frühjahr und Sommer mit den Impfungen.

nach oben Zurück zum Seitenanfang