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Neuer Ansturm nach Wochen der Ruhe

Täglich kommen 100 Menschen zur Bruchsaler Corona-Abstrichstelle

Im Zelt muss es schnell gehen. Nur zwei oder drei Minuten soll ein Corona-Abstrich samt Formalitäten benötigen. Hinter dem Krankenhaus Bruchsal wollen Dieter Hassler und sein Team 20 Personen testen und die Formalitäten abwickeln. Der Andrang ist seit dieser Woche viel größer.

Jeden Tag im Einsatz: Das Team der Corona-Abstrichstelle Bruchsal beim Krankenhaus. Vorne Studentin Marla Herr und Dieter Hassler. Im Containerbüro die Mitarbeiterinnen der Kassenärztlichen Vereinigung. Nur nach Anmeldung ist ein Corona-Test möglich. Empfehlenswert ist der Kontakt über den Hausarzt. Foto: Tanja Schmith

Wer es bis zur Einfahrt ins Zelt geschafft hat, ist schnell fertig. Unterm weißen Dach empfängt Marla Herr. Die Studentin fragt die Autofahrer nach ihrem Namen, prüft die Anmeldung, nimmt die Versichertenkarte entgegen und desinfiziert sie. Dann kommt es in der Bruchsaler Corona-Abstrichstelle zur Abnahme der Probe.

Arzt Dieter Hassler in blauer Schutzkleidung, mit Maske und Visier erledigt schnell die Prozedur am geöffneten Autofenster. Abschließend erhält der Getestete einen Code für eine Internetseite. Über ihn kann er beim Karlsruher Labor das Testergebnis erfahren. Dann fährt der Reiserückkehrer wieder weiter.

Test im Zelt: Arzt Dieter Hassler betreut einen Autofahrer an der Corona-Abstrichstelle in Bruchsal. Täglich werden bis zu 100 Menschen dort getestet, die meisten sind Reiserückkehrer. Aber die Anmeldesysteme sind verstopft. Foto: Tanja Schmith Foto: Tanja Schmith

„Wir wollen mit jedem Vorgang in zwei bis drei Minuten fertig sein. Dann schaffen wir 20 Tests in der Stunde”, nennt der Kraichtaler Mediziner im Unruhestand die Aufgabe des vierköpfigen Teams. Für die Kassenärztliche Vereinigung (KV) erfüllen sie hinter der Fürst-Stirum-Klinik die Vorsorgeaufgabe.

Befund innerhalb von 24 Stunden

Zwei KV-Mitarbeiterinnen sind rund um Zelt und Schreibcontainer täglich von 8.30 Uhr bis 13 dabei an der Robert-Koch-Straße dabei. Schnell läuft die Abwicklung, schnell kommt auch das Testergebnis. Der erste Fahrer ins Labor macht sich um 12 Uhr auf den Weg, der zweite um 16 Uhr.

Innerhalb von 24 Stunden erhalten die Getesteten ihren Befund. Kamen vorige Woche noch an drei Öffnungstagen 100 Menschen, steuern inzwischen bis zu 100 täglich das Zelt an. Und es gibt fünf Öffnungstage.

Hier wird ausgewertet. Foto: Tanja Schmith

Wir wollen mit jedem Vorgang in zwei bis drei Minuten fertig sein.
Dieter Hassler, Arzt

Die meisten mit Testwunsch sind Reiserückkehrer aus dem Osten und Süden Europas. Sie alle sollten vom Hausarzt oder vom Gesundheitsamt angemeldet sein. Und sie müssen das Glück haben, bei einer Hotline durchgekommen zu sein.

„Von 120 vergeblichen Anrufen hat mir ein bekannter Mann aus Bruchsal erzählt”, weiß Hassler um häufige Klagen eines verstopftes Anmeldesystems. „Zum Beispiel kennen die meisten Ärzte noch gar nicht eine eigens für sie eingerichtete Hotline”, kritisiert er.

Für Abstriche in Bruchsal sollten die Ärzte dieses Gebiets auch ihre Patienten anmelden, betont der Pressesprecher des Landratsamts, bei dieser Behörde ist das Gesundheitsamt angesiedelt ist.

Helferin bereitet Abstrich vor. Foto: Tanja Schmith

Die Kassenärztliche Vereinigung habe die Hotline 116 117 eingerichtet, die stark in Anspruch genommen werde. Zusätzlich gebe es eine automatisierte Hotline von Stadt- und Landkreis (0721) 133 33 33 sowie die Nummer (0721) 936 99455 beim Gesundheitsamts für die Prozedur des Abstrichs.

Für die gestiegene Nachfrage von Test in Bruchsal habe das Gesundheitsamt zuletzt mit Terminvereinbarungen ausgeholfen, sagt Landkreis-Sprecher Martin Zawichowski. Und verweist auf den Test als Momentaufnahme, der die zweiwöchige Quarantäne zu Hause nach einer Risikoreise nicht ersetze.

Dieter Hassler, bekannt auch als Zeckenspezialist und sein Kollege Wolfgang Brüwer, stehen seit März an vorderster Testfront. „Es kamen auch schon Leute, die eine Reise antreten wollten, die können wir nicht nehmen”, so Hassler. Wieder andere begründeten ihr Erscheinen mit dem Wunsch des Arbeitsgebers nach einem Test.

Wird Teststation verlegt?

Ohne Überweisung geht der aber nicht. Höchstens wenn der Arbeitgeber ausdrücklich eine Kostenübernahme zusagt. „Das ist aber bisher nur zwei Mal vorgekommen.” Bei großem Andrang stehen schon mal 20 Autos vor der Abstrichstelle. Und nun überlegen die Kassenärzte, die Teststation ins Industriegebiet Mantel zu verlegen. Aufs Gelände des ehemaligen Möbelhauses Otten. Dort wo die neue DRK-Leitstelle eingerichtet wird. Aber noch warten Hassler und sein Team im Zelt hinterm Krankenhaus auf angemeldete Testpersonen.

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