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Feuerbestattung und frühe Vorsorge

So hat sich das Verhältnis zu Bestattungen in Kraichtal und Stutensee über die Jahre verändert

Wie gehen Menschen heutzutage mit dem Thema Bestattung um? In Kraichtal und Stutensee kann ein deutschlandweiter Trend bestätigt werden: Es gibt immer mehr Feuerbestattungen. Und auch andere Entwicklungen lassen sich beobachten.

Friedhof mit Sarg- und Urnengräbern Foto: Irmgard Duttenhofer

In Deutschland ist vieles geregelt und genormt. Bestattungen machen da keine Ausnahme. Fest steht schon Jahre im voraus, wie breit und tief die Grablege sein wird, wie viele Särge in einem Familiengrab beigesetzt werden dürfen, was beim Urnengrab, der Urnenstele oder bei der Urnennische in Kolumbarien zu beachten ist. Die Kommunen offerieren Grabplätze mit Ganzabdeckungen bis hin zu anonymen Beisetzungen. Sollen die Verstorbenen auf einer Blumenwiese oder zwischen den Wurzeln eines Baumes ruhen? Wird kremiert oder doch lieber traditionell bestattet?

Vorsorge für Verlust wird immer öfter schon zu Lebzeiten getroffen

„Ist der Tod erst eingetreten, müssen die Hinterbliebenen den Verlust verarbeiten. In dieser Situation sind sie mit solchen schwierigen Entscheidungen oft überfordert“, weiß Daniel Schütz, Inhaber von Nagel Bestattungen in Stutensee. Seit einigen Jahren bemerkt er, dass immer häufiger Vorsorgende die wichtigsten Rahmendaten zu Lebzeiten festlegen, ihre Kinder dann an den Tisch holen und beim Bestatter gemeinsam die Beisetzung regeln.

Das ist eine sehr positive Entwicklung, findet Schütz. Dann wissen die Angehörigen genau, was gewollt und zu tun ist, wenn der Angehörige stirbt. Die Nachkommen zu umgehen und die Beisetzungswünsche lieber im Testament zu verankern, macht wenig Sinn, erinnert der Fachmann. „Denn üblicherweise hat die Beisetzung schon stattgefunden, wenn das Testament eröffnet wird.“

Kremierung und Baumgrab werden häufig kombiniert

Einen Trend bestätigen alle angefragten Friedhofsverwaltungen: Die Zeichen der Zeit stehen eindeutig auf Feuerbestattungen. So auch in Kraichtal. Sonja Kientsch kann bestätigen, dass die Kremierungen seit Jahren kontinuierlich zunehmen. Bei der Urnenbeisetzung entscheiden sich die Hinterbliebenen anschließend gerne für ein Baumgrab.

„Wir bieten in allen Kraichtaler Stadtteilen mehrere Beisetzungsformen an, zum Beispiel Baum-, Rasen- und Wiesengräber. Aber es gibt keine Bestrebungen, einen Friedwald auszuweisen“, teilt die Pressesprecherin mit. „Kremierungen nehmen zu, Sargbestattungen sind deutlich rückläufig“, bestätigt auch Daniel Schütz. Da gibt es keine Unterschiede oder Gefälle zwischen den Sterbefällen in der Stadt oder auf dem Land“, so Schütz.

Unterschiedlich gehandhabt wird allenfalls die Beisetzung der Asche. Während auf dem Land die Familiengräber überwiegen und die Urne den Ahnen zur Seite gestellt wird, gibt es in der Stadt vermehrt Urnenbeisetzungen in eigens dafür vorbereiteten Erdgräbern. Ruheplätze in Kolumbarien sind ebenfalls rückläufig. Denn wie bei den Friedwäldern gilt auch dort, dass der Ruheplatz nicht geschmückt werden darf.

So zumindest ist es in den meisten Friedhofsordnungen festgeschrieben. Die Realität sieht freilich anders aus. Denn innerhalb der Friedhofsmauern sind die Hinterbliebenen gerne mit kleinen Geschenken für die Verstorbenen zur Stelle.

Gärtnern und Gießen als Form der stillen Andacht

Deshalb wird Daniel Schütz nicht müde zu erwähnen, dass der Beisetzungsort mit Bedacht ausgewählt werden sollte. „Die Angehörigen brauchen einen Platz für ihre Trauer. Sie möchten Blumen ablegen, Kerzen aufstellen, Erinnerungsstücke mitbringen, die Verstorbenen an ihrem Geburtstag ehren oder an Weihnachten beschenken.“ Das ist zum Beispiel im Bestattungswald nicht erlaubt, gibt er zu bedenken. Wer sich für diese Bestattungsform entscheidet, handelt oft im Glauben, den Angehörigen nach dem Tod nicht zur Last fallen zu wollen.

Aber vielleicht ist es gerade das, was sich die Hinterbliebenen wünschen? Eine Studie zeigt, so Schütz, dass sich die Angehörigen oft über Gebühr viel Zeit für die Grabpflege nehmen. Für sie ist gärtnern und gießen ein Vorwand für eine stille Andacht, ein stummes Gebet oder Gespräch mit dem verstorbenen Familienmitglied. Dann wird der Grabplatz der Toten zum Erinnerungsplatz für die Lebenden.

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