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In den Silzenwiesen

Kräuter und Insekten sollen geschont werden: Alpine Mähtechnik in Ubstadt

Wer in diesen Tagen am Hauptdamm des HRB Silzenwiesen in Ubstadt entlang läuft, wird sich vielleicht über die Muster wundern, die an der Böschung in den Gras-Kraut-Bestand hinein gemäht wurden.

Muster in Böschung gemäht: Im Einsatz in Ubstadt war schweres Gerät. Was am Rande der Rheinebene exotisch wirkt, ist im Alpenvorland nicht ungewöhnlich. Foto: Laura Böser

Im Einsatz war ein Ein-Achs-Mäher mit riesigen Metallspikes an den Rädern, womit der schwere Mäher auch an der feuchten, rutschigen Böschung sicher in der Spur gehalten werden konnte. Für Bergbauern im Alpenvorland ist das keine ganz ungewöhnliche Gerätschaft – am Rande der Rheinebene wirkt es exotisch.

Die (noch) gängige Praxis für öffentliche Flächen, die regelmäßig gemäht werden müssen, ist die Mulchmahd: Das geht schnell, ist deshalb kostengünstig und das Mulchgut bleibt einfach kleingehäckselt auf der Fläche und verrottet. Die Nachteile werden auf den zweiten Blick sichtbar: Dadurch, dass nach jedem Mulchgang Mulchgut auf der Fläche mineralisiert wird, reichern sich Nährstoffe an.

Diese begünstigen konkurrenzstarke Gräser und wenige stickstoffliebende Kräuter wie den Löwenzahn. Die Verlierer dieser Mähtechnik sind die vielfältigen Wiesenkräuter wie Margeriten und Flockenblumen, aber auch zahlreiche Insekten und Kleintiere, die bei der Mulchmahd zu Tode kommen.

Aus ökologischer Sicht gibt es bessere Techniken: Balkenmäher schonen Insekten und Kleintiere, weil diese vor dem Mähbalken flüchten können und verschont werden. Das unzerkleinerte Mähgut kann von der Fläche geräumt werden, wodurch Nährstoffe entzogen und günstige Bedingungen für eine vielfältige Pflanzengesellschaft geschaffen werden. In dieser finden wiederum vielfältige Insekten und Kleintiere Nahrung und Lebensraum.

Ökologische Konzepte sollen Mulchmahd ablösen

Während die Maschinen für die Gras- und Heuernte in den zurückliegenden Jahren vor allem für Großflächen optimiert wurden, gibt es inzwischen Schwader, Ballenpressen und ähnliche Anbaugeräte auch für den Ein-Achser, womit auch kleine Flächen oder Böschungen maschinell abgeräumt werden können. Einer der dafür bekannt ist, dass er die Zeichen der Zeit früh erkennt, ist Siegbert Merkle.

Der gebürtige Zeuterner betreibt mit seiner Tochter Mona und deren Freund Jannik eine Firma, die das Ziel hat, die Mulchmahd in den Kommunen durch ökologische Mahdkonzepte abzulösen. Mit Balkenmäher und Ballenpresse haben die Biologen bereits im vergangenen Jahr erste Versuche in Zeutern und anderen Gemarkungen im Landkreis Karlsruhe unternommen.

„Im extrem trocken-heißen Sommer 2020 war das Gras, das wir morgens gemäht haben, abends so trocken, dass es direkt und ohne zu wenden gepresst werden konnte“, erzählt Merkle. „Pferde- und Kleintierhalter haben uns die kleinen, handlichen Ballen dankbar abgenommen.“

30 Prozent des Aufwuchses sollen stehen bleiben

Aber was, wenn das Wetter es nicht so gut meint? Wie wird dann das Gras getrocknet und geschwadet, in großen Mengen geborgen und verwertet? Für die Erarbeitung praktikabler Lösungen ist der Zeuterner Landwirt Georg Staudt mit im Team. „Genauso wichtig wie die schonende Mähtechnik ist es, nicht zu großflächig zu mähen“, erläutert Merkle, „30 Prozent des Aufwuchses sollen bei jeder Mahd stehen bleiben, damit Pflanzen zur Samenreife kommen und sich Insekten und Kleintiere verstecken und entwickeln können.“

Und so entstehen die Muster in den Silzenwiesen: „Wir haben Blocks, V-förmige und A-förmige Flächen und Streifen gemäht, um auszuprobieren, wie die Maschinen an der Böschung am besten eingesetzt werden können“, erklärt Jannik. Siegbert Merkle ergänzt: „Und wie es am schnellsten geht. Denn auch wir müssen wirtschaftlich denken!“

Genau wie im Handel und in anderen Dienstleistungsbereichen, so sollte auch die Landschaftspflege wirtschaftlich vertretbar und zugleich ökologisch wertvoll sein. „Daran arbeiten wir“, so Merkle. „Wir müssen herausfinden, wie das geht – wie man die Flächen in der Landschaft praktisch und wirtschaftlich unterhalten und als Lebensräume erhalten kann.“

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