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Zwiespältige Erfahrungen

Bruchsaler Schüler büffeln in den Ferien: Lernbrücken sind besser als gar keine Förderung

Zwei Wochen Büffeln in den Schulferien? Mit Lernbrücken sollen schwächere Schülern nach dem Corona-Jahr Lücken auffüllen. Die Erfahrungen rund um Bruchsal sind zwiespältig. Und mancher Lehrer fühlt sich ausgebrannt.

Lernen in kleinen Gruppen: Auch zum Ende der diesjährigen Schulferien werden in einigen Schulen für schwächere Schüler Lernbrücken angeboten. So soll Versäumtes aufgeholt werden. Foto: Christoph Schmidt picture alliance/dpa

Anna-Lea ist nicht begeistert: Zwei Wochen zusätzlich Mathe büffeln? In den Sommerferien? Wenig verlockend erscheint der 14-jährigen Schülerin zunächst die Aussicht auf zusätzlichen Unterricht. Das Kultusministerium in Stuttgart setzt auch in diesem Jahr mit den zweiwöchigen „Lernbrücken“ den Kampf gegen Lernlücken fort.

Durchaus mit Erfolg, wie Direktor Georg Leber vom Schönborn-Gymnasium Bruchsal festgestellt hat. Dort konnten vor einem Jahr ein Dutzend Schülerinnen und Schüler die Lücken im Fach Latein auffüllen, die durch Homeschooling entstanden sind.

„Es hat schon was gebracht“, ist sich Leber sicher. Die Schüler konnten mit einem guten Gefühl ins neue Schuljahr starten. Auch dieses Jahr in den letzten beiden Ferienwochen werden wieder 20 Schüler Zusatzunterricht bekommen: Latein, Englisch, Französisch steht bei den Lernbrücken auf dem Programm. Halten werden den Unterricht zwei ehemalige Lehrer und eine Studierende.

Ohne Nachhilfe ist es schwieriger, den Stoff aufzuholen.
Stefan Söhne, Mathematiklehrer Joß-Fritz-Realschule

„Ohne Nachhilfe ist es schwierig, den Stoff aufzuholen“, erzählt Mathematiklehrer Stefan Söhne an der Joß-Fritz-Realschule in Bruchsal-Untergrombach. 65 Schüler haben sich dort in den Fächern Mathe, Deutsch und Englisch zum Büffeln in den Ferien angemeldet. Vor allem Schüler aus der siebten und neunten Klassen. „In zwei Wochen kann man natürlich nicht die Lücken von einem Jahr aufholen“, schränkt Mathelehrer Söhne ein. Aber es sei besser als nichts.

Söhne organisiert an der Joß-Fritz-Realschule die Lernbrücken. Dabei greift er auf Erfahrungen vom vergangenen Jahr an einer Realschule in Hockenheim zurück, wo er vorher war. Vor allem die sozialen Aspekte solle man nicht unterschätzen. Nach vier Wochen Ferien gewöhnen sich die Schüler rechtzeitig wieder an die regelmäßige Struktur. Für viele Schüler sei die Teilnahme eine bewusste und freiwillige Entscheidung: In entspannter Atmosphäre können sie einiges aufarbeiten. Die Lehrer können auf individuelle Versäumnisse eingehen.

Lernen in kleinen Gruppen

„Bei maximal 16 Schülern kommt der einzelne eher zu Wort, traut sich eher was zu sagen“. Ben Olberts Einschätzung der Lernbrücken ist grundsätzlich positiv. Nach Einschätzung des stellvertretenden Schulleiters am Leibniz-Gymnasium Östringen können die Lücken so aber nicht wirklich geschlossen werden. In diesem Jahr haben sich aber trotzdem 60 Schüler für die Lernbrücke angemeldet.

In den Fächern Mathe, Deutsch und den Fremdsprachen Englisch, Französisch, Latein und Italienisch kann die Schule mit Lehrern aus dem Kollegium das Zusatzangebot machen. Die fehlende Konversation im Online-Unterricht mache sich in diesem Jahr vor allem in den Fremdsprachen bemerkbar. Droht mit steigenden Corona-Fallzahlen im Herbst neuer Online-Unterricht, dürfte der Nachhilfe-Effekt aber wieder verpuffen.

Lehrer nach Online-, Wechsel- und Präsenzunterricht ausgebrannt

Auf Präsenzunterricht vom ersten Schultag hofft deshalb nicht nur Andrea Mutter, Direktorin des Justus-Knecht-Gymnasiums Bruchsal. Das zweite Corona-Jahr sei intensiver in der Beanspruchung gewesen. Aus den Reihen des Kollegiums ist es trotzdem gelungen, Kräfte für die Lernbrücken zu organisieren. Knapp 50 Schüler erhalten jeweils eine Woche lang Förderunterricht in Deutsch oder Latein. In Bruchsal bietet laut Auskunft aus dem städtischen Schulamt nur noch die Konrad-Adenauer-Schule für knapp 40 Schüler Lernbrücken an.

Anders sieht es beispielsweise an der Albert-Schweitzer-Realschule Bruchsal aus - und sie ist kein Einzelfall. Dort werden in diesen Sommerferien keine Lernbrücken angeboten: Nach Online-, Wechsel- und Präsenzunterricht seien die Lehrer „ausgebrannt“. Daneben gibt es etwa 20 Schüler, die wegen Vorerkrankungen dauerhaft zu Hause mit Materialien versorgt werden müssen.

„Über Monate dreigleisig zu fahren, ist eine enorme Herausforderung für die Kollegen“, so Barbara Lang vom stellvertretenden Schulleiter-Team. Seit Herbst ist dort auch noch die Schulleiter-Stelle vakant. Sie soll nun Anfang des neuen Schuljahres wieder besetzt werden.

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