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Familienfreundliches Konzept

So wird das Technik-Museum Speyer umgebaut

Das Technik-Museum Speyer nutzt die coronabedingte Schließung zur Modernisierung. Ziel ist, bis zum 30. Geburtstag des Museums im April 2021 mit dem ersten Abschnitt fertig zu sein.

Attraktion in Speyer: Rund 500.000 Besucher kommen jährlich ins Technik-Museum. Derzeit ist die Einrichtung geschlossen – wegen Corona und Bauarbeiten. Foto: Heinz Forler

Friedbert Kohout hat ein Faible für alte Maschinen. Der Rheinsheimer ist Vorsitzender der Bulldog Buwe Rhose und immer wieder Besucher des Speyerer Technik-Museums, manchmal auch mit Vereinskollegen samt historischer Traktoren. „Fantastisch“ nennt er die Angebotspalette der Ausstellung: „Da ist einfach von allem etwas dabei.“

Wann Kohout den nächsten Trip vom Philippsburger Stadtteil auf die andere Rheinseite machen wird, steht allerdings noch nicht fest; wie viele ähnliche Einrichtungen ist das Museum wegen der Pandemie derzeit geschlossen. Am 15. Februar sollen die Tore wieder geöffnet werden.

Dennoch herrscht auf dem Gelände unweit des Kaiserdoms reges Treiben. Handwerker machen sich in der Liller Halle, deren Grundfläche etwa der eines Fußballplatzes entspricht, zu schaffen.

Neben den Motorrädern und Autos, die mit Folien verhängt sind, stehen Farbeimer, Pinsel, Besen und Schaufeln. Es wird gestrichen, gebohrt, gehämmert und geschraubt.

Ausstellung soll moderner werden

„Eine der größten Sammlungen historischer Feuerwehrfahrzeuge“, von der die Pressereferentin des Museums, Corinna Siegenthaler, spricht, wurde zuvor weggeräumt.

„Die bisherigen weißen Steine in den Ausstellungsfeldern werden gegen einen robusten, roten Boden getauscht. Einige Träger werden in aluminiumsilberner Farbe gestrichen, und für die kleinen Besucher entsteht eine eigene Feuerwache“, kündigt die Museumsleitung an. Die Verantwortlichen wollen zudem die Ausstellung modernisieren und sie mit neuen Konzepten familienfreundlicher machen.

Wir geben Vollgas und sind guter Dinge, dass wir das schaffen.
Corinna Siegenthaler, Pressereferentin

Solch einen „aufwendigen Umbau“ habe es seit der Eröffnung im Frühjahr 1991 nicht gegeben, versichert Museumsleiter Andreas Hemmer. Ziel sei es, bis zum 30. Geburtstag des Museums im April 2021 mit dem ersten Abschnitt fertig zu sein. „Wir geben Vollgas und sind guter Dinge, dass wir das schaffen“, sagt Siegenthaler. Über die Kosten für die Arbeiten machen die Verantwortlichen allerdings keine Angaben.

Die Sammlung von Maschinen und Motoren, von Flugzeugen und Schiffen ist neben Kaiser- und Mariendom, historischem Museum, Sealife oder Judenbad eine der bedeutendsten Attraktionen der pfälzischen Kleinstadt. Sie lockt nicht nur die Mitglieder der Rheinsheimer Bulldog Buwe und ausgewiesene Technikfreaks nach Speyer.

Wie im Schwestermuseum in Sinsheim passieren in der Domstadt jährlich rund 500.000 Interessierte die Eingangsportale. Nicht ohne Stolz erinnern Mitarbeiter der Stadtverwaltung beispielsweise an den Transport des russischen Raumgleiters Buran, ein Pendant zum US-amerikanischen Space Shuttle, im Frühjahr 2008 von Rotterdam aus über den Rhein ans Museum: „Das war ein absolutes Medienereignis.“

Mit Schwertransporten hat man in der Vorderpfalz Erfahrungen. Ein Beispiel ist auch die mittlerweile denkmalgeschützte Liller Halle, die derzeit renoviert wird. Erbaut wurde die sie 1913 im nordfranzösischen Lesquin bei Lille. Als die Leitung der Pfalz-Flugzeugwerke in Speyer 1917 überlegte, auch sogenannte Riesen-Flugzeuge für das Militär zu bauen, hat man sich auf der Suche nach einem passenden Gebäude gemacht.

Da während des Ersten Weltkriegs Material knapp war, wurde die Halle in Lesquin von den deutschen Truppen kurzerhand demontiert, nach Speyer gebracht und wieder aufgebaut. Ihr Gewicht wurde auf 700 Tonnen geschätzt. Das fünfschiffige Gebäude besteht aus einer Eisen- beziehungsweise Stahlkonstruktion, deren Gerippe mit Ziegeln vermauert ist.

Nach Kriegsende war die Liller Halle jedoch nicht lange unter deutscher Verwaltung. 1918 zogen die Franzosen ein und nutzten sie als militärischen Automobilpark. Von 1926 bis 1945 war das Gebäude wieder in Besitz der Deutschen.

Blick ins Archiv: Das Technik-Museum bei seiner Eröffnung. Foto: Quelle: TMSP

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs übernahm die Siegermacht dort erneut das Zepter bis zum Abschied des ersten Regiment de Spahis aus der Stadt. Anschließend stand das Gebäude jahrelang leer und verwahrloste – bis der Museumsverein mit dem Kauf des Geländes den Grundstein für das Technik-Museum legte.

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