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Demo auf dem Marktplatz

Tamilen protestieren in Bruchsal gegen Abschiebungen

Für viele ist Sri Lanka nur als Urlaubsland bekannt. Doch die politische Lage ist schwierig. Nun häufen sich die Abschiebungen dorthin. In Bruchsal kam es bei einer Festnahme jetzt zu einem dramatischen Vorfall.

Am Dienstag haben einige Demonstranten auf dem Bruchsaler Marktplatz dagegen protestiert, dass in den vergangenen Tagen mehrere Tamilen, die in Deutschland leben, zurück in ihre Heimat abgeschoben werden sollten. Foto: Christina Zäpfel

Kandiah Poobala fühlt sich sicher in Deutschland. Der Tamile aus Sri Lanka lebt seit 1984 hier und hat Familie. Doch der Rentner aus Pirmasens mit der unbefristeten Aufenthaltserlaubnis macht sich Sorgen um seine Bekannten: Deswegen ist er am Dienstag auf die Straße gegangen.

Am Bruchsaler Marktplatz hat er zusammen mit einer Handvoll anderer gegen Abschiebungen nach Sri Lanka demonstriert. „Es gibt dort keine Sicherheit für Tamilen“, klagt er an. Er hat Plakate mitgebracht und Handzettel. Die Menschenrechtssituation in seiner Heimat habe sich nachweislich verschlechtert. Trotzdem würden in jüngster Zeit vermehrt Menschen dorthin abgeschoben.

Eine junge Frau nähert sich der Mini-Demo. „Wo kann ich unterschreiben“, fragt sie. Nein, Unterschriften sammeln Poobala und seine Freunde nicht. Sie wollen aber öffentlich Druck erzeugen auf die Landesregierung. Bei einem Festnahmeversuch in Bruchsal habe sich vor wenigen Tagen ein Tamile aus Verzweiflung ein Messer in den Bauch gestoßen und befinde sich nun in einer psychiatrischen Klinik.

Polizei bestätigt Vorfall in Bruchsal

Die Polizei bestätigt auf BNN-Anfrage den Vorfall vom 31. Mai. Der Mann wollte nicht freiwillig ausreisen, daraufhin gab es einen Sicherungshaftbefehl. Als die Polizei morgens um 7.20 Uhr anrückte, schien der 33-Jährige zunächst kooperativ. In der Küche habe er sich dann aber ein Messer in den Bauch gerammt. Die Verletzungen seien nicht lebensgefährlich gewesen, erklärt ein Polizeisprecher.

Es gibt dort keine Sicherheit für Tamilen.
Kandiah Poobala, Demonstrationsteilnehmer

In ganz Deutschland häuften sich die Abschiebungen nach Sri Lanka in jüngster Zeit. Das kritisiert auch Waradarajah Agilan. Der Tamile lebt in Oberhausen im Ruhrgebiet und engagiert sich für den Volksrat der Eelam Tamilen, der die in Deutschland lebenden Tamilen repräsentiert. „Unsere Leute haben Angst“, erklärt er.

Die Vereinten Nationen hätten erst vor Kurzem vor dem menschenrechtswidrigen Bedingungen im Land gewarnt. Nur wenige Tage später habe Deutschland mehrere Tamilen dorthin abgeschoben. Die Minderheit in Sri Lanka müsste dort Folter befürchten, so die Angst der hier Lebenden. Bis 2009 tobte in dem Land ein Bürgerkrieg, bei dem viele Tamilen starben.

Gut 70 bis 80 Tamilen rund um Bruchsal

Auch der Flüchtlingsrat Baden-Württemberg hatte für die Kundgebungen geworben. Am Montag gab es bereits eine kleine Demo in Karlsruhe. Auch in Pforzheim wollte man gegen die Abschiebungen nach Sri Lanka demonstrieren. Etwa 70 bis 80 Tamilen und ihre Familien leben im Raum Bruchsal, schätzt Poobala.

Wir sind bitter enttäuscht, auch von der grünen Landesregierung.
Helmut Hutter, Demonstrationsteilnehmer

Zunächst bleiben er und ein 54-jähriger Tamile in Bruchsal allein mit ihren Plakaten. Dann kommen weitere Unterstützer. „Wir sind extra aus Neckargemünd angereist“, erklärt eine Frau. Sie und ihr Mann begleiteten in ihrem Heimatort eine tamilische Familie. „Die sind bestens integriert, haben Jobs, die Kinder gehen zur Schule“, sagt sie.

Ihr Schützling habe sogar eine Unverzichtbarkeitserklärung seines Arbeitgebers bekommen. „Trotzdem bekommen sie keine ordentliche Aufenthaltserlaubnis“, berichtet ihr Mann Helmut Hutter. Er appelliert an die Innenminister Baden-Württembergs und Deutschlands. „Wir sind bitter enttäuscht“, so Hutter, „auch von der grünen Landesregierung“.

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