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Genügend Erntehelfer da

Die Erdbeerbauern in Bruchsal und der Region starten in die Saison

Auf den Feldern in Bruchsal, Forst oder Langenbrücken hat die Erdbeerernte begonnen. Die ersten Früchte stammen aus dem Anbau unter hellen Hochtunneln. Bei den Sorten müssen die Anbauer das richtige Gespür für Markt und Verbraucher entwickeln.

Süße Früchtchen: Im Hochtunnel wachsen die frühen Erdbeeren vor Kälte und Frost geschützt auf. Bei viel Sonne wird das Dach geöffnet und abends wieder geschlossen. Laut Otmar Böser vom Erdbeerhof Böser sind auch die Erntehelfer schon gekommen. Foto: Martin Heintzen

Noch gibt’s nur wenige Erdbeeren aus der Region Bruchsal zu ernten. Doch Otmar Böser schaut zuversichtlich auf den etwas späteren Beginn der Saison mit den beliebten roten Früchten. Das hat mehrere Gründe. „Die Erdbeeren haben sich im Hochtunnel gut entwickelt, sind geschützt und gesund.

Das Wetter passte in den vergangenen Tagen und die Erntehelfer sind in diesem Jahr frühzeitig gekommen“, sagt der Inhaber des Spargel- und Erdbeerhofs Böser zwischen Bruchsal und Forst. Die polnischen, rumänischen und kroatischen Mitarbeiter verbringen zunächst eine Zeit der Quarantäne in den Unterkünften, um auf der sicheren Seite zu sein.

Auf zwei Hektar Fläche mit Schutz im hellen Tunnel entwickelt sich bei Böser die Sorte Clery, bis die Freilandernte im Mai anläuft. Clery wird im Hofladen verkauft und wäre auch im Spargelrestaurant ein wichtiges Früchtchen.

Die Sorte Lambada tanzt nicht mehr so oft in den Schälchen

„Immerhin 19,4 Prozent der deutschen Erdbeeren wurden im Vorjahr direkt beim Erzeuger gekauft“, weiß Simon Schumacher. Er ist der Vorstandssprecher beim Verband süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer und hat sein Büro in Bruchsal.

Einen Marktanteil von 56 Prozent hatten die heimischen Früchte 2020. Kleiner und süßer – das sind die Vorzüge der deutschen Erdbeeren gegenüber den dickeren Konkurrenten aus Mittelmeerländern.

Eine Erdbeerpflanze bildet sieben Wochen nach der Blüte die roten Beeren aus. Drei bis vier Woche trägt die Pflanze dann Früchte. Foto: Christoph Goeckel / VSSE

Doch weiche süße Beeren sind empfindlicher, also setzen manche Discounter auf die langen und glänzenden Sorten. Deshalb tanzt die Erdbeere namens Lambada nicht mehr so häufig in den Schälchen. „Die Lambada gibt’s zwar noch und ist geschmacklich überlegen, aber auch total empfindlich. Sie muss schnell gepflückt und verkauft werden“, erklärt Markus Leicht.

Er baut unter anderem in Langenbrücken Erdbeeren auf früheren Spargelflächen an, seit er den einstigen Betrieb und Laden von Hunger übernommen hat. In Weiher und Graben-Neudorf betreibt Leicht weitere Hofläden.

Agraringenieur Leicht mit seinem Betrieb in Eggenstein vertreibt europaweit auch Beerenpflanzen aller Art und kann von sich sagen, auf seinen Hardt-Böden die weit verbreitete Erdbeersorte Clery vor 20 Jahren von Italien nach Deutschland geholt zu haben.

Im Hochtunnel wachsen die frühen Erdbeeren vor Kälte und Frost geschützt auf. Bei viel Sonne wird das Dach geöffnet und abends wieder geschlossen. Foto: Christoph Goeckel / VSSE

Weil die Clery nach Leichts Einschätzung an Marktanteilen verlieren dürfte, ist er auf der Suche nach neuen Früchtchen mit dem handelsfähigen Gewicht und Geschmack. Sie könnten Aprica oder Sybilla heißen oder auch andere Namen tragen. Den Großhandel wie namhafte Discounter beliefert Leicht mit seinen Erdbeeren, aber auch zahlreichen anderen saisonalen Produkten.

Während der Pandemie 2020 kamen viele Selbstpflücker

Im Vorjahr kostete ein Kilo Beeren, egal wo gekauft, durchschnittlich 6,23 Euro, hat die Agrar-Informations-Gesellschaft erhoben. Zu Beginn der Saison sind die knappen Früchte von deutschen Produzenten teurer, in der Hauptsaison natürlich günstiger.

Mit vier bis fünf Euro fürs Schälchen müsse im Moment gerechnet werden, sagt Simon Schumacher vom Verband der süddeutschen Anbauer.

Dort sind 650 von 1.950 deutschen Erdbeer-und Spargelerzeugern vertreten. Wer von ihnen die an Vitamin C reichen Früchte zum Selbstpflücken anbot, lockte im erste Lockdown viele Kunden an. „Damit wurde in der Pandemie ein anderer Trend gestoppt. Zuvor kamen immer weniger Menschen, um sich selbst zu bücken. Meist waren sie dann an Erdbeeren für ihre eigene Marmelade interessiert“, berichtet Schumacher.

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