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Kleine Gruppe Gegendemonstranten

Scharfe Töne gegen Corona-Maßnahmen bei Kundgebung in Bruchsal

Die Kundgebung von „Aufbruch Bruchsal“ am Samstag vor dem Rathaus bietet einer Landtagskandidatin eine große Bühne. Der Gemeinderat Bruchsal hatte sich bereits am Freitag gegen Pauschalisierungen und Panikmache gewandt.

Wahlkampf mit Musik: Die Landtagskandidatin von Wir2020 wirkt mit Gesang und Rede an der Kundgebung von „Aufbruch Bruchsal“ mit. Foto: Edith Kopf

Die Existenz von Corona ist nicht das Thema. Es kommt darauf an, was man daraus macht. Gemäß dieser Einschätzung wettern Frank Kampa und drei Mitstreiter bei einer Kundgebung von „Aufbruch Bruchsal“ am Samstag gegen Pandemie-Vorschriften und warnen vor Folgen.

„Der Schutz der Bürger dient nur als Vorwand“, gibt der Initiator die Richtung vor. Doris Rothermel, Dela Schmidt und Willi Funk stoßen ins gleiche Horn bei ihren Reden. Rund 160 Leute zeigen sich begeistert und applaudieren, als Kampa dazu aufruft, ihre „Vertreter“ in der Politik zum Teufel zu schicken „oder zum Arbeiten, wenn sie es können“.

Wer es nicht weiß, kann es auf einem alten Plakat lesen. Die Kundgebung beim Rathaus ist nach dem 5. Dezember der zweite Aufschlag der Bruchsaler Bewegung gegen „die machtgeilen Menschen, die uns unserer Seelen berauben“, wie Rothermel ausführt und dann deutlich macht: „Politiker sind unsere Angestellten und nicht wir ihre Untertanen“.

Musik und Wort bei Kundgebung in Bruchsal

Für die 50-jährige Frau in weißen Winterstiefelchen, passender Steppjacke und rotem Rucksack bietet der sonnige, aber kalte Nachmittag in der ansonsten ruhigen Innenstadt eine große Bühne. Die Landtagskandidatin der Partei Wir2020 setzt auf Gefühliges in Musik und Wort.

„Deutschland zeigt dein Gesicht“ singt sie zur Eröffnung. Weitere Lieder folgen. Applaus aber brandet auf, als sie „die sofortige Beendigung des Lockdowns“ fordert, von einem „Polizeistaat mit Ausgangssperren“ in dem „Statistiken bewusst falsch veröffentlicht werden und Steuergeld verprasst“ spricht.

Kleine Gegendemonstration im Blick: Die Teilnehmer der Bruchsaler Kundgebung gegen die Corona-Politik sehen im Hintergrund Plakate und Fahnen von Bruchsalern mit anderen Ansichten. Foto: Edith Kopf

„Corona ist ein Vorwand, die Maßnahmen sind grob unverhältnismäßig“, lässt Stadträtin Dela Schmidt von „Aufbruch Bruchsal“ wissen. Wissenschaftliche Grundlagen für Lockdown-Verlängerungen gebe es nicht. Es gehe darum, Kommunikation zu stören. „Wir sollen in die Vereinzelung und Verzweiflung gedrängt werden.“

Als Erfüllungsgehilfen macht Schmidt Medien ganz allgemein und insbesondere auch lokal aus. Deren Motto sei, „Sie waschen sich die Hände, wir waschen Ihr Gehirn“. Die Aktivistin fordert weiter „Wählen gehen“, aber nicht per Briefwahl – die sei „fehleranfällig“ – und den „Altparteien keine Stimme“.

Jesus als Querdenker

Satirisch im Ton stellt Ex-CDUler Willi Funk die Pandemie-Politik in eine Reihe mit Chemiekonzernen und Multimilliardären wie Elon Musk. Auch die Kirchen lässt er nicht außen vor. Funk empfiehlt Jesus und „dessen Nähe zu den damaligen Querdenkern“ als Vorbild, um „Fußtritten auf die basalen Grundrechte“ zu begegnen. „Wir sind die Arbeitgeber von Herrn Söder und Frau Merkel“, betont auch er und fordert „wenn sie nicht spuren, müssen sie gefeuert werden“.

Funks Abgesang schlägt den Bogen zu Kampas Eingangsappell „tun sie was“, spätestens nach der Bundestagswahl werde die Rechnung aufgemacht, glaubt er, „scheibchenweise wie bei Corona“. Es ist nicht das letzte Wort bei der Kundgebung. Etliche Teilnehmer sprechen in ein „offenes Bürgermikrofon“, um diese Sicht der Dinge zu vertiefen.

Bruchsaler Gemeinderat reagiert auf Kundgebung

„Pauschalisierungen und Panikmache, autoritäres und antidemokratisches Gebaren und Populismus helfen nicht weiter“ hat sich der Bruchsaler Gemeinderat bereits am Freitag gegen die Kundgebung gestellt. Man verstehe Verunsicherungen und Frust wegen den Corona-Maßnahmen, schreiben CDU, Grüne/Neue Köpfe, SPD, FDP/Bürgerliste und Freie Wähler. Benötigt würden aber Kompromisse und Lösungen, die allen gerecht werden.

Zwei, die sich wehren: Jonas und Felix Gärtner (von links) zeigen mit ihren Plakaten, dass man den Umgang mit der Corona-Pandemie auch anders beurteilen kann als die Teilnehmer der Bruchsaler Kundgebung. Foto: Edith Kopf

Am Samstag bleiben die Kundgebungsteilnehmer auch nicht ganz unter sich. Eine kleine Gruppe Gegendemonstranten steht beim Ratskeller. Sie ist zwar nicht angemeldet, das Ordnungsamt lässt sie aber nach den gleichen Regeln auftreten, die für „Aufbruch Bruchsal“ gelten. Rund 30 Polizisten begleiten das Geschehen. Sie ziehen sich zurück, als das Interesse nach gut zwei Stunden bröckelt. Außer dem zu laut eingestellten Mikrofon und demonstrativen Maskenverweigerern hat es für sie nichts zu regeln gegeben.

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